Papstsatire MTV zeigt alle "Popetown"-Episoden

Der Sender MTV will die umstrittene Cartoon-Serie "Popetown" in voller Länge ausstrahlen. Trotz anhaltender Kritik seitens der katholischen Kirche sollen auch die restlichen neun Episoden der animierten Papstsatire gezeigt werden.


Berlin - Nachdem die erste Folge in der vergangenen Woche eingebettet in eine Live-Diskussionsrunde über den Sender ging, sollen die neun restlichen Episoden von "Popetown" nun jeweils mittwochs zu sehen sein. MTV begründete seine Entscheidung mit den Reaktionen der Zuschauer und der Einschätzung der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF), die die eingereichten Folgen als rechtlich unbedenklich eingestuft habe.

In ihrem Prüfbericht habe die FSF mitgeteilt, dass in "Popetown" weder eine ablehnende oder gar feindselige Haltung gegenüber Angehörigen einer religiösen Gruppe geschürt, noch die Menschenwürde verletzt werde, erklärte der Sender heute. In der Diskussionsrunde zur ersten Episode, bei der neben dem Popmusiker Smudo auch ein Vertreter des Bundes katholischer Jugend teilgenommen hatte, habe es zwar kritische Äußerungen gegeben, aber keine Forderungen nach einem Verbot der Cartoon-Serie, die sich im folgenden als erschreckend harmlos entlarvte.

Das Landgericht München hatte kurz vor dem Sendetermin der ersten Episode einen Antrag auf einstweilige Verfügung des Ordinariats München abgelehnt. Die Sendung bedrohe nicht den öffentlichen Frieden, befanden die Richter. Ordinariatssprecher Winfried Röhmel sagte heute, es sei zu erwarten gewesen, dass der Sender sowohl den Gerichtsbeschluss als auch die FSF-Freigabe als Freibrief zur Ausstrahlung ansehen werde. Diese machten jedoch deutlich, dass ein "wirkungsvoller Schutz vor Verunglimpfung von christlichen Bekenntnissen" nicht gewährleistet sei. Daher sei jetzt die Politik gefordert, gesetzliche Regelungen zu schaffen, um diesen Schutz zu gewährleisten, betonte Röhmel.

"Popetown" soll nun jeweils mittwochs von 21.30 Uhr bis 22.00 Uhr und in der Wiederholung jeweils samstags ab 21.30 Uhr zu sehen sein. Die BBC, der ursprüngliche Auftraggeber der animierten Papstsatire, hatte 2004 nach Protesten seitens der Kirche auf die Ausstrahlung der Serie verzichtet. Sie lief bisher lediglich in Neuseeland. In Deutschland hatten Vertreter der katholischen Kirche und der CSU sich gegen eine Ausstrahlung gewandt , nachdem MTV mit einem provozierendem Anzeigenmotiv in TV-Zeitschriften geworben hatte.

bor/AP/ddp



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