Heute in den Feuilletons "Ein Gigant der Literatur"

Die Feuilletons trauern um den ungarischen Literaturnobelpreisträger Imre Kertész. Trauer auch um Zaha Hadid. Außerdem: In ein paar Jahren werden die Rundfunkgebühren deutlich steigen, prognostiziert die "Medienkorrespondenz".


Efeu - Die Kulturrundschau

Literatur, 01.04.2016

Ein großer Verlust für die Weltliteratur und das Gedächtnis des 20. Jahrhunderts: Der ungarische Autor Imre Kertész ist tot. Er starb mit 86 Jahren in Budapest. Kertesz wurde 1929 als Kind einer jüdischen Familie in Budapest geboren. Mit fünfzehn Jahren wurde er nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Er überlebte und suchte im Nachkriegsungarn Fuß zu fassen, was er jedoch schnell aufgab. Zehn Jahre arbeitete er an seinem "Roman eines Schicksallosen", einem der wichtigsten Zeugnisse des Holocausts. In dieser Zeit lebte er mit seiner Frau in einer 28 Quadratmeter großen Wohnung in Budapest und verdiente sein Geld mit Theaterstücken und Musicals sowie mit Übersetzungen von Canetti, Hofmannsthal, Freud, Nietzsche und Wittgenstein. Als der Roman 1975 in Ungarn erschien, wurde er ignoriert. Erst die Neuausgabe 1985 und die zweite Übersetzung ins Deutsche 1996 durch Christina Viragh brachte Kertesz die lange versagte Anerkennung. Seine nachfolgenden Bücher wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. 2002 erhielt er den Literaturnobelpreis.

"Das Böse hielt er für erklärbar, das Gute blieb ihm ein Rätsel", schreibt Hubert Spiegel im Nachruf in der FAZ. "Er war ein Gigant der Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts, der aus jener besonderen Form des Nichts kam, über die er sein Leben lang schreiben sollte. Ein Gigant der Negation und des gnadenlosen, weil nahezu jeder denkbaren Illusion beraubten Blicks, der jedoch an die Güte glaubte. Nicht als Tugend, sondern als vernunftwidrige Manifestation des Willens zur Freiheit, einer aufbegehrenden, radikalen Freiheit, die ihren Ausdruck darin findet, 'allem zu trotzen, was ist', wie es der Literaturwissenschaftler Lásló F. Földényi formuliert hat."

In der SZ schreibt Franziska Augstein über den Autor, der zwei totalitäre Systeme überlebte: "So sehr er das KZ als Vorbereitung für die osteuropäische Lagergesellschaft ansah, so fern lag ihm doch die plumpe Totalitarismustheorie. Der Nationalsozialismus habe einen hocheffizienten Mördertypus hervorgebracht, schrieb er in einem Essay: 'Ganz unverhohlen stützt er sich auf die in Jahrtausenden von der Kultur zurückgedrängten niederen Instinkte des Menschen.' Die Massenmorde des Bolschewismus seien hingegen das Ergebnis einer politisch-historischen Sichtweise gewesen, die 'Taktik' über alles stellte, in der 'Taktik' als 'einzige Antriebskraft, als Moral, als 'Leitfaden des Handelns'' figurierte."

In der Welt erinnert sich Tilman Krause: "Nie werde ich vergessen, wie Imre Kertész mich an einem strahlenden Septembertag zu seinem Budapester Schreibkerker der Sechzigerjahre in der Török-Straße führte und wie der überaus freundliche, rundliche Mann mit dem hinreißenden Marika-Rökk-Akzent, nicht minder strahlend, ja geradezu jubilierend ausrief: 'Schauen Sie nur, das ist das Kellerloch, in dem der 'Roman des Schicksallosen' entstand, in diesem Dreck, in diesem Lärm, und so ein schmieriger Geselle, wie er uns jetzt auf der Treppe entgegenkommt, war genau der Typus, der mich damals auch umgab.'"

Als Autor kämpfte Imre Kertész "gegen jede Art von Verkitschung entschieden an", schreibt Andreas Breitenstein in der NZZ, "kulturindustriell betriebene 'Vergangenheitsbewältigung' war ihm ein Greuel. Das Dunkle in lichte Gedanken zu fassen, sah er im Umgang mit 'Auschwitz' als höchstes Gebot. 'Wer aus dem KZ-Stoff literarisch als Sieger hervorgeht, lügt und betrügt todsicher', so formulierte er seinen fundamentalen Einwand gegen eine Kunst, die angesichts des Unfasslichen nur zu kurz greifen kann."

In seinem letzten Interview mit der Paris Review 2013 beschrieb Kertesz die Arbeit an seinem ersten Roman so: "Well, I wrote the entire novel during the Communist period. I had no concept of what I was about to say, but my first challenge was to create a language, a form, and finally, a sujet . I wanted to examine the particular existence, the experience of life within a totalitarian system. It was not at all clear to me how I could go about that stylistically. I had to forge a language from scratch, one sufficiently strong and precise. I didn't just want to add to all the white noise around the topic."

Weitere Nachrufe im Deutschlandfunk von Jörg Plath, in der Berliner Zeitung von Mathias Schnitzler, in der taz von Dirk Knipphals und in der Zeit von Fokke Joel. Kertész war in Ungarn umstritten, erinnert Tazlerin Anna Frenyo. Ebenfalls für die taz befragt Klaus Hillenbrand György Dalos nach seinen Erinnerungen an Kertész. Mehr auf Lit21.

Eine Leseprobe aus Kertesz' "Dossier K" finden Sie im Perlentaucher, ebenso ein Interview, das Eszter Radai mit dem Autor 2006 über "Dossier K" führte. Und hier noch ein Essay von Kertesz aus der NZZ 2001 in dem er über die Einigung Europas nachdenkt.

Besprochen werden heute der Briefwechsel zwischen Peter Suhrkamp und seiner Gattin Annemarie Seidel (online nachgereicht bei der FAZ), Antonia Baums "Tony Soprano stirbt nicht" ( SZ ) und Roger Caillois' "Patagonien und weitere Streifzüge" (FAZ).

Architektur, 01.04.2016

Auch die irakisch-britische Architektin Zaha Hadid ist tot. Sie starb mit 65 Jahren in Miami an einem Herzinfarkt. Für Roman Hollenstein war sie "die genialste Architektin unserer Zeit", schreibt er in der NZZ. Ihre Entwürfe galten lange als nicht umsetzbar: "Es war der Basler Rolf Fehlbaum, der dem Rockstar des architektonischen Dekonstruktivismus als Erster Gelegenheit zum Bauen gab: das 1993 vollendete Feuerwehrhaus auf dem Vitra-Campus in Weil am Rhein. Dieses skulpturale, von einer waghalsig auskragenden Betonplatte überdachte Gebäude, dessen Wände zu bersten drohen, bewies, dass Zaha Hadids Entwürfe, die die kühnsten Träume der russischen Suprematisten fad aussehen ließen, realisierbar waren. Seither gilt es vielen als ein Schlüsselwerk mit der Strahlkraft von Le Corbusiers Villa Savoye."

Weitere Nachrufe von Nikolaus Bernau in der Berliner Zeitung, von Moritz Holfelder in der Zeit und von Falk Jaeger im Tagesspiegel.

Alles so neu licht hier: Für die SZ hat Joseph Hanimann die von Patrick Berger und Jacques Anziutti neu entworfene Pariser Station Châtelet-Les Halles besucht, die nächste Woche eingeweiht wird. Insbesondere das neue Blätterdach aus einer Glasdecke imponiert ihm, "die man aus der Tiefe auftauchend hoch über seinem Kopf nicht gleich wahrnimmt, die einen aber sofort in ein breit flutendes und zugleich gedämpftes Licht hüllt. Diese Lichtqualität aus blassem Gelb ist das Meisterstück dieses Baus. Alles ist Windung und Wölbung an ihm. ... Die Konstruktion, die im nördlichen und südlichen Seitenflügel auf drei Etagen das städtische Musikkonservatorium und andere Kultureinrichtungen beherbergt, sucht großzügig, aber nicht großsprecherisch, urbane Öffentlichkeit, Massendurchlauf, Sammelplatz, Flaniermeile und Ort des Müßiggangs in einem zu sein."

Kunst, 01.04.2016

FAZlerin Nicole Scheyerer ist das Konzept der Ausstellung "Chagall bis Malewitsch: Die russischen Avantgarden" der Albertina in Wien ganz und gar nicht geheuer: Der Versuch, die russische Avantgarde lediglich anhand von Malereien zu umreißen, muss notwendig scheitern, findet sie. "Die Ausstellung gibt dem avantgardistischen Zweifel an der Kunstform keinen Raum. Ein Versagen, das auch der vollgestopfte Saal für die Konfrontation von Gemälden El Lissitzkys und Alexander Rodtschenkos mit den Kompositionen Wassily Kandinskys deutlich macht: Bevor man Rodtschenko ohne seine Fotografien und Collagen präsentiert - und ihn bloß als Maler geometrischer Tektonik um 1918 und von Clowns und Harlekinen von 1930 an zeigt -, hätte man ihn besser ganz ausgespart."

Wir gratulieren: Die Künstlerin Tracey Emin hat ihre Eheschließung mit einem Stein bekannt gegeben, berichtet Katja Kullmann im Freitag. Besprochen wird die Lee-Miller-Fotoausstellung im Berliner Gropiusbau ( Tagesspiegel ).

Musik, 01.04.2016

Feuilleton und Popkritik begeistern sich gerade ziemlich für den demonstativ schluffigen Studenten-WG-Rock von AnnenMayKantereit, die bereits als deutsche Antwort auf Wanda gehandelt werden. Kornelius Friz mag da mit seinen Kollegen (etwa von FAS , Berliner Zeitung und Welt ) allerdings nicht mitgehen, ihn schaudert es vielmehr eher angesichts der "erschreckend banalen Texte": "Der vor Selbstmitleid triefende Habitus der Band stellt die an Spoken Word erinnernden Binnenreime (...) unglücklich aus", stöhnt der Kritiker in der FAZ und fragt sich: "Sollte ihre irgendwie laszive Gleichgültigkeit sie tatsächlich schon zum Aushängeschild einer Generation machen? ... Das Album 'Alles Nix Konkretes' bietet weder elaborierte Bilder gegen den Weltschmerz, noch taugt es für verregnete Liebeskummersonntage. Stattdessen bleibt es ziemlich belanglose Jungsmusik."

Im Münchner Lenbachhaus genießt die Popmusik unter dem seit 2014 neuen Direktor Matthias Mühling einen deutlich höheren Stellenwert, stellt Annette Walter von der taz nach einem Besuch von Wolfgang Tillmans' Installation "Playback Room" begeistert fest. Mühlings Ansatz unterscheide sich wohltuend vom üblichen Devotionalienkult, wenn Popmusik ins Museum wandert, vielmehr ist er "dezidiert antiobjektbezogen: Er zelebriert den immateriellen, flüchtigen Moment von Musik. Kurz, die Essenz, eben das, was bleibt, wenn man Image und Style eines Popstars eliminiert. ... [Es geht um] Popmusik, wie sie sonst nur der Künstler hinter verschlossenen Türen als finale Aufnahme im Studio hört, ein Sound, an dem monatelang getüftelt wurde. Und der wird nun in einem fast schon demokratischen Prozess einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht."

Weiteres: Für Das Filter porträtiert Thaddeus Herrmann die Band Moderat, die gerade ihr drittes Album veröffentlicht hat: "Eine nahezu perfekte Platte der vielleicht aktuell besten Band der Welt, die trotz aller noch so verlockenden Angebote der Musikindustrie nach wie vor alles selber macht." (mehr dazu auf Pitchfork und Popmatters ) Im Tagesspiegel wirft Georg Rudiger einen Blick auf die Zukunft des SWR-Symphonieorchesters nach seine umstrittenen Fusion. In der Zeit stellt Ulrich Stockden norwegischen Tubisten Daniel Herskedal vor. Für die SZ unterhält sich Helmut Mauró mit der Geigerin Janine Jansen. SZler Thomas Steinfeld unternimmt einen Ausflug nach Castelfidardo, wo das Akkordeon herkommt. Thomas Meinecke bringt im Logbuch Suhrkamp die 30. Lieferung seiner "Clip//Schule ohne Worte".

Besprochen werden das neue Album des Soulsängers Charles Bradley ( Pitchfork , Popmatters , siehe dazu unten auch das tolle, aktuelle Video), das neue Album von Yeasayer ( taz ), ein neues Album von Weezer ( Welt ), das neue Album der Pet Shop Boys ( Berliner Zeitung , SZ), Tacocats Album "Lost Time" ( taz ), die sechse Lieferung aus Souljazz' Compilationreihe mit frühem und Proto-Punk, diesmal aus Los Angeles ( Popmatters ) und diverse neue Popveröffentlichungen, unter anderem von den Pet Shop Boys, Moderat und Azealia Banks ( ZeitOnline ).

Film, 01.04.2016

Mit der Reihe "The Revolution that wasn't" befasst sich das Berliner Kino Arsenal mit dem russischen Dokumentarfilm von 1991 bis 2015. Die Reihe beginnt heute Abend mit Sergei Loznitsas neuem Film "The Event", in dem der Regisseur Archivmaterial zum Putsch gegen Gorbatschow im Jahr 1991 montiert. Für den Perlentaucher hat sich Michael Kienzl den Film vorab angesehen, der "seine interessantesten Attraktionen an Nebenschauplätzen" finde: Der Film setzt mit einem "eher lässigen Ausnahmezustand ein, der einen zwar den Ernst der Lage spüren lässt, zugleich aber von einem beschwingten Anarchismus geprägt ist, der mitunter wirkt, als würde man sich auf einer Veranstaltung wie der Love Parade befinden. ... Neben der Skepsis gegenüber klassischen Revolutions-Erzählungen gibt es in 'The Event' auch eine Skepsis gegenüber der Revolution an sich. Denn der Film lässt sich zwar auch als Dokument für die Kraft des Volkes verstehen, verbringt aber mehr Zeit damit, diese Kraft in Frage zu stellen. Der Putsch stellt nie eine wirkliche Gefahr dar und das Volk wirkt eher passiv als aktivistisch." In der taz schreibt Fabian Tietke allgemein über die Filmreihe.

Daniel Kothenschulte staunt in der FR: Mara Eibl-Eibesfeldt gelingt es mit ihrem schwarzweißen Debütfilm "Im Spinnwebhaus" an die Glanzzeiten des deutschen unheimlichen Films anzuschließen: "Man hat viel unechtes Schwarzweiß gesehen in den letzten Jahren, flache Digitalbilder, denen lediglich die Schärfe fehlte. Dies hier ist echtes Schwarzweiß, sind durch feinste Lichtzeichnung modellierte Bildräume. Zugleich werden alle üblichen 'Neo-Noir'-Klischees vermieden, diese Kameraarbeit ist keine leere Expression, sondern bei aller Schönheit eine funktionale Bilderzählung."

Alle schreiben über das neue Superman-Ungetüm, aber niemand über Laurie Andersons Essayfilm "Heart of a Dog", beklagt Rüdiger Suchsland auf Artechock. Ganz richtig ist das zwar nicht (Hymische Besprechungen brachten taz und FAZ , große Storys mit der Regisseurin gab es in der Zeit und im Magazin der Süddeutschen), doch Suchslands Fürsprache für diesen Essayfilm im Besonderen ("ein gedankliches Flanieren durch die Gegenwart" und "eine kluge Reflexion der Natur des Erzählens") sowie für die Gattung im Allgemeinen sind dennoch bedenkenswert. Denn der Essayfilm sei gerade überaus rege und lebendig, schreibt der Kritiker: Den jüngsten Filmen "gemeinsam ist ein Gefühl und eine Haltung: Der Überdruss an den konven­tio­nellen Doku­men­tar­filmen und der billigen Schein­ob­jek­ti­vität des Repor­ta­ge­kinos, das Wahrheit sugge­riert, wo doch jeder weiß, dass es das im Kino so einfach gar nicht geben kann. Und das sich Fragen nach Stil, Gestal­tung und ästhe­ti­scher Moral kaum noch stellt. Dann doch lieber die erklärte Subjek­ti­vität des essay­is­ti­schen Kinos: Voller persön­li­cher Obsession und indi­vi­du­eller Neugier. So wird der Essayfilm gerade zum zweiten Gehirn des Gegen­warts­kinos: Getränkt im aufge­klärten Wissen um die eigenen Grenzen."

Besprochen wird außerdem der Mafiathriller "Criminal Activities" mit John Travolta ( Berliner Zeitung , unsere Kritik hier). Und ein Schmökerhinweis: Das Filmmagazin Revolver hat die Texte seiner Ausgabe zum Thema "Filmkritik" online gestellt - die Wortmeldungen von damals sind auch heute noch - und nicht nur aus historischen Gründen - lesenswert.


9Punkt - Die Debattenrundschau

Politik, 01.04.2016

Wer glaubt, letztlich sei der Westen schuld am Wüten des Islamismus, überschätzt den Westen, meint Melik Kaylan in Politico.eu: "Der Westen hat die Despoten in der Region nicht erfunden. Diese Tradition beginnt schon vor dem westlichen Einfluss, ein starker Mann löst den anderen ab - und immer mit großem Rückhalt der Bevölkerung für ihre starken islamischen Führer. Nun bläst der Wind der Globalisierung diese Sporen davon."

Europa, 01.04.2016

Marc Zitzmann resümiert in der NZZ belgische und franzöische und belgisch-franzöische Debatten über die Ursachen des Terrors: "Ein Wort findet sich in fast allen Presseberichten wieder: 'dysfonctionnements'. Die Behörden des Königreichs hätten einmal mehr Fehlfunktion an Fehlfunktion gereiht, schreibt etwa Le Soir - eine 'Tradition', die über die Dutroux-Affäre bis zur Katastrophe im Brüsseler Heysel-Stadium 1985 zurückreiche."

Kulturpolitik, 01.04.2016

Erleichtert konstatiert Hanno Rauterberg in Zeit online, dass Palmyra nicht so stark zerstört ist wie befürchtet und vermutet eine Art Schaufensterpolitik der IS-Schergen: "Sie wollten Palmyra vor allem deshalb vernichten, weil sie von der Sprengung symbolträchtige Bilder verbreiten wollten. Dafür reichten gut vermarktbare Knalleffekte, hingegen konnte der IS auf einen systematischen, teuren Säuberungsfeldzug verzichten."

Hans Stimmann, ehemaliger Senatsbaudirektor der Stadt Berlin und Verfechter der "Traufhöhe", verteidigt sich in der FAZ gegen nachträgliche Kritik, die sein Wirken für den Ärger um die Friedrichwerdersche Kirche (unsere Resümees) mitverantwortlich macht: "So richtig der Verweis auf das 1999 vom Senat beschlossene Planwerk Innenstadt ist, so wenig ist es die Ursache für den Bau von Wohnungen einer weit über zehntausend Euro pro Quadratmeter liegenden Preiskategorie und noch weniger für die Schäden an der Friedrichswerderschen Kirche."

Überwachung, 01.04.2016

Die Whistleblowerin Chelsea Manning erzählt im Interview mit Chris Wallace von Interview von ihrem Alltag im Gefängnis und von ihren Ängsten über eine immer mehr kontrollierte Öffentlichkeit: "Ich fürche, dass die nächsten Generationen von Amerikanern mit dem sehr realen Gespenst eines neuartigen und seltsamen digitalen Totalitarismus werden leben müssen, mit einem Staat, der an der Oberfläche demokratisch aussieht, aber Unterströmungen der Angst und eines technologisch erzwungenen Faschismus hat, sobald man mal aus der Reihe tritt. Ich hoffe, wirklich, dass es nicht so kommt, aber es sieht im Moment recht übel aus, oder?"

Medien, 01.04.2016

Alex Spence stellt in politico.eu eine Studie des "Centre for the Study of Media Communication and Power" am King's College London vor, die einen zu starken Einfluss von Google und Facebook auf Medien und Öffentlichkeit konstatiert. Eines der Argumente: "Sie filtern die Nachrichten, aber sie sagen nicht warum und wie. Traditionelle Medien verlieren die Kontrolle darüber, wie Nachrichten vertreiben werden. Immer mehr Menschen bekommen sie nicht durch Zeitungen oder TV-Nachrichten, sondern über die Feeds der sozialen Medien oder algorithmisch organisierte Aggregatoren. 'Dies ist eine dramatische Machtverschiebung', sagt Martin Moore, der Leiter des Centre. Und es sei unklar, ob die Tech-Giganten die journalistischen Werte und die das Verantwortungsgefühl der besten Newsrooms teilen." Die ja auch schon die schlechtesten Newsrooms nicht teilen, oder?

Die Rundfunkgebühren werden nach 2021 nach Berechnungen der KEF, die den Finanzbedarf der Sender festlegt, wohl deutlich steigen, auf 19,40 oder 19,10 Euro pro Monat, schreibt Jens Twiehaus unter Berufung auf die Medienkorrespondenz (hier) in turi2: "Die Zahlenspiele kamen bereits bei einer Sitzung am 24. Februar auf den Tisch, wurden der Medienkorrespondenz aber offenbar erst jetzt von Teilnehmern bestätigt. Für Vertreter der Länder seien die Rechenspiele ein Schock gewesen. Sie fürchten eine Debatte über Sinn und Unsinn des öffentlich-rechtlichen Rundfunks."

Wozu auch eine Debatte? Unabhängig von Sinn und Unsinn der Sender in Zeiten des Medienwandels ist eine tiefere Veränderung an den Strukturen laut Volker Nünning in der Medienkorrepondenz ohnehin nicht zu erwarten: "Welcher Regierungschef würde zustimmen, dass es zum Beispiel bei 'seinem' ARD-Landessender massive Einschnitte gibt oder dass dieser gar abgeschafft wird (etwa über eine Fusion mit einer anderen Sendeanstalt)?"



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