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28. April 2000, 18:20 Uhr

Otto Herbert Hajek

Rückschau auf fünf Jahrzehnte

Die Bonner Bundeskunsthalle zeigt die bisher umfassendste Ausstellung zum Leben und Werk von Otto Herbert Hajek. Der Stuttgarter Bildhauer und Maler ist vor allem durch seine Großplastiken bekannt geworden, die überall in der Welt auf öffentlichen Plätzen zu sehen sind.

Otto Herbert Hajek mit seiner elf Meter hohen Plastik "Wegzeichen" vor der Stuttgarter Sparda-Bank
DPA

Otto Herbert Hajek mit seiner elf Meter hohen Plastik "Wegzeichen" vor der Stuttgarter Sparda-Bank

Bonn - Knapp 150 Skulpturen, Gemälde und Arbeiten auf Papier des 1927 in Kaltenbach in Böhmen geborenen Künstlers geben einen Einblick in das Gesamtwerk des Künstlers, der zu den entscheidenden Impulsgebern der Plastik im deutschen Informel zu zählen ist.

Hajek, der mit seinen oft stark farbigen, geometrisierenden Großskulpturen hervortrat, lebt in Stuttgart. Die bisher größte Retrospektive seines Werkes in der Bundeskunsthalle legt das Gewicht auf seine informellen Arbeiten, in denen Hajek parallel zu nur wenigen Künstlerkollegen gemalte gestische Abstraktionen auch räumlich werden ließ. "Raumknoten" nannte er seine oft überraschend kleinen Bronzeskulpturen, die an organische Formen erinnern.

Fotos dokumentieren die zahlreichen großformatigen Plastiken auf den Straßen und Plätzen vieler Metropolen von Ankara bis Montevideo. Die "Große Plastik mit Farbweg", eine rund 2,50 Meter hohe Bronzearbeit mit umlaufendem Goldstreifen, bringt 1962 erstmals Farbe ins Spiel, die auch in den späteren Jahren eine entscheidende Rolle spielt.

Signalcharakter nimmt Hajeks starke Farbigkeit bei den Großskulpturen der siebziger Jahre an, die einem Dekorationsbedürfnis für Straßen, Plätze und öffentliche Gebäude entsprangen. Nahe den vom Bauhaus beeinflussten Arbeiten Max Bills oder den geometrisierenden Abstraktionen Victor Vasarelys stehen die in Bonn präsentierten späten Gemälde des Stuttgarters: Rotierende Kreise, bunte Viel- und Rechtecke und teils mit Blattgold belegte Leinwände. Die Ausstellung ist noch bis zum 27. August in Bonn zu sehen.

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