Geschlechterverhältnisse im Rundfunk Frauen haben nur ein Drittel der Macht

Der Verein ProQuote Medien zählt seit mehr als sechs Jahren den Frauenanteil in der Branche - nun speziell in den Fernseh- und Radioanstalten. Die Ergebnisse ernüchtern, nur zwei Sender erreichen Parität.
Tamara Anthony

Tamara Anthony

Die Redaktionen sind überwiegend weiblich, der Nachwuchs auch, nur die Führungsetagen werden von Männern dominiert: In Sachen Gendergerechtigkeit spiegeln die deutschen Rundfunkanstalten viele andere Branchen wider - einerseits. Andererseits zeigt eine aktuelle Studie des Vereins ProQuote Medien zur Geschlechterverteilung in journalistischen Führungspositionen auch positive Entwicklungen.

Erstmals seit der Gründung des Vereins im Sommer 2012 hat er sich die Führungsetagen in den öffentlich-rechtlichen und privaten Fernseh- und Hörfunksendern genauer angesehen. Immerhin liegt der sogenannte "gewichtete Frauenmachtanteil", mit dem Pro Quote Medien die Machtquote von Frauen in Unternehmen berechnet, im journalistisch-programmlichen Bereich im Durchschnitt bei 37,7 Prozent. Ein Wert, der über dem Bundesdurchschnitt in Führungsetagen liegt. Den gab das Statistische Bundesamt für das Jahr 2017 mit 29,2 Prozent an.

Von paritätischen Verhältnissen allerdings kann nur in ganz wenigen Fällen die Rede sein. Nur 37,6 Prozent der "Tagesthemen"-Kommentare wurden von Frauen gesprochen. Bei den Auslandsberichterstattern sind 31,6 Prozent weiblich und bei den Radio-Programmverantwortlichen 24,8 Prozent, ein Viertel der großen politischen TV-Magazinen wird redaktionell von Frauen verantwortet.

In Leitungs- und Kontrollfunktionen überwiegen die Männer

Verteilt auf die einzelnen Rundfunkanstalten zeigt sich ein sehr unterschiedliches Bild: Bei der Deutschen Welle etwa liegt der Frauenmachtanteil bei 51,9 Prozent und beim RBB bei 51 Prozent. Damit erfüllen die beiden Anstalten als einzige die Pro-Quote-Forderung nach einer Hälfte der Macht. Weit davon entfernt sind besonders kleinere Anstalten wie Radio Bremen (32,3 Prozent) und der Saarländische Rundfunk (25,6 Prozent).

Besonders positiv ist die Entwicklung beim RBB: Er hat eine Frau als Intendantin, im Rundfunkrat sitzen rund 60 Prozent Frauen und im Verwaltungsrat, bei den Auslandskorrespondenten und den Hörfunk-Programmleitungen herrscht Geschlechterparität.

In den Leitungsebenen sind allerdings bei keinem der 13 öffentlich-rechtlichen Sender Frauen in der Mehrheit, auch die Kontrollgremien sind mehrheitlich mit Männern besetzt. Ein Vergleich mit den Zahlen von 2016 zeige aber, so die Autoren, dass der weibliche Anteil tendenziell leicht ansteige.

Bei den privaten Sendern ließen sich weder RTL noch ProSiebenSat.1 in die Karten schauen. Aus den wenigen Daten, die für die Studie zur Verfügung standen, schlussfolgern die Autoren aber, dass Frauen dort stärker unterrepräsentiert sind. Zwar gibt es in den Belegschaften und beim journalistischen Nachwuchs jeweils mehr Frauen als Männer. In den Führungsetagen dreht sich dieses Verhältnis aber, gerade im Top-Management ist man noch weit von einer Ausgewogenheit entfernt.

Auch Regisseurinnen nach wie vor in der Unterzahl

Für Regisseurinnen in Film und Fernsehen stellt sich die Situation ähnlich dar: ernüchternde Gegenwart, sanfter Aufbruch in Richtung Zukunft. Laut einer Untersuchung der Organisation Pro Quote Film wurde im Jahr 2017 nur jeder fünfte deutsche Kinofilm von einer Frau inszeniert. Nur bei 19,8 Prozent der TV-Filme und Serien der ARD führten Frauen Regie, beim ZDF waren es noch weniger: 16,9 Prozent.

Immerhin gab die Intendantin des MDR, Karola Wille, ein Zeichen für den Aufbruch: Beim MDR soll künftig eine Quote dafür sorgen, dass 40 Prozent der Inhalte von Frauen inszeniert werden. Sie soll innerhalb von drei Jahren erreicht werden.

brs
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.