ORF-Aufstand erfolgreich Umstrittener Kandidat Pelinka gibt auf

Über tausend Mitarbeiter des Österreichischen Rundfunks hatten gegen ihn protestiert, nun zieht Niko Pelinka, umstrittener Kandidat für den Posten des Büroleiters von ORF-Chef Wrabetz, seine Bewerbung zurück. Mit einer schriftlichen Erklärung tritt er die Flucht nach vorn an.

Pelinka, ORF-Chef Wrabetz: "Nicht mehr akzeptabel"
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Pelinka, ORF-Chef Wrabetz: "Nicht mehr akzeptabel"

Von Ralf Leonhard


Hamburg/Wien - Die Protestaktionen der Belegschaft des Österreichischen Rundfunks (ORF) gegen parteipolitisch motivierte Postenvergabe zeitigen Erfolg: "Die andauernde öffentliche Debatte über meine Person und meine mögliche Bestellung zum Büroleiter des ORF-Generaldirektors hat ein Ausmaß erreicht, das nicht mehr akzeptabel ist. Ich ziehe mich von dieser Ausschreibung zurück." Mit dieser schriftlichen, von der österreichischen Presseagentur APA und Wiener Tageszeitungen verbreiteten Erklärung trat der im Sender höchst umstrittene Niko Pelinka am Donnerstagvormittag die Flucht nach vorne an.

Für den 25-Jährigen hatte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz eine neue Position geschaffen, die besser bezahlt und mit größeren Kompetenzen ausgestattet sein sollte als die bisherige Assistentenstelle. Für die ORF-Belegschaft bestand der Verdacht, dass die Bestellung, die noch vor der offiziellen Ausschreibung verkündet wurde, ein Zugeständnis gegenüber der Kanzlerpartei SPÖ war. Die Redakteure äußersten ihren Unmut in einer Protestresolution, die von über tausend Mitarbeitern des Senders unterzeichnet wurde. Pelinka hatte im Sommer als Koordinator des SPÖ-Freundeskreises im Stiftungsrat, dem Aufsichtsgremium des ORF, die Wiederwahl von Wrabetz orchestriert.

Pelinka kommt mit seinem Rückzug einer Sondersitzung des Stiftungsrats am Freitag zuvor. Dort sollte die Postenbesetzung, die auch juristisch nicht einwandfrei sein dürfte, gestoppt werden. Gerhard Moser, Zentralbetriebsrat des ORF und Mitglied des 36-köpfigen Stiftungsrats, sagte zu SPIEGEL ONLINE: "Die Fragwürdigkeit der Bestellungen ist nicht vom Tisch". Es würden auch andere Mitglieder des Stiftungsrats mit Posten belohnt. Die ORF-Redaktionsmitglieder, die mit ihren Protesten an die Öffentlichkeit gingen, warten noch auf eine offizielle Stellungnahme von Generaldirektor Wrabetz. Redakteurssprecher Dieter Bornemann erwartet ein "Friedensangebot auf breiter Front".

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henkel-franklin 19.01.2012
1. So einen Aufstand
Zitat von sysopÜber tausend Mitarbeiter des Österreichischen Rundfunks hatten gegen ihn protestiert, nun zieht Nico Pelinka, umstrittener Kandidat für den Posten des Büroleiters von ORF-Chef Wrabetz, seine Bewerbung zurück. Mit einer schriftlichen Erklärung tritt er die Flucht nach vorn an. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,810079,00.html
würde es bei uns nicht geben, da unsere Öffentlich Rechtichen Journalisten alle aus einer Politisch Homogenen Ecke stammen, werden sie alle Kandidaten ihrer Politischen ausrichtung durchnicken, Außerdem haben nicht die Journalisten das Sagen bei ARD und ZDF, sondern die Neofeudalisten von Ver.di!
genugistgenug 19.01.2012
2. aha
Zitat von sysopÜber tausend Mitarbeiter des Österreichischen Rundfunks hatten gegen ihn protestiert, nun zieht Nico Pelinka, umstrittener Kandidat für den Posten des Büroleiters von ORF-Chef Wrabetz, seine Bewerbung zurück. Mit einer schriftlichen Erklärung tritt er die Flucht nach vorn an. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,810079,00.html
aha, es Protest funktioniert doch! wir haben keine freie Presse mehr - die ehemalige Sekretärin für Aggitation und Propaganda, ehem. Pressesprecherin einer untergetauchten Diktatur hat sicher überall ihre Seilschaften platziert
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