Heute in den Feuilletons "Euch soll der Hitler niemals fehlen"

Die "Jüdische Allgemeine" zeichnet ein Nahost-Stimmungsbild in der Türkei. Beuys-Witwe Eva ist not amused, dass eine Fettecke ihres verstorbenen Mannes zum Schnapsbrennen benutzt wurde, meldet die "Presse". Tim Parks möchte in der "NYRB" klarstellen: Knausgards "Mein Kampf" ist kein Bestseller.


Efeu - Die Kulturrundschau

Film, 24.07.2014

Zuviel Fernsehen, zuviel Konsenssucht, zu wenig kreative Heißblütigkeit unter den Jungregisseuren - Altregisseur Eckhart Schmidt (u.a. "Der Fan", 1982) lässt im Freitag kein gutes Haar am deutschen Filmförderkino und dem Hochschulnachwuchs. Wenn man schon soviel Geld in gremiengeprüftes Mittelmaß versenkt, könnte man damit auch weit besseres anstellen, schlägt Schmidt vor und fordert einen 100 Millionen Euro starken Risikofonds in der Filmförderung: "Allen, die noch jung an Jahren oder im Kopf sind und einen Kinofilm machen wollen, sollte man zwei Millionen Euro in die Hand drücken. Ohne Fremdkontrolle über das jeweilige Projekt. Ohne Diskussion. Einfach mit der Freiheit, genau das zu realisieren, was man sich vorgenommen hat. Experimentieren. Alle Regeln missachten. Andere Filme machen."

Die Filmkritik jubelt über Gareth Evans neuen, in Indonesien entstandenen Martial-Arts-Film "The Raid 2". Beim Perlentaucher rühmt Jochen Werner die "brachiale inszenatorische Wucht". Dieser Film, schreibt er weiter, "ist ein megalomanisches, durch und durch konsequentes und sehr idiosynkratisches Projekt eines Regisseurs, der darin zu bis dato kaum zu erahnender Meisterschaft gefunden hat. Ein großer Wurf, ein famoses Stück Bewegungskino. Chapeau." Auch Lukas Foerster fühlt sich in der taz nach diesem brutalen Spektakel angenehm gesättigt, auch wenn er doch ein wenig abwägt: "Für Fans ist der Film ein einziges Fest. Wer aber nicht zumindest eine kleine Schwäche für den spektakulären Realismus des Martial-Arts-Kinos hat, dürfte sich nach den zweieinhalb Stunden, die Rama benötigt, um den Gangsterclan aufzumischen, gründlich weichgeklopft fühlen." (Weitere Kritiken in der Presse , und im Standard .)

Außerdem: In der Zeit unterhalten sich Moritz Müller-Wirth und Adam Soboczinski mit Otto Waalkes, der Folgendes zu bedenken gibt: "Der Reim hat es an sich, dass er meistens irgendwie verheerende Folgen für die Zeile davor hat." Lars Penning empfiehlt in der taz ein Berliner Surffilm-Festival. Fritz Göttler (SZ) gratuliert dem Österreichischen Filmmuseum zum 50-jährigen Bestehen.

Besprochen werden neue Zombie-Serien auf DVD (Ekkehard Knörer von der taz beobachtet darin "immer neue, faszinierende Varianten handfester Gesellschaftskörperspekulation"), Joss Whedons Shakespeare-Fingerübung "Viel Lärm um nichts" ( Perlentaucher ), Luc Meillands Regiedebüt "La belle vie" ( NZZ ), Philippe de Chauverons Komödie "Monsieur Claude und seine Töchter" ( Freitag , Tagesspiegel ), Diao Yinans chinesischer Noir-Thriller "Feuerwerk am Hellichten Tag" ( Berliner Zeitung , Perlentaucher , taz ), die BBC-Serie "Five Days" ( Zeit ) und Dominik Grafs Schiller-Liebesfilm "Die geliebten Schwestern", der nächste Woche in die Kinos kommt (Zeit).

Bühne, 24.07.2014

Schwarz und weiß, barfuß und Spitze, Männer als Frauen und Frauen als Männer - das passt alles prima in einen "Schwanensee" lernten Presse und Standard aus der Choreografie der  Südafrikanerin Dada Masilo bei Impulstanz in Wien. Helmut Ploebst erklärt: "Dabei ist ihre Truppe nicht einmal ausschließlich mit schwarzafrikanischen Tänzern besetzt. Masilo verschränkt 'schwarz' und 'weiß' mit Betonung des Ersteren, und sie rührt zugleich auch an den Geschlechterrollen. Ihr Siegfried ist zwar ein Mann und ihre Odette, die sie selbst verkörpert, eine Frau. Doch ihre Odile wird zum Otto (zur Erklärung: sowohl Odette als auch Odile stammen als Namen vom althochdeutschen Wort 'ot' in der Bedeutung von Reichtum und Besitz ab), und Männer wie Frauen tanzen in weißen Tutus."

Für den Tagesspiegel ist Eberhard Spreng zum Festival von Avignon gereist. In seiner Bilanz sticht vor allem Thomas Jollys aufwändige, in vier Jahren Vorbereitungszeit entstandene Inszenierung von Shakespeares "Heinrich VI." heraus: Jolly "erzählt seine Mordchronik mit brillanten Akteuren, opulenten Musikeinspielungen, zahllosen komödiantischen Findungen und vollem Vertrauen in die unverbrüchliche Wirkungsmacht traditionellen Volkstheaters.... Das Publikum ist bereit, wider besseres postmodernes Wissen ins kindliche Wunderland des Theaterzaubers zurückzukehren. Dieser 'Heinrich VI' ist ein Triumph eines Theaters, das allen Fernsehserien, Videospielen, Kinofilmen zum Trotz den Glauben an seine Kraft der Erzählung nicht aufgegeben hat."

Andreas Rüttenauer hat für die taz in St. Petersburg die vom einst in der Sowjetunion gefeierten Regisseur Danila Karagodski geleitete Off-Theater-Gruppe Teatr Pokolenij besucht, wo man entsetzt ist über den allgemeinen Rechtsruck im Land. Irene Bazinger spricht für die Berliner Zeitung mit Harry Kupfer, der auf den Salzburger Festspielen den "Rosenkavalier" inszeniert.

Besprochen werden Jossi Wielers und Sergio Morabitos "Tristan und Isolde" in Stuttgart (Zeit) und die Ausstellung "Wedekinds Welt: Theater - Eros - Provokation" im  Deutschen Theatermuseum in München (SZ).

Literatur, 24.07.2014

Im Blog der NYRB reagiert Tim Parks ein wenig verschnupft auf die überschwänglichen Kritiken zu Knausgards "Mein Kampf"-Reihe. Vor allem die Behauptung, das Buch sei ein Riesenverkaufserfolg, geht ihm auf die Nerven. Ist es nämlich nicht, wie er mit einigen Zahlen belegen kann. Aber diese Art von Kritik hat Folgen, fürchtet Parks: "a critic who likes a book, and goes out on a limb to praise it, may begin to feel anxious these days if the book is not then rewarded by at least decent sales, as if it were unimaginable that one could continue to support a book's quality without some sort of confirmation from the market. So while in the past one might have grumbled that some novels were successful only because they had been extravagantly hyped by the press, now one discovers the opposite phenomenon. Books are being spoken of as extraordinarily successful in denial of the fact that they are not."

Für die SZ unterhält sich Florian Kessler mit dem Schweizer Autor Jonas Lüscher in der Disco über Dekadenz und "die unanständige Mehrheit". Kurz und knapp gratuliert Jens Balzer in der Berliner Zeitung Batman zum 75. Geburtstag.

Besprochen werden Nadeem Aslams Roman "Der Garten des Blinden" ( NZZ ), Marita A. Panzers Biografie über Lola Montez (SZ), ein Erich-Mühsam-Lesebuch ( Freitag ) und Andrej Kurkows "Ukrainisches Tagebuch" (FAZ).

Kunst, 24.07.2014

Beuys-Witwe Eva ist stinksauer, informiert uns eine Meldung in der Presse, weil die Künstler Markus Löffler, Andree Korpys und Dieter Schmal den Rest einer alten Fettecke von Beuys "mit Alkohol und Wasser in einer alten Apothekerdestille gebrannt und dann dem Publikum zum Verkosten gegeben. Eva Beuys verurteilte die Kunstaktion als 'unglaubliche Unverschämtheit'. 'Das Urheberpersönlichkeitsrecht meines Mannes wurde in gemeiner Weise verletzt', sagte Beuys der Bild-Zeitung."

Besprochen werden die Documenta-Doku "Art's Home is my Kassel" (die Christine Käppeler im Freitag zwar "redlich" findet, "aber Redlichkeit ist das Gegenteil von Kunst") und die Ausstellung "(Mis)Understanding Photography" im Museum Folkwang in Essen (SZ, FAZ).

Musik, 24.07.2014

Georg Etscheit zieht in der taz Bilanz der Ära Pereira bei den Salzburger Festspielen, die Ende August zu Ende gehen wird: Unter Pereira wurde das Mäzenatentum nicht zuletzt wegen dessen finanziell anspruchsvollem Programm immer wichtiger - mit eindeutigen Folgen für die kommenden Jahre: "'Wir werden Pereiras Expansionskurs nicht weiterfahren', sagte der Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer. Ab dem kommenden Jahr werden deutlich kleinere Semmeln gebacken. ... Das Budget sinkt von fast 65 auf 59 Millionen Euro."

Außerdem: Heidemarie Klabacher (Presse) hörte bei der 'Ouverture spirituelle' der Salzburger Festspiele Hossam Mahmouds "Seelenfäden" für Sufi-Chor, gemischten Chor und Ensemble. Und Gerhard Rohde (FAZ) hörte die drei späten Sinfonien Mozarts, dirigiert von Nikolaus Harnoncourt.

Weitere Artikel: Der Hamburger Indiepopmusiker Paul Pötsch von der Band Trümmer weigert sich aus Protest gegen die Gentrifizierung, seine gekündigte Wohnung in St. Pauli aufzugeben, berichtet Verena Reygers im Freitag. In der Popkolumne der SZ stellt Max Fellmann neue Musik unter anderem von Alt-J und Bon Iver vor. In der Zeit gratuliert Christine Lemke-Matwey der unentwegten Pianistin Maria Joao Pires zum Siebzigsten.

Besprochen werden das neue Album von Morrissey ( Freitag ) und das Album "Hollow" der australischen Band Graveyard Train ( ZeitOnline ).


9Punkt - Die Debattenrundschau

Medien, 24.07.2014

Von Niggemeiers Aufmerksamkeit ausgelöst, diese Meldung bei turi2 und anderen Medien: "ZDF-Programm-direktor Norbert Himmler macht die Redaktion Team Event und Show dicht." Mehr unterm Stichwort ZDF . Bei turi2 und anderen Medien die Meldung, dass sich Regionalzeitungen gegen Reichweitenverlust behaupten, während die Überregionalen weiter schwinden. Und Le Monde empfiehlt die parodistischen Vogue-Cover des britischen Künstlers Scott King.

Europa, 24.07.2014

Nach MH17 hofft Timothy Snyder in der NZZ, dass die europäischen Staaten endlich einsehen, mit wem sie es zu tun haben: "Der Abschuss eines Passagierflugzeuges wird den russischen Propagandaapparat nicht in Verlegenheit bringen. Europäische und malaysische Leichen sind eine lediglich unwesentlich grössere Herausforderung für die russische Propaganda als die ukrainischen Toten. Präsident Putins Orwellsche Sprachregelung haben die Medien nur zu bereitwillig übernommen."

Internet, 24.07.2014

Google weiß die Debatte um das "Recht auf Vergessen" durchaus gut für sich zu nutzen, schreibt Svenja Bergt in der taz. Denn die Diskussion um die Gefährdung der Pressefreiheit suggeriere, nicht Suchmaschinen an sich, sondern "Google ist wichtig für die Pressefreiheit". Berg sieht hier eine Gefahr, denn: "Bei der Debatte über eine mögliche Gefahr für die Pressefreiheit wird übersehen, dass die Suchmaschine bereits ohne persönliche Löschgesuche alles andere als transparent arbeitet. (...) Da werden Ergebnisse personalisiert, je nach Suchhistorie und anderen persönlichen Daten aus dem Google-Universum." Eine Offenlegung des Suchalgorithmus würde das Auffinden von Informationen nach nachvollziehbaren Kriterien ermöglichen, glaubt Berg.

Anna Biselli erzählt in Netzpolitik, wie sich Briten gegen Internetfilter wehren, die die Suchergebnisse von vornherein im Sinne der politischen Correctness filtern: "Dazu gehören neben Pornografie auch Inhalte zu Alkohol, Selbstmord, Magersucht und Politik." Und bald wahrscheinlich auch Schottland.

Religion, 24.07.2014

Was Propaganda und was Realität ist, sei hinsichtlich der Zerstörungswut der radikal wahhabistischen Jihadisten des Isis nicht immer klar erkenntlich, meint Joseph Croitoru in der NZZ. Sicher ist, dass die "Vergehen an Kulturdekmälern" im Irak nicht nur Schiiten und Sufisten in Aufruhr versetzen, sondern über die Landesgrenze hinaus alarmieren."Nicht nur im Irak, wo zahlreiche Anhänger des Sufismus leben, ist die Entrüstung über den barbarischen Zerstörungsakt in Muhallabiya groß. Auch in Kairo... sorgte die Nachricht beim dortigen Rifai-Orden für Entsetzen. Hier ist man sich schon seit längerem der Gefahr bewusst, die vom salafistisch-wahhabitischen Lager für die sufistische Auslegung des islamischen Glaubens ausgeht."

Überwachung, 24.07.2014

Mit Interesse liest Lawblogger Thomas Stadler das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zur Klage des Anwalts Niko Härting, der wegen der pauschalen Registrierung von Mails durch den BND geklagt hatte. Zwar erklärte sich das Gericht nicht für zuständig, weil Härting keine konkreten Maßnahmen gegen sich nachweisen konnte, zugleich aber hält es fest: "Bereits die Erfassung von E-Mails - was sowohl die Inhalte als auch die Metadaten betreffen dürfte - durch den BND stellt einen solchen Eingriff dar, weil sie die Basis für den nachfolgenden Abgleich mit Suchbegriffen bildet. Schon die grundsätzliche Datenerhebung bewirkt also den Grundrechtseingriff und nicht erst die anschließende Auswertung bzw. Filterung."

Chinas Zensurpolitik wird nicht nur immer schlimmer, sondern auch abstruser, schreibt Inna Hartwich in der FR. Chinesische Journalisten dürfen nicht mehr außerhalb ihrer Provinz recherchieren, außerdem gilt seit Mittwoch die Devise: "'Reinigt das Internet!' Damit wollen die Beamten gegen 'Gerüchte' und Pornografie im Netz vorgehen und so die Jugend schützen. 'Haben sich die Jugendlichen diese vulgären Seiten im Internet erst angeschaut, werden viele von ihnen kriminell', sagte Pi Yijun, Professor an der Pekinger Universität für Politische Wissenschaften und Recht, der Zeitung Beijing Review. Nur harsche Methoden würden helfen."

Gesellschaft, 24.07.2014

Das Burkaverbot in Frankreich ist eigentlich gar kein Burkaverbot, sondern ein allgemeines Vermummungsverbot. Das möchte der Jurist und Blogger Maximilian Steinbeis in der SZ aber nicht akzeptieren: "Ich muss keine verschleierte Muslima sein, um diese Beschlagnahme eines Teils meines Körpers als Vergewaltigung zu empfinden. Mein Gesicht gehört mir. Ich bin es, der mittels des Gesichts mit der Gesellschaft Kontakt aufnimmt - oder auch nicht."

Til Biermann kommt in der Welt zu dem Schluss, dass das Verbot von Cannabis einfach unzeitgemäß und weitaus schädlicher für die Gesellschaft ist, als die Legalisierung der Droge: "Die Professoren, die vom Bundestag die Überprüfung des Betäubungsmittelgesetzes einklagen, kamen zu dem Schluss, dass die "strafrechtliche Prohibition gescheitert, sozialschädlich und unökonomisch" sei. Ähnlich wie der gesprächige Drogendealer Hans, mit dem Biermann gesprochen, führten sie "gigantische Profite" durch den illegalen Drogenhandel an, die organisierte Kriminalität und den Schwarzmarkt begünstigen würden.

Die Schriftsteller Heinrich Steinfest und Wolfgang Schorlau testen für Kontext einen Mercedes der S-Klasse, also einen Wagen, der sonst von Schriftstellern eher selten gefahren wird. Steinfest schreibt: "Diese Sitze, wie auch die ganze Inneneinrichtung, stehen optisch in starkem Widerspruch zur schneidigen Außenhülle, hier drinnen herrscht der Biedermeier, herrschen Gemütlichkeit, konservative Werte, feine Verarbeitung, eher die rundliche Form als die eckige, und trotz Bordcomputer und durchtriebener Sitztechnik ereilt mich das Gefühl, in einer Kutsche zu sitzen."

Politik, 24.07.2014

(Via Patrick Bahners) Antisemitisch? Islamophobie-Experte Wolfgang Benz empfand die Demonstrationen der letzten Tage allenfalls als ein bisschen israelkritisch, wie er im Gespräch mit Markus Decker im Kölner Stadtanzeiger erklärt: "In Berlin wurden am Rande einer antiisraelischen Demonstration antisemitische Parolen gerufen. Aber deshalb jetzt von antisemitischen Ausschreitungen in Deutschland zu sprechen, halte ich für übertrieben. Es haben sich zum Teil seltsame Leute zusammengerottet, einige haben blödsinnige Parolen gerufen. Das wird von Interessenten mit großem Medienhall als Wiederaufflammen des Antisemitismus dargestellt."

Arno Widmann findet den Slogan "Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein" dagegen nicht einfach blödsinnig und lanciert in der Berliner Zeitung einen Aufruf: "Es wäre gut, Bürger Berlins würden diesen brüllenden Antisemiten zeigen, dass sie keinen Juden allein bekommen werden. Wir sollten uns Freitag vor der Botschaft Israels, vor jüdischen Einrichtungen einfinden und uns vor sie stellen. Auch das wäre eine Demonstration." Am Freitag ist "Al Quds-Tag", an dem iranische Demonstranten tradtionell gegen Israel auf die Straße gehen.

Zeruya Shalev hält in der Zeit Rückschau auf den Konflikt zwischen Israelis und Arabern und wird dabei nicht froher: "Schließlich hat der Konflikt lange vor der Besatzung und vor den jüdischen Siedlungen angefangen, wie könnte man dann hoffen, dass er aufhört, wenn endlich die Besatzung aufhört und die Siedlungen aufgelöst werden. Solange die Palästinenser nicht bereit sind, die Anwesenheit der Juden in Eretz Israel zu akzeptieren, wird es keinen Frieden geben." Auf der Bangen & Zagen-Seite schildert der in Seattle geborene und jetzt an der palästinensischen Universität in Jerusalem lehrende Benjamin Balint angesichts des Konflikts seine Zerknirschung und gibt seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Kriegsparteien über "sich selbst hinauswachsen und nach Demut streben". Andrea Böhm auf Seite 1 der Zeit sieht die Schuld bei Israel.

Antisemitismus auch in der Türkei, angeheizt von Tayyip Erdogan höchstselbst. Gökay Sofuoglu gibt in der Jüdischen Allgemeinen ein Stimmungsbild: "Die türkische Sängerin Yildiz Tilbe twittert: 'Möge Gott Hitler segnen, er tat sogar weniger, als nötig gewesen wäre.' Sie bekommt Unterstützung von Ankaras Oberbürgermeister, der als Dauernutzer sozialer Medien gilt. Viele Fans bejubeln Tilbe als eine, 'die endlich die Wahrheit sagt'. Ein Parlamentsabgeordneter ruft in Richtung Juden: 'Ihr sollt ausgerottet werden, euch soll der Hitler niemals fehlen.'" (Mehr zu diesem Thema in der FR.)

Außerdem: Jens Bisky fragt sich in der SZ, wie lange die deutsche Politik eigentlich noch Krisen - etwa NSA, islamischer Fundamentalismus oder Putins gegen die EU gerichtete Ideologie - vertagen möchte. Im Gespräch mit Nils Minkmar in der FAZ sieht der  Historiker Raphael Gross vom Fritz Bauer Institut in Frankfurt die Gefahr einer neuen antisemitischen Koalition in Deutschland durchaus nicht unbegründet: "Aus Friedensdemonstranten werden im deutschen Kontext hassende Antisemiten. Ob sie das selber so erleben, ist unklar. Aber wir sehen es an der Parole, die Empörung mobilisieren soll: 'Kindermörder Israel'." Und der Tagesspiegel druckt einen Essay von Bernard Avishai ab, in dem der  Professor für Wirtschaft an der Hebrew University in Jerusalem über die Ausweglosigkeit des Krieges zwischen Israelis und Palästinensern, aber auch die Möglichkeit eines Gewaltausbruchs im Westjordanland schreibt.



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