Opioidkrise Schmerzmittelgegner protestieren vor Pariser Louvre

Aktivisten um die Fotografin Nan Goldin haben vor dem Pariser Louvre gegen die Pharmafamilie Sackler protestiert. Sie fordern vom Museum, den Namen des Sponsors aus dem Haus zu verbannen.

STEPHANE DE SAKUTIN/ AFP

"Take down the Sackler Name" stand auf dem roten Banner, das die Aktivistengruppe P.A.I.N. Sackler vor der gläsernen Pyramide des Louvre spannte. Auf einem anderen war "Shame on Sackler" zu lesen. Später schienen die Künstlerin Nan Goldin und andere Protestler zu kollabieren - sie fielen zu Boden, lagen wie tot im Brunnen des Louvre.

Dieser Protest kommunizierte eine konkrete Forderung: Das Louvre-Museum soll den Namen eines ihrer finanzkräftigsten Mäzene, der US-amerikanischen Familie Sackler, aus zwölf Räumen des Hauses verbannen. Die Widmung ist im Louvre in einem großen Flügel mit Antiquitäten zu lesen, dem "Sackler Wing of Oriental Antiquities", den sich die Familie im Jahr 1997 zehn Millionen Francs kosten ließ. "Wir akzeptieren nicht, dass das Louvre den Namen einer Familie trägt, die sich eines Verbrechens mitschuldig gemacht hat", heißt es in einer Mitteilung der Aktivisten.

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Schmerzmittelgegner: Protest vor dem Louvre

Mit Verbrechen ist die Opioidkrise in den USA gemeint, die laut P.A.I.N. bereits etwa 400.000 Menschen getötet hat und ihren Schätzungen zufolge in den kommenden Jahren weitere 700.000 Menschen umbringen könnte. Die Schuld geben die Aktivisten der Pharmafamilie Sackler, die das verschreibungspflichtige Medikament Oxycontin für ihre Firma Purdue entwickelt und in den Markt gedrückt hat. Dem Unternehmen und der Eigentümerfamilie wird vorgeworfen, die Gefahren bewusst verharmlost zu haben - denn Oxycontin kann über Nacht abhängig machen und löste die Opioidkrise in den USA aus.

Die P.A.I.N.-Aktion vor dem Louvre ist die erste in Europa nach einer Reihe von Inszenierungen in US-amerikanischen Museen. Im Metropolitan Museum in Manhattan warfen Nan Goldin und andere Opioidgegner Pillendosen in das Wasserbecken eines altägyptischen Tempels. Im Februar 2019 ließ die Gruppe im Guggenheim-Museum Flugblätter durch das Atrium segeln, auf denen "Sacklers lie, people die" zu lesen war. Mit der Londoner National Portrait Gallery verhandelte Goldin, dass sie dort nur ausstelle, wenn das Museum keine Spenden der Sacklers mehr annähme. Daraufhin verzichtete die Portrait Gallery auf mehr als eine Million Euro.

Künstlerin Nan Goldin war selbst jahrelang vom Schmerzmittel Oxycontin abhängig und entkam nach eigenen Angaben nach einer Überdosis Fentanyl nur knapp dem Tod (lesen Sie hier ein Porträt über sie). Nach ihrer Genesung gründete sie die Aktivistengruppe.

cpa



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