Operndorf Schlingensief-Projekt wird weiter gefördert

Christoph Schlingensief hinterlässt zahlreiche Projekte: Eine Oper wollte er uraufführen, für die Biennale 2011 den deutschen Pavillon gestalten. Sein Operndorf in Afrika wird auch über seinen Tod hinaus existieren. Das sagten die Förderer zu.

dpa

Berlin - Das Operndorf "Remdoogo" lag Christoph Schlingensief besonders am Herzen. Im Februar war in Ouagadougou in Burkina Faso der Grundstein für das Projekt gelegt worden: eine Dorfschule für Musik- und Filmunterricht, mit Theater- und Veranstaltungsräumen, Werkstätten und einer Krankenstation.

Das Goethe-Institut versicherte nun, den Bau auch nach dem Tod Schlingensiefs weiter zu unterstützen. "Es war faszinierend zu sehen, wie das Projekt ihm Mut und Energie gab und diese sich auf seine Umgebung übertrug", sagte Institutspräsident Klaus-Dieter Lehmann am Montag. "Diese Energie soll fortleben."

Auch ein weiterer Sponsor, die Kulturstiftung des Bundes, unterstützt das Projekt weiterhin. Man habe sich 2009 einstimmig für das Operndorf entschieden, sagte Torsten Marß, Leiter der allgemeinen Projektförderung, zu SPIEGEL ONLINE. Das Wunderbare daran sei, dass es "kein Festspielhaus im Sinne von Bayreuth" darstelle, sondern dass "Kunst und Helfen ineinander fließen". Die Eröffnung ist für Oktober vorgesehen. Schlingensiefs Familie bittet statt Blumen und Kränzen um Spenden für das Operndorf.

Andere Projekte straucheln ohne Schlingensief

Derweil ist die Zukunft anderer Projekte offen: Für die Uraufführung von Jens Joneleits "Metanoia"-Oper sollten am Montag die szenischen Proben beginnen. Ein Sprecher der Berliner Staatsoper erklärte, es werde wie geplant bei einer szenischen Aufführung bleiben. Die Uraufführung soll die neue Spielzeit der Oper im Ausweichquartier im Schillertheater eröffnen. Das Haus der Staatsoper wird derzeit umgebaut.

Zur Überraschung der Kunstwelt war Schlingensief im Mai auch die Gestaltung des deutschen Pavillons für die 54. Biennale in Venedig übertragen worden. Er habe mit großem Enthusiasmus bereits eine Vielzahl von Themen und Details entwickelt, teilte Pavillon-Kuratorin Susanne Gaensheimer vom Museum für Moderne Kunst (MMK) in Frankfurt am Montag mit. In den kommenden Wochen werde geprüft, ob Ideen des Künstlers umgesetzt werden könnten.

Gaensheimer hatte Schlingensief um die Gestaltung gebeten. "Wir wussten um das Risiko", sagte Museumssprecherin Christina Henneke. Es habe aber nie einen "Plan B" gegeben. An einer Vorstellung des Konzepts Anfang Juli in Frankfurt am Main hatte Schlingensief schon nicht mehr teilnehmen können. Auch eine Produktion für die Ruhrtriennale ("S.M.A.S.H. - In Hilfe ersticken") musste er bereits vor Wochen absagen. "Die Lücke bleibt", so ein Sprecher des Kunstfestes.

Abschied nehmen im Kondolenzbuch

In Kürze erscheinen Schlingensiefs Memoiren. Eine Sprecherin des Verlagshauses Kiepenheuer und Witsch sagte am Montag, das Manuskript liege vor, der genaue Erscheinungstermin sei aber noch offen. Der Band sollte ursprünglich am 23. September erscheinen - einen Monat vor dem 50. Geburtstag des Künstlers am 24. Oktober. Kiepenheuer und Witsch hatte den Termin jedoch ohne Angabe von Gründen verschoben.

Wann und wo Schlingensief beigesetzt wird, wurde nicht bekannt. Er wolle im kleinsten Familienkreis beigesetzt werden, hieß es von Freunden. Auch über das zum Abschied geplante Theaterfest waren keine Einzelheiten zu erfahren. Freunde und Bewunderer Schlingensiefs können auf der Internetseite des Operndorfs Abschied nehmen. Dort wurde ein Online-Kondolenzbuch eingerichtet.

can/dpa



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