Opernreform Stölzl im Kreuzfeuer der Künstler

Der Druck auf Christoph Stölzl wächst. In den Protest gegen die Opernreform des Berliner Kultursenators schalten sich nun auch internationale Künstler wie Placido Domingo ein.


Seine Sparpläne ziehen international Kreise: Kultursenator Stölzl
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Seine Sparpläne ziehen international Kreise: Kultursenator Stölzl

Berlin - 44 namhafte Dirigenten, Sänger und Musiker wie Placido Domingo, Pinchas Zukerman und Simon Rattle protestierten in einer in mehreren Berliner Tageszeitungen veröffentlichten Anzeige gegen die Pläne Stölzls. Der parteilose Politiker will - zwecks Einsparung von Zuschüssen - die Staatsoper und die Deutscher Oper zusammenlegen und die Orchester verkleinern.

In ihrer Anzeige äußern die Künstler Bestürzung und Sorge über die geplanten "Maßnahmen" und appellierten an Stölzl, die "gewachsenen Strukturen nicht zu stören." Zu den Unterzeichnern des Appells gehören unter anderem auch Giuseppe Sinopoli, Zubin Mehta, Maurizio Pollini und Dietrich Fischer-Dieskau. Die Zusammenführung der beiden großen Opernhäuser - Staatsoper Unter den Linden und Deutsche Oper Berlin - würde zur Zerstörung eines der Häuser führen, argumentierten die Künstler.

"Die drastische Reduzierung ihres künstlerischen Personals bei den Orchestern und Chören würde die historisch gewachsene, unterschiedliche künstlerische Tradition und Identität beider Häuser auslöschen", heißt es in der Anzeige weiter. Der Dirigent Michael Gielen, ebenfalls Mitunterzeichner, leitete am Dienstagabend ein "Protestkonzert" der Staatskapelle der Staatsoper im Kunsthaus Tacheles. Das Konzert stand unter der Schirmherrschaft des früheren Bundesaußenministers Hans-Dietrich Genscher, der dem Freundeskreis der Staatsoper angehört und Stölzls Pläne ebenfalls scharf kritisiert.

Rückendeckung erhielt der bedrängte Kultursenator unterdessen lediglich vom Wiener Staatsoperndirektor Ioan Holender. Er erklärte in der österreichischen Zeitung "Die Presse", dass die Kulturpolitik reagieren müssen, wenn die Berliner Opern nach zehn Jahren Untätigkeit immer noch mehr Geld für immer weniger Zuschauer bräuchten. Stölzl begrüßte die Schützenhilfe und meinte daran zu erkennen, dass der Strukturreformansatz, den er mit seinem Papier verfolge, in die richtige Richtung gehe.

Am Freitag soll in Berlin eine gemeinsame Initiative des künstlerischen Leiters der Staatsoper, Daniel Barenboim, des Orchestervorstands Matthias Glander und des Kulturkaufhauses Dussmann vorgestellt werden. Dussmann will sich finanziell für den Verbleib von Barenboim in der Hauptstadt engagieren.



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