Palast der Republik Bundestag macht Weg für Abriss frei

In "Erichs Lampenladen" gehen die Lichter aus: Heute lehnte das Parlament mit großer Mehrheit Anträge von Linkspartei und Grünen ab, auf den seit längerem geplanten Abriss zumindest vorerst zu verzichten.


Berlin - Gestern begann das mit dem Abriss beauftragte Baukonsortium, die benötigten Baucontainer aufzustellen. Heute kam das wohl endgültige Aus: In namentlicher Abstimmung votierten für die Empfehlung des Kulturausschusses, beide die Anträge von Linkspartei und Grünen abzulehnen, 431 Abgeordnete. 120 stimmten mit Nein, 18 enthielten sich.

Abrissreifer Palast der Republik: Aus per Bundestagsbeschluss
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Abrissreifer Palast der Republik: Aus per Bundestagsbeschluss

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) wies in der Debatte Forderungen nach einem Abrissstop zurück und verteidigte nachdrücklich das Vorhaben, auf dem Areal das sogenannte Humboldt-Forum mit der Kubatur des früheren Stadtschlosses zu errichten. So habe es auch der Bundestag 2003 entschieden. "Ich sehe keinen wirklich überzeugenden Grund, diese Beschlüsse aufzuheben."

Demgegenüber sprach sich Linksfraktions-Chef Gregor Gysi dafür aus, den Rohbau des Republikpalastes zu erhalten und um Elemente des einst vom DDR-Regime gesprengten Schlosses zu ergänzen. Insbesondere auch jüngere Menschen hätten einen Bezug zu dem Bau im Zentrum der Hauptstadt.

Die Grünen setzten sich vor allem für eine Weiterführung der kulturellen Zwischennutzung ein, mit der im Jahr 2004 begonnen worden war. Es gehe nicht um die Frage Republikpalast oder Stadtschloss, sondern darum, ob es auf dem Areal künftig eine Brache geben werde, sagte die Abgeordnete Anna Lührmann in der Debatte.

Der Abriss des Republikpalastes soll im Februar beginnen. Die Aufträge für den sogenannten Rückbau wurden Anfang Januar an zwei Unternehmen aus Brandenburg und eines aus Niedersachsen vergeben, seit Mitte Januar steht ein provisorischer Bauzaun. Der Abriss wird voraussichtlich 14 Monate dauern. Für die gesamten Rückbaumaßnahmen stehen laut Berliner Senat 20 Millionen Euro zur Verfügung.



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