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Elbphilharmonie: Zehnmal so teuer wie geplant

Foto: Marcus Brandt/ dpa

Hamburger Dauerbaustelle Elbphilharmonie kostet 789 Millionen Euro

Alle Nebenkosten sind jetzt berücksichtigt, "nach bestem Wissen und Gewissen" - das beteuert Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz: Der neue Preis für die Elbphilharmonie liegt bei 789 Millionen Euro, zehnmal so viel wie geplant. Falls nichts dazwischenkommt.

Hamburg - Die Hamburger Elbphilharmonie wird den Steuerzahler laut Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) insgesamt 789 Millionen Euro kosten - darin seien dann aber auch sämtliche Nebenkosten enthalten, sagte Scholz am Dienstag in der Hansestadt . "Nach bestem Wissen und Gewissen fehlt da nichts."

Anfang März hatte die Stadt mit der Baufirma Hochtief einen Vertrag geschlossen, wonach der Essener Konzern künftig sämtliche Risiken übernimmt und das Konzerthaus bis 2016 zum "Globalpauschalfestpreis" von 575 Millionen Euro zu Ende baut. Nicht berücksichtigt waren dabei jedoch unter anderem die Finanzierungs- und Baukosten für den kommerziellen Teil und die Vorplanungskosten.

Der Senat der Hansestadt hat diesem Neuordnungsvertrag am Dienstag zugestimmt. Nun muss noch das Parlament des Stadtstaates, die Bürgerschaft, der Vereinbarung zustimmen, was angesichts der absoluten SPD-Mehrheit erwartet werden kann. Stichtag ist der 30. Juni - hat die Bürgerschaft bis dahin nicht zugestimmt, ist das neue Vertragswerk hinfällig. Die Opposition murrt bereits über ein Hauruck-Verfahren.

Die Elbphilharmonie kommt den Steuerzahler damit mehr als zehnmal so teuer wie ursprünglich geplant, als das Hamburger Prestigeprojekt noch mit rund 77 Millionen veranschlagt wurde. Scholz sagte dazu: "Wenn man am Anfang den Mut und die Bereitschaft gehabt hätte, das Gebäude fertig zu planen und erst dann die Aufträge zu erteilen, wäre möglicherweise von Beginn an klar gewesen, dass man dieses anspruchsvolle Konzerthaus nicht für die damals vermittelten Summen errichten kann."

Vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft hatte der damalige Bürgermeister Ole von Beust das Projekt im Februar trotz der rasant gewachsenen Kosten verteidigt.

Unter dem CDU-geführten Senat von Beust wurde die Idee für ein Konzerthaus als Wahrzeichen des neuen Stadtteils Hafencity entwickelt. 2003 stellte das Architekturbüro Herzog & de Meuron einen ersten Entwurf vor; 2007 wurde der Grundstein gelegt für den Bau, den die Firma Hochtief federführend ausführt.

Nach verschiedenen Streitigkeiten um Sicherheitsbedenken und Kostensteigerungen kam es im Oktober 2011 zum Baustopp. Seither verhandelten die Beteiligten um eine neue Grundlage für die Fertigstellung des Bauwerks, die mit den Neuordnungsverträgen gefunden sein soll.

Inzwischen ist die Baustelle schon zu literarischen Ehren gekommen: In dem Roman "Ueberdog" lässt der Autor Jörg-Uwe Albig seine Hauptfiguren, eine Gruppe Obdachloser, in der Bauruine der Elbphilharmonie leben.

feb/dpa
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