NS-Raubkunst Museum soll enteignete Plakatsammlung behalten

Die von den Nazis geraubte Plakatsammlung des jüdischenKunstliebhabers Hans Sachs darf im Deutschen Historischen Museum Berlin bleiben. Das hat die Kommission über den Umgang mit NS-Raubkunst empfohlen. Die Nachfahren von Sachs sind enttäuscht.

Berlin - Das Deutsche Historische Museum (DHM) in Berlin darf laut der Empfehlung der Regierungskommission die von den Nazis beschlagnahmte Plakatsammlung von Sachs behalten und muss sie nicht an dessen Erben zurückgeben. Der ursprüngliche
Eigentümer Hans Sachs habe bereits 1966 zum Ausdruck gebracht, dass er seine materiellen Ansprüche wegen eines Vergleichs als ausgeglichen betrachte, hieß es in einer heute vom Bundespresseamt veröffentlichten Erklärung. Sohn Peter Sachs hatte Anspruch auf die Sammlung erhoben, deren Wert auf bis zu 50 Millionen Euro geschätzt wird.

Der Anwalt von Sachs, Gary Osen, nannte die Entscheidung moralisch inakzeptabel. Er wisse aber noch nicht, ob rechtliche Schritte möglich sind, sagte er. Sachs sagte, er sei sehr traurig.
Jemand, der erkläre, sein Vater wäre glücklich damit, dass ein
ostdeutsches Museum seine Sammlung erhalte und nicht die Familie, könne nicht die moralische Wirkung dieser Worte verstehen.

Die Kommission erklärte, "angesichts des deutlich zum Ausdruck gebrachten Willens des Sammlers Hans Sachs" empfehle sie, die Sammlung im DHM zu belassen. Hans Sachs, der 1961 von der Bundesregierung 225.000 Mark als Entschädigung erhalten hatte, habe Anfang der 70er Jahre in einer deutschen Veröffentlichung mit Bezug auf den noch vorhandenen Teil seiner Plakatsammlung formuliert: "West- und Ostdeutschland werden - dessen bin ich sicher - ihre Schätze zu hüten wissen."

Die Kommission empfahl weiter, dass das DHM die Sammlung
katalogisieren, pflegen und ausstellen solle. Die Plakate sollten
als Teil der "Sammlung Hans Sachs" präsentiert und in einem
Gesamtkatalog dokumentiert werden. Dies entspreche auch den
Intentionen von Peter Sachs, "diese einzigartige Sammlung nicht in Vergessenheit geraten zu lassen".

Kulturstaatsminister Bernd Neumann begrüßte die Empfehlung der Kommission. "Die Kommission ist nach umfassender Abwägung der vorgetragenen Argumente zu einem fairen und gerechten Ergebnis gekommen", erklärte der CDU-Politiker.

Die Sammlung, die in der Kaiserzeit und den Jahren der Weimarer Republik zu den weltweit bedeutendsten gehörte, umfasst noch 4500 Plakate. Bevor sie von der Gestapo beschlagnahmt wurde, waren es rund 12.500 Werke, darunter von Meistern wie Henri de Toulouse-Lautrec und Max Klinger. Die Kollektion war nach dem Krieg verschwunden und tauchte 1961 in einem Ost-Berliner Keller wieder auf. Sie wurde dem DDR-Museum für deutsche Gesichte übergeben und ging nach der
Wiedervereinigung in DHM-Besitz über. Sachs und seine Familie
emigrierten 1938 in die USA.

Mitglieder der von Bund, Ländern und Gemeinden gegründeten
Beratenden Kommission sind unter anderem Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker, die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth, und der Historiker Reinhard Rürup.

kai/AP/dpa

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