Oh mein Gott Holländer blasen Jesus-Kabarett-Show ab

Über Jesus macht man keine Witze, jedenfalls nicht im holländischen Fernsehen. Konservative Kritiker haben die Ausstrahlung einer öffentlich-rechtlichen Kabarett-Show verhindert, die angeblich Gott ins Lächerliche zog. Der Sender kann's nicht glauben.


Amsterdam/Hamburg - Bei ihnen darf gekifft werden, und Prostitution ist nicht nur legal, sondern florierendes Tourismusgewerbe - entsprechend ist die Toleranz unserer niederländischen Nachbarn viel gerühmt. Doch irgendwo ist selbst für die liberalen Holländer Schluss.

Aktuell zum Beispiel im Fall der Fernsehsendung "Loopt een man over het water..." ("Läuft ein Mann übers Wasser..."), die noch vor der Ausstrahlung der ersten Folge im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gestoppt wurde. Konservative Kritiker hatten befürchtet, die Show werde das Christentum ins Lächerliche ziehen.

Anstatt die Show abzuwarten, sollen Zuschauer noch vor der Erstaufführung gedroht haben, ihre Mitgliedschaft zu stornieren. In den Niederlanden funktioniert das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem etwas anders als in Deutschland: Die Anstalten sind nicht regional aufgeteilt, sondern nach Interessengruppen, und agieren wie Vereine, in denen man Mitglied ist und einen entsprechenden Beitrag zahlt.

Tatsächlich solle die Kabarettsendung die Beschäftigung mit Gott fördern, sagte ein Sprecher der öffentlichen Rundfunk- und Fernsehanstalt Evangelische Omroep (EO) - ganz so wie es der öffentlich-rechtliche Auftrag der EO vorsieht.

Arjan Lock, der Direktor der Fernsehanstalt EO, sagte der holländischen Tageszeitung "Handelsblad", man habe das Jesus-Kabarett nach den Beschwerden einer "kritischen Re-Evaluation unterzogen". Die Show sollte im öffentlich-rechtlichen Programm Nederland 3 im Rahmen der Sendung "TV Lab" laufen, bei der neue Formate ausprobiert werden.

Der populäre niederländische Moderator Arie Boomsma, der "Loopt een man over het water..." präsentieren sollte, zeigte sich enttäuscht über die Entscheidung, die Sendung vorerst nicht auszustrahlen: "Dieses Format bot eine einzigartige Möglichkeit, Vorurteile abzubauen und ein offenes und ehrliches Gespräch über Jesus in Gang zu bringen."

Erst im April hatte eine Gerichtsshow im Programm Nederland 2 für Aufsehen gesorgt. Dabei war Papst Benedikt XVI. von einer "Bürger-Jury" für den Tod von Millionen von Aids-Kranken verantwortlich gemacht worden, weil er die Benutzung von Kondomen kritisiert habe. Hingegen wurde der mutmaßliche Terroristenführer Osama bin Laden für unschuldig erklärt, da seine Beteiligung an den Anschlägen des 11. September 2001 in den USA nicht erwiesen sei.

can/dpa



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