Opern-Drama Berlin will "Idomeneo" wieder aufführen

Berlins Kultursenator Thomas Flierl will das abgesetzte Mozart-Stück "Idomeneo" so schnell wie möglich wieder auf den Spielplan bringen. Doch der Stuhl der Opern-Intendantin Kirsten Harms wackelt.


Berlin – Opern-Intendantin Harms hatte die Aufführung des Mozart-Werks "Idemeneo" aus Furcht um Leib und Leben ihrer Mitarbeiter und Zuschauer abgesagt. Inzwischen setzen sich die Teilnehmer der Islam-Konferenz für die Wiederaufnahme von "Idomeneo" ein. Auch Berlins Kultursenator Thomas Flierl (Linkspartei) betonte, er wolle die abgesetzte Oper "Idomeneo" so schnell wie möglich wieder auf den Spielplan bringen.

Zusammen mit Innensenator Körting und dem Ausländerbeauftragten Günter Piening sollten nun die Bedingungen geschaffen werden, sagte Flierl. An der Initiative sollen sich auch die Kirchen und die islamischen Verbände beteiligen. "Berlin will diese Inszenierung", betonte der Kultursenator. Auch die Pressestelle der Deutschen Oper bestätigt, dass eine Wiederaufnahme zurzeit überlegt wird. Es müsse nur "ein passender Termin gefunden" werden.

Derweilen mehren sich die Rücktrittsforderungen an die Opernintendatin. "Frau Harms sollte ihren Stuhl räumen", sagte der Berliner Vorsitzende des Berufsverband bildender Künstler (BBK) Herbert Mondry. In Europa geltende Garantien der Kunstfreiheit und der Meinungsfreiheit seien Kern-Menschenrechte und in Deutschland Grundgesetz. Der Hallenser Opernintendant Klaus Froboese spricht sich ebenfalls für einen Rücktritt Harms aus. "Ihr Verhalten ist unprofessionell und deutet auf ein lausiges Management hin", sagte Froboese heute in Halle.

Auch unter den Mitarbeitern wurde Harms' Entscheidung kritisiert. "Vielleicht ist sie nicht die Richtige, um solche Anforderungen bewältigen zu können", sagt ein Mitarbeiter des Hauses. Viele seiner Kollegen schätzen Harms, doch gilt ihre Art als "mütterlich-fürsorglich". "Sie wirkt oft ein bisschen naiv", sagt eine andere Mitarbeiterin. Ihre Art zu führen sei "lasch". Dieses Image habe sie durch ihre überstürzte Entscheidung nur noch weiter forciert - und sich damit selbst geschadet.

"Vielleicht sollten einfach die Sicherheitsvorschriften verschärft werden, anstatt ein Stück komplett zu streichen", sagt die Mitarbeiterin, die die Solidaritäts-Unterschriftenliste für Harms unterzeichnet hat, die seit gestern in der Oper kursiert.

100 Mitarbeiter haben bisher unterzeichnet - von 544 insgesamt. "Heute war die Atmosphäre unruhiger als üblich", sagte ein Sänger aus dem Ensemble des Stücks, das Harms zurzeit an der Deutschen Oper inszeniert. Für die Probe bleibt ihr heute kaum Zeit. Die Musiker im Orchester-Graben nehme die Sache dagegen mit Humor: "So groß hätten wir es sonst nie auf die Titelseiten geschafft".

fho/sop/Reuters/ddp/dpa/AFP/AP



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