Heute in den Feuilletons "Von dunklen Mächten Verfolgt"

In der "Zeit" stellt Hanno Rauterberg entscheidende Fragen zur Sterbehilfe. Die "SZ" porträtiert den Pianisten Igor Kamenz, der erfolgreich an 60 Wettbewerben teilgenommen hat. Über die große Ausstellung westdeutscher Pop-Art in der Frankfurter Schirn schreibt der "Freitag".


Efeu - Die Kulturrundschau

Film, 06.11.2014

In der taz schreibt Lukas Foerster über die Filme des Afrikamera Festivals, das im Berliner Kino Arsenal stattfindet. Vor allem Hubert Laba Ndaos Gangsterfilm "Dakar Trottoirs", der großen Vorbildern aus dem asiatischen Kino mit zwar wenig Budget, aber umso mehr Herz nacheifert, hat es ihm angetan: "Dem Film mag es an Budget, der Inszenierung hier und da an Routine fehlen; wer über solche vermeintliche Makel hinwegsehen kann, wird jedoch mit einem hochenergetischen Stück Kino beschenkt, mit einem Film, der nicht nur seiner Hauptfigur, sondern auch den Zuschauern wieder und wieder den Boden unter den Füßen wegzieht." Eindrücke daraus bieten diese Ausschnitte:



Für die SZ unterhält sich Philipp Stadelmaier mit Christopher Nolan über dessen neuen Film "Interstellar" (mehr), der heute ins Kino kommt. Der hartnäckig mit klassischem Filmmaterial arbeitende Regisseur führt gute Gründe für seine Entscheidung an, auf leichte Digitaltechnik beim Dreh zu verzichten, an: "Sicher, für eine spontane Arbeitsweise kann das funktionieren. Aber wenn es um sich um aufwendig gemachte Studio-Filme handelt, wenn David Lean und seine Crew eine 65mm-Kamera durch die Wüste schleppen konnten, was haben wir anderen dann für eine Entschuldigung?" Besprochen wird "Interstellar" im Perlentaucher und in der taz .

Benjamin Parents Zwölfminutenfilm "Ce n'est pas un film de cowboys" hat in Cannes große Erfolge gefeiert. Jugendliche auf einem Schulhof streiten über den Film "Brokeback Mountain", den sie am Vorabend im Fernsehen gesehen haben. Der film sollte an französischen Schulen gezeigt werden und stieß auf Proteste der erstarkten neokatholischen Kräfte in Frankreich, berichtet Charlotte Pudlowski in Slate.fr und zitiert aus einem Interview mit dem Regisseur: "Dieser Film spricht von Zärtlichkeit und Liebe, er ist nicht mal politisch, er wendet sich ans allgemeine Publikum... Das einzige, was darin schockieren kann, ist die grobe Sprache der Jguendlichen, aber so sprechen sie nun mal auf den Schulhöfen. Es ist nur die Geschichte von ein paar Jugendlichen, die über Männlichkeit sprechen und über einen Film, der sie berührt hat."

Hier ist der Film:



Ce n'est pas un film de Cow-boys from Synecdoche on Vimeo.

Abel Ferrara plaudert mit der Presse am Rand der Viennale über sein neues Pasolini-Biopic mit Willem Dafoe in der Hauptrolle. Dafür hat er sogar Szenen aus Pasolinis letztem, nie verfilmten Drehbuch nachinszeniert. Ziemlich mutig, meint Interviewer Markus Keuschnigg. Ferraras Antwort: "Wenn mir jemand meinen Kopf abschneiden will, habe ich Angst. Aber doch nicht bei einem Film. Da habe ich doch nichts zu verlieren. Wir machen, was wir lieben. Und da hat man keine Angst, da hat man im Gegenteil sehr viel Vertrauen in sich selbst. Da gibt es keinen verdammten Graubereich."

Weitere Artikel: Darren Aronofsky wird Jurypräsident der Berlinale 2015, meldet Peter Uehling in der Berliner Zeitung und macht sich bei diesem "bildbesoffenen Regisseur" schon jetzt "auf irrlichternde Bewertungen gefasst". Nach vierzig Jahren soll Orson Welles Filmruine "The Other Side of the Wind" ins Kino kommen, berichtet Andrea Köhler in der NZZ.

Besprochen werden Laura Poitras' heute anlaufender Film "Citizenfour" über Edward Snowden ( Perlentaucher , SZ), Giulio Ricciarellis "Im Labyrinth des Schweigens" über die Frankfurter Auschwitz-Prozesse ( FR , NZZ , FAZ), Mike Leighs "Mr. Turner" ( Tagesspiegel , taz , Welt ), Jessica Hausners Film "Amour Fou" über Kleist und Henriette Vogel ( Standard ) und die Sexkomödie "Plötzlich Gigolo" mit John Turturro und Woody Allen ( Berliner Zeitung ).

Musik, 06.11.2014

Robert Rotifier (Berliner Zeitung) durfte sich auf David Gilmours Hausboot "The Endless River", das letzte, aus Jam-Session-Material zusammengestellte Album von Pink Floyd vorab anhören und begab sich auf "eine Zeitreise in eine versunkene Ära der Musikindustrie, als Rockbands noch so unaufhaltsam und träge wie Supertanker den Planeten bereisten. Als Synthesizer so viel kosteten wie ein Haus, Schlagzeugeinsätze auf sich warten ließen wie Monarchen, und schwarze Stratocasters sich in luxuriöse Daunen aus feinstem Hall und Echo betteten." (In der Zeit gibts ein langes Interview mit Pink-Floyd-Schlagzeuger Nick Mason.)

In der SZ schreibt und staunt Helmut Mauró über den Pianist Igor Kamenz, den zwar kaum jemand kennt, der aber aus unfassbaren 60 Wettbewerben mit Auszeichnungen hervorgegangen ist: "Normalerweise probiert man den Karrierestart mittels Wettbewerb einmal, und wenn man sehr schlecht abschneidet und gute Nerven hat, versucht man es ein zweites Mal. Ein drittes Mal ist schon ungewöhnlich. Aber sechzig Mal - das ist absurd. Außer, man glaubt, ein Wettbewerbssieg müsse, wie noch bis vor vierzig Jahren, eine Blitzkarriere auslösen. Oder aber man fühlt sich von dunklen Mächten verfolgt."

Für die Spex spricht Ulrich Gutmair mit Blixa Bargeld über das neue Neubauten-Album "Lament", das eine Performance zum Ersten Weltkrieg in Belgien dokumentiert. Ulrich Olshausen resümiert in der FAZ das Jazzfest Berlin. Besprochen wird Damien Rice' neues Album "My Favourite Faded Fantasy" ( ZeitOnline ).

Und hier das neue Video "Ugly Boy" der südafrikanischen Meisterrapper und Konzeptkünstler Die Antwoord - mit Marilyn Manson, Jack Black, Flea, Cara Delevingne und dem marmorweißen Busen Dita von Teeses (alle hier). Der Typ in Blackface und "Hi, My Name is God"-Sweatshirt ist nicht Aphex Twin, versichert Pitch Fork.

Literatur, 06.11.2014

Einen Schwerpunkt zu afrikanischer Literatur bietet der Freitag in seiner neuen Ausgabe. Manfred Metzner vom Wunderhorn Verlag hat der zeitgenössischen Literatur aus Afrika eine eigene Reihe gewidmet, AfrikAWunderhorn. Das musste sein, erklärt er im Interview, weil deutsche Verlage hauptsächlich die ältere Generation afrikanischer Autoren publizieren, Nadine Gordimer oder Wole Soyinka: "Die heutige jüngere Generation afrikanischer Schriftsteller ist da oft nicht vertreten. Die Folge ist, dass aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen nicht vorkommen. Und in den deutschen Medien wird immer noch ein sehr einseitiges Bild von Afrika produziert, das nach wie vor auf einem eurozentristischen Denken basiert und den damit verbundenen Exotismus feiert."

Außerdem: Robert Stockhammer stellt zwei Autoren vor, die schon deshalb kein exotisches Klischee bedienen, weil sie so amerikanisch wie afrikanisch sind: NoViolet Bulawayo und Dinaw Mengestu. Nach fünf Wahlgängen hat sich die Jury des mit zehn Euro dotierten Prix Goncourt für Lydie Salvayres Roman über den spanischen Bürgerkrieg "Pas pleurer" entschieden, meldet der Standard: "Mit fünf zu vier Stimmen setzte sie sich gegen den Algerier Kamel Daoud durch." Und: In der Zeit gibt es heute ein Krimi-Spezial.

"Reichhaltig und anregend" ist die große Ausstellung "Der Wert des Originals", mit dem das Literaturarchiv Marbach beherzt aus seinem großen Fundus an Nachlässen schöpft, meint Hubert Spiegel von der FAZ, der mit gründlichem Blick die Aura der Exponate erkundet: "Wann schlägt ein Objekt die Augen auf und blickt zurück und wann nicht? Das Original lebt von seiner Wirkung auf den Betrachter."

Besprochen werden Kitty Kahanes, Alexander Lahls und Max Mönchs Comic "Treibsand" ( taz ), Fadhil al-Azzawis "Der Letzte der Engel" (SZ) und Kai Kauffmanns Biografie über Stefan George (FAZ).

Kunst, 06.11.2014

Ab heute zeigt die Frankfurter Schirn eine große Überblicksschau zur Geschichte der westdeutschen Pop-Art. Viele Werke und auch den "archäologischen Eifer" der Ausstellungsmacher findet Alexander Jürgs im Freitag bemerkenswert: "Was an der Schau irritiert, ist die Vehemenz, mit der hier eine Sonderstellung der deutschen Pop-Art, eine Distanz zu den US-amerikanischen Künstlern behauptet wird. Sehr pauschalisierend wird da vom 'plakativen und glamourösen Vokabular' von Künstlern wie Andy Warhol, Roy Lichtenstein oder Robert Indiana gesprochen. Die deutsche Pop-Art wird dagegen als kritisch, ironisierend, die bieder-bürgerliche Wirklichkeit der 50er Jahre hinterfragend beschrieben. ... Doch ist diese Polarität - kritische Geister hier, affirmative Zuflüsterer der Konsumgesellschaft dort - wirklich zutreffend? Spätestens wenn man vor Gerhard Richters 'Motorboot' von 1965 [Bild] steht, beginnt man zu zweifeln."

Weitere Artikel: In der Berliner Zeitung führt Ingeborg Ruthe durch das überwältigende Programm des Europäischen Monats der Fotografie in Berlin und kommt sich dabei ziemlich erschlagen vor: Denn "in homöopathischen Dosen ist Kunst in Berlin längst nicht mehr zu vermitteln. Alles Mega, alles Groß-Event." Rose-Maria Gropp (FAZ) freut sich über "viel Unbekanntes" in der Ausstellung "German Pop" im Frankfurter Schirn: "Man sollte sich das unbedingt anschauen." Christiane Hoffmans hat sich für die Welt mit verbundenen Augen von dem Künstler Gregor Schneider in das Geburtshaus von Joseph Goebbels führen lassen: Schneider hat das Haus gekauft, schließlich entkernt und stellt den Schutt jetzt auf einem Lastwagen vor dem Nationalen Kunstmuseum Zacheta in Warschau aus. Anlässlich einer kommenden Ausstellung in Rostock spricht Norbert Bisky mit der Zeit über Gewalt, die Rolle des Künstlers und seine Familie.

Besprochen werden die Ausstellung "Fantastische Welten" im Städel in Frankfurt ( FR ), die Ausstellung "Germany - memories of a nation" im British Museum ( Standard ) und die Ausstellung über die Kunst der Mayas im Musée du Quai Branly in Paris (SZ).

Bühne, 06.11.2014

Philipp Rhensius war für die taz dabei, als der amerikanische Hacker Nathan Andrew Fain vor Theaterwissenschaftlern beim "Diskurs Festival" in Gießen über seine Zusammenarbeit mit Rimini-Protokoll und die Durchsichtigkeit im digitalen Zeitalter sprach: "Ein Schauereffekt, der sich auch kurz unter den hiesigen Anwesenden einstellt, als Fain plötzlich die persönlichen Browser-Historys aller Anwesenden, die sich ins lokale W-LAN eingeloggt haben, präsentiert."

Beim Theaterfestival "New Hamburg" des Hamburger Schauspielhauses im stark migrantisch geprägten Viertel Veddel kamen die Besucher aus dem Kulturbetrieb bei den Bewohnern gut an, berichtet Till Briegleb in der SZ.

Architektur, 06.11.2014

In der NZZ stellt Roman Hollenstein den Neubau des Musée d'Ethnographie von Marco Graber und Thomas Pulver in Genf vor: "Das Bauwerk wirkt geheimnisvoll fremdländisch, erinnert bald an ein indonesisches Langhaus, bald an einen thailändischen Tempel und steht doch so selbstverständlich da, als wäre hier keine andere Architektur denkbar. Seine rautenförmig geflochtene Fassade besteht aber nicht aus Palmwedeln oder Stein, sondern aus Aluminium. In mehreren Knicken zieht sie sich wie ein Teppich über den hoch aufragenden Giebel und um das schlanke Vordach, das wie eine Hutkrempe auf die Esplanade auskragt."


9Punkt - Die Debattenrundschau

Überwachung, 06.11.2014

Anna Biselli liest in Netzpolitik die Antwort der Bundesregierung auf eine Abgeordneteneingabe zur Frage, warum Edward Snowden nicht nach Berliner eingeladen wird, und findet sie nicht nur ignorant, sondern auch zynisch: "Es wird überdeutlich, dass die Bundesregierung die Bedeutung von Snowdens Handlungen massiv herunterspielt. Das einzige Verdienst, das man ihm zugesteht, ist, dass die Medienberichterstattung eine 'intensivere öffentliche Debatte' geschaffen habe und das Bewusstsein für Informationssicherheit geschärft worden sei."

Heute startet "Citizenfour", Laura Poitras' Film über Edward Snowden. Im Gespräch mit der Welt spricht sie über die Massenüberwachung und setzt auf verändertes Bewusssein und neue Technologie: "Ja, die Leute benutzen Google immer noch, weil sie dessen Bequemlichkeit schätzen. Aber was wird geschehen, wenn eine Suchmaschine kommt, die glaubwürdig unsere Privatsphäre respektiert - und ähnlich gute Resultate liefert? Genau das wird geschehen. Es ist nur eine Frage der Zeit."

Die Grünen haben im Bundestag einen Vorstoß unternommen, den Schutz von Whistleblowern gesetzlich festzuschreiben, meldet "Chr" in der taz. Dafür soll das "rechtmäßige Offenbaren von Staatsgeheimnissen" im Strafgesetzbuch verankert werden: " Danach handelt ein Whistleblower 'nicht rechtswidrig', wenn er 'Staatsgeheimnisse zum Zweck der Aufklärung, Verhinderung oder Beendigung einer Grundrechtsverletzung oder schweren sonstigen Rechtsverletzung oder der Begehung einer schweren Straftat offenbart, wenn Abhilfe nicht rechtzeitig zu erwarten ist und das öffentliche Interesse an der Weitergabe der Information das Geheimhaltungsinteresse erheblich überwiegt.'"

Gesellschaft, 06.11.2014

In der FAZ plädiert die Medizinerin und Philosophin Bettina Schöne-Seifert für ein Recht auf aktive Sterbehilfe: "Der angemessenste Vorschlag ist nach meinem Dafürhalten... ein Begrenzen möglicher ärztlicher Suizidhilfe auf Patienten mit schweren, aber nicht im engeren Sinne psychiatrischen Erkrankungen. Demenzpatienten könnten diese Begrenzungskriterien grundsätzlich erfüllen, dürften aber Suizidhilfe nur erhalten, bevor sie in das Stadium anhaltender Unfähigkeit zu frei verantwortlichem Handeln gelangen."

In der Zeit befürchtet Hanno Rauterberg hingegen, dass das Recht auf Sterbehilfe den Menschen nur vor noch mehr Optionen stellt: "Vielleicht lohnt es sich, bei den großen Debatten um erste und letzte Dinge ganz ungekränkt daran zu erinnern, dass jede Befreiung ihre eigenen Zwänge gebiert. Und dass es dem Seelenfrieden einer Epoche mitunter ganz guttun kann, nicht alles bis zuletzt regeln und beherrschen zu müssen."

Ideen, 06.11.2014

Der Freitag bringt einen Literaturschwerpunkt zu Afrika. Matthias Dell bekennt seine Irritation über das Buch "Kritik der schwarzen Vernunft" des kamerunischen Politikwissenschaftlers Achille Mbembe: "Meine Ratlosigkeit betrifft einen zentralen Begriff des Buchs und des Diskurses, in den es gehört, einen Begriff, auf den die Kritik der schwarzen Vernunft eben in Wellenbewegungen immer wieder zurückkommt, wo sie nicht sowieso durchgehend um ihn organisiert ist: den des 'Negers' (und, damit assoziiert, den der 'Rasse')." Mbembe benutze das Wort bewusst, so Dell, der aber befürchtet, dass sich Wort Neger im Namen einer Political Incorrectness mit Bezug auf Mbembe neu verbreiten könnte. Außerdem befasst sich Christoph Leusch mit Christian Hiller von Gaertringens wirtschaftspolitischen Hoffnung, Afrika sei das neue Asien.

Weiteres: In der Welt sieht Marko Martin den Mauerfall als Sieg des von jüdischen Autoren geprägten antitotalitären Denkens.

Medien, 06.11.2014

Mathias Döpfner hat die heroische Eskapade des Springer Verlags gegen Google, die er vor zwei Wochen verkündete (unser Resümee), und die in dem Verzicht auf Snippets bei den B-Titeln des Verlags bestand, flugs beendet, meldet heise.de: "Der Medienkonzern Axel Springer macht im Streit über das Leistungsschutzrecht weitere Zugeständnisse an Google. Nun dürfe der Suchmaschinenanbieter auch die Inhalte der Springer-Angebote welt.de, computerbild.de, sportbild.de sowie autobild.de gratis wieder mit Textauszügen und Vorschaubildern anzeigen. Als Grund dafür nannte der Verlag signifikant schlechtere Zugriffszahlen auf die Portale, seitdem Google Vorschau-Inhalte dafür nur noch mit Überschriften darstellte." Netzpolitik zitiert aus einer Pressemitteilung des Springer Verlags: "Die verschlechterte Darstellung führte bei der Suche zu einem Traffic-Minus von fast 40 Prozent." Dafür muss Google unbedingt bezahlen! Und Stefan Niggemeier hat herausgefunden, dass Springer nur Google, aber kleineswegs kleineren Suchmaschinen wie etwa Rivva Dispens erteilt.

Nach dem Kahlschlag bei Gruner+Jahr mit über 400 Entlassungen bei Geo, Stern und Brigitte fragt Felix Dachsel in der taz nach den Gründen und Verantwortlichen für die massiven Einsparungen: "Der Frage, ob die Kürzungen bei Gruner+Jahr auch ihr eigenes Gehalt betreffen, wich [die Vorstandsvorsitzende Julia] Jäkel bei einer Versammlung wortreich aus. Auch ihr Vorstandskollege Oliver Radtke wollte, bei anderer Gelegenheit, auf die Frage nach Kürzungen an der Verlagsspitze nicht antworten. Diese Frage stelle sich nicht, sagte Radtke. Die 75 Millionen, die eingespart werden sollen, werden nach unten weitergegeben."

Internet, 06.11.2014

Der "linguistische Forensiker" Raimund H. Drommel tendiert im Gespräch mit Stefan Gmünder im Standard wegen angeblicher sprachlicher Verrohung zu einem Verbot von Anonymität im Netz, verkennt aber nicht den "trefflich kontrovers zu diskutierenden Umgang mit dieser Frage. Das sogenannte Vermummungsverbot bei öffentlichen Veranstaltungen gilt nicht für die (ebenfalls öffentliche) Onlinekommunikation, etwa für Forenbeiträge. Bei der Diskussion von Für und Wider einer Verbotsregelung spielt als Gegenthese das Recht auf freie Meinungsäußerung eine zentrale Rolle."

Der amerikanische Literaturagent Andrew Wylie rief beim Internationalen Autorenfestival in Toronto zum Widerstand gegen Amazon auf und verglich das Vormachtstreben des Konzerns mit dem Vormarsch des IS, berichtet Susanne Mayer in der Zeit: "Wylie forderte die Branche auf, sich den Kreuzzügen von Amazon ohne Blinzeln entgegenzuwerfen. Wegducken war gestern. Statt 30 Prozent für Autoren im digitalen Publishing zu verteidigen, wie es die Hachette-Gruppe geschafft hat, müssten bis zu 50 Prozent herausspringen. Dann könnten Autoren von ihrer Arbeit leben. O-Ton: 'Wir kommen an den Punkt, wo das Jammern aufhört und das Handeln beginnen muss!'"

Politik, 06.11.2014

Nach den "Wahlen" in der Ostukraine fordert Stephan-Andreas Casdorff im Tagesspiegel eine Verschärfung der Sanktionen gegen Russland: "Je klarer die EU bereit ist, die Bevölkerung der Ukraine auf dem europäischen, demokratischen, rechtsstaatlichen Weg zu unterstützen, desto größer ist die Chance, dass der Unwille der Bevölkerung in Russland steigt, darunter leiden zu sollen. Nicht nur die Oligarchen, sondern eine wachsende Zahl an Menschen könnte diese Situation, könnte Putin satt haben. Seine Strategie der Zersetzung des Staates Ukraine, die an die geheimdienstlichen Methoden des KGB bei der Zersetzung von Persönlichkeiten erinnert, darf keinen Erfolg haben."

Heinrich Wefing unterhält sich in der Zeit mit dem Völkerrechtler Stefan Talmon über die Konflikte in Syrien, der Ukraine und anderswo. Schwere Zeiten fürs Völkerrecht, zumal wenn die Omnipräsenz dramatischer Bilder in sozialen Netzwerken die Staaten ständig zu Verstößen verleitet, wie Talmon erklärt: "Regierungen glauben, rasch reagieren zu müssen, und entscheiden sich zum Beispiel für Luftangriffe, um nicht handlungsunfähig zu erscheinen. Das ist übrigens ein Problem, das Israel schon seit Jahren hat. Das Land sieht sich ständigen Angriffen ausgesetzt, und darauf muss die Politik kurzfristig reagieren, will sie nicht als schwach und hilflos dastehen. Was Völkerrechtler dazu sagen, ist dann fast gleichgültig.

Zweieinhalb Jahre nach der Eroberung durch Islamisten beruhigt sich die Lage in Timbuktu allmählich wieder, berichtet Philipp Breu in der NZZ. Die Stadt hat nicht nur viele seiner Einwohner, sondern auch seinen größten Schatz eingebüßt: die wertvollen Manuskripte der berühmten Bibliothek von Timbuktu, die größtenteils aus der Stadt geschmuggelt und so vor der Zerstörung gerettet werden konnten: "Die Manuskripte sind einstweilen in Bamako eingelagert, wo sie für die Nachwelt aufbereitet und konserviert werden. Ob sie jemals wieder in die leeren Bibliotheken Timbuktus zurückkehren werden, ist aufgrund der instabilen politischen Lage aber ungewiss. Viele Einwohner der Stadt haben sich in anderen Gegenden nach Arbeit umgesehen. Man befürchtet, dass nach dem Abzug der internationalen Truppen die Sicherheitslage wieder prekärer werden und ein neuer Massenexodus einsetzen könnte."



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