Olympia-Dokumentarfilmer Bud Greenspan ist gestorben

Der amerikanische Filmemacher Bud Greenspan ist am ersten Weihnachtstag mit 84 Jahren in New York gestorben. Der Regisseur, der als Olympia-Dokumentarfilmer bekannt wurde, verstarb an den Folgen seiner Parkinson-Erkrankung.


New York - Ob Calgary, Barcelona oder Lillehammer - Bud Greenspan hielt die Olympischen Spiele mit seinen Dokumentarfilmen für die Nachwelt fest. Nun ist der achtfache Emmy-Preisträger im Alter von 84 Jahren in seiner Heimat New York gestorben. Von 1966 bis 2010 filmte er die Olympischen Spiele und ihre Athleten in Porträts, Dokumentarfilmen und Reihen. 1977 realisierte er auch einen Spielfilm über eine schwarze Goldmedaillengewinnerin: "Wilma Rudolph, die schwarze Gazelle". Darin ist der junge Denzel Washington in seiner allerersten Rolle zu sehen.

Bekannt wurde Greenspan vor allem durch seine zehnteilige, mit dem Emmy ausgezeichnete Reihe "The Olympiad" von 1976, eine 22-stündige Dokumentation, die in 80 Ländern gezeigt wurde. Viel Beachtung fand auch sein Film über die Leichtathletik-Legende Jesse Owens von 1966. Owens war 30 Jahre nach seinem vierfachen Goldmedaillengewinn bei der 1936 von Nazi-Deutschland ausgerichteten Olympiade noch einmal nach Berlin zurückgekehrt.

Bud Greenspan begann seine Karriere mit 21 Jahren als Radioreporter bei den Olympischen Spielen 1948 in London. Bis heute hat er zahlreiche Auszeichnungen erhalten, unter anderem hat ihn 1995 die Director's Guild of America (die gewerkschaftliche Vereinigung der US-Regisseure) für sein Lebenswerk geehrt.

"Ewiger Freund der Olympischen Spiele" nannte ihn Juan Antonio Samaranch, der damalige Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), als er ihm 1985 den Olympischen Orden für sein Werk verlieh. Denn Greenspans Dokumentationen zeigten ausschließlich die positiven Seiten der Spiele.

Dafür wurde der Filmemacher nicht nur geliebt. Anlässlich der Dokumentarserie "100 Jahre Olympische Spiele" warf ihm etwa die "Süddeutsche Zeitung" Mitte der Neunziger Gefälligkeitsberichterstattung vor. Die "Frankfurter Rundschau" nannte das Werk eine "brave Auftragsarbeit", weil Greenspan die andauernden Verstrickungen der Olympischen Spiele mit der Politik unberücksichtigt ließe.

Greenspan entgegnete im Interview mit der "New York Times" 1996: "Ich wurde dafür kritisiert, dass ich eine rosarote Brille aufhabe. Ich sage, es stimmt, aber was ist daran so schlecht? Ich bin nicht gut darin, Leuten weh zu tun."

Seinen letzten Einsatz hatte Bud Greenspan bei den Olympischen Spielen von Vancouver 2010.

dia/sid



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