Oscar-Doku "The Cove" Japanische Kinos killen Delfinjagd-Film

In Japan werden jedes Jahr massenweise Delfine abgeschlachtet - doch große Aufmerksamkeit ist unerwünscht. Nach Drohungen haben Kinobetreiber eine Oscar-prämierte Dokumentation des blutigen Gemetzels aus dem Programm gestrichen - jetzt wollen die Filmemacher "Die Bucht" verschenken.
Delfin-Aktivist Richard O'Barry: Massenschlachtung für alle Zeiten stoppen

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Foto: Koji Sasahara/ AP

Tokio - In einem kleinen japanischen Fischerdorf färbt sich Jahr für Jahr das Meer blutrot: Tausende Delfine werden dort abgestochen, nach grausamer Treibjagd. Einem Filmteam gelangen unter größten Anstrengungen Aufnahmen des Gemetzels, ihre Doku "Die Bucht" ("The Cove") wurde mit einem Oscar ausgezeichnet - und findet in Japan doch kein Publikum.

Dafür haben Drohungen von Nationalisten gesorgt, Kinobetreiber haben daraufhin reihenweise die Vorführung des Films aus Angst vor Protesten und Repressionen abgesagt. Nach und nach gaben die ursprünglich 20 Betreiber auf, die sich überhaupt nur dazu durchringen konnten, "Die Bucht" ins Programm zu nehmen. Damit der Film trotzdem ein Publikum in Japan finden kann, setzen die Macher aufs Internet: Sie wollen ihre Dokumentation verschenken.

Nun soll "Die Bucht" in Japan kostenlos im Internet zu sehen sein. Das teilte das auf Video-Streaming spezialisierte Unternehmen Niwango am Donnerstag mit. Niwango erklärte, die Zuschauer seien zu einer kritischen Diskussion per E-Mail und Twitter eingeladen. Bisher ist der Film in der japanischen Öffentlichkeit kaum bekannt, weil er höchstens bei Filmfesten und eher privaten Anlässen gezeigt wurde.

Der Held des Films ist der ehemalige Delfintrainer der Fernsehserie "Flipper". Der 70-Jährige setzt sich seit Jahren für das Wohl und die Freiheit der Meeressäuger ein. Mit versteckten Kameras gelang es dem Filmteam trotz hoher Sicherheitsvorkehrungen und der Ablehnung durch die örtliche Bevölkerung, die blutige Delfinjagd aufzuzeichnen. Nationalisten verdammen den Film als Verunglimpfung der japanischen Tradition.

Die japanische Regierung erlaubt, jährlich 19.000 Delfine zu jagen. 2000 davon werden in dem Fischerdorf Taiji geschlachtet, das sich selbst als "Walstadt" bezeichnet. Doch Umweltschützer konzentrieren ihre Kritik auf diesen Ort, weil die Jäger die Tiere dort nach der Tradition des "Oikomi" in eine Bucht treiben und töten. Das macht die Jagd besser sichtbar.

ore/apn

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