Heute in den Feuilletons "Makabre Touristengaudi"

Die "FAZ" findet das 9/11-Museum in New York zu touristisch. Die "taz" macht sich Sorgen, ob David Bowie aus dem Museum, in das man ihn gesteckt hat, jemals wieder herauskommt. Und die "NZZ" freut sich über moderne Beethoven-Aufführungen.


Efeu - Die Kulturrundschau

Kunst, 16.05.2014

In Dessau werden die nach ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg rekonstruierten Bauhaus-Häuser eingeweiht. Beim Wiederaufbau hat man sich allerdings bewusst für keinen bloßen Nachbau entschieden, auch wenn man dies auf den ersten Blick meinen könnte, berichtet Nicola Kuhn im Tagesspiegel: Das Berliner Architekturbüro Bruno Fioretti Marquez habe sich für ein "Konzept der Unschärfe" entschieden. "Aufgegangen ist es nicht. Die durch transluzente Scheiben wie erblindet wirkenden Fenster sorgen für einen abrupten Aufprall des Zeitreisenden in der Gegenwart. Weder kann herein- noch herausgeschaut werden. Sie signalisieren, dass hier keiner wohnt, sondern die reine Kunst regiert. Das Ergebnis sind begehbare Archiskulpturen, die von außen schroff und abweisend wirken." Auch Regina Mönch von der FAZ hat sich die Häuser genauer angesehen und stellt fest: "Nur die Kubatur der Originale und seltsamerweise der Keller des Gropiushauses sind exaktes Zitat. ... Die Berliner Architekten haben souverän einen Glaubenskrieg beendet, der zwei Jahrzehnte lang um dieses Projekt tobte, vor allem in der Kontroverse, welche Zeitschicht die stilprägende sein soll." (Bild: Jan Woitas/EPA)

In der FAZ berichtet Jordan Mejias von der Eröffnung des "National September 11 Memorial Museums" in New York, das für seinen Geschmack ein wenig zu touristisch geraten ist: "Will sie nicht zur makabren Touristengaudi verkommen, muss die Gedenkstätte (...) beginnen, über Ground Zero hinaus zu denken. Noch bestimmen das Bild die dicken Pinselstriche des modernen Heldenepos." In der SZ bringt Peter Richter Hintergründe zu den im Vorfeld geführten Kontroversen.

Weitere Artikel: Daniele Muscionico berichtet im Tages-Anzeiger von der gestrigen Verleihung der Swiss Photo Awards. Besprochen werden die Ausstellungen "Experiment Metropole" über die Wiener Weltausstellung 1873 im Wien Museum ( Kurier ) und "Ludwig der Bayer" über den mittelalterlichen Kaiser Ludwig IV. in Regensburg (SZ).

Musik, 16.05.2014

Bei der "Eroica", mit der das Tonhalle-Orchester Zürich unter Leitung des Chefdirigenten David Zinman seinen Beethoven-Zyklus eröffnete, wird Peter Hagmann in der NZZ bewusst, wie sehr sich die Aufführungspraxis von Beethovens Werken in den letzten zwanzig Jahren verändert hat: Nicht mehr pompös und pathetisch, sondern leicht, agil und gelassen. "Das heißt aber keinesfalls, dass der wilden Sinfonie eines wilden Komponisten die Wildheit abhandengekommen wäre. Es ist einfach so, dass für die zwei Tutti-Schläge am Anfang zu Beginn nicht zum Holzhammer gegriffen wird. Im Zürcher Beethoven erscheinen sie als zwei Ausrufezeichen in schlanker Typografie."

Julian Weber hat für die taz die David-Bowie-Ausstellung im Berliner Martin-Gropius-Bau vorab besichtigt. So recht wohl scheint ihm trotz allem Staunen über die ausgestellten Exponate nicht zu sein, attestiert er doch bang: Bowie "ist nun also endgültig im Museum angekommen. Aber wie kommt David Bowie da wieder heraus?"

Weitere Artikel: Eric Pfeil schreibt Poptagebuch beim Rolling Stone. In der NZZ stellt Ueli Bernays den Jazz-Vokalisten Andreas Schaerer und seine Band Hildegard lernt fliegen vor. Besprochen werden Conor Obersts neues Album "Upside Down Mountain", das Johannes Schneider vom Tagesspiegel die jugendliche Intensität von Obersts früherer Band Bright Eyes vermissen lässt (hier kann man das Album anhören), das neue Album von Coldplay ( Welt, SZ), ein Konzert von Anne-Sophie Mutter ( Tagesspiegel ) und in einer Doppelrezension Mac DeMarcos "Salad Days" und Tom Brosseaus "Grass Punks" ( taz ).

Film, 16.05.2014

Cannes, zweiter Tag. Deutlich besser als der Eröffnungsfilm kam Mike Leighs Wettbewerbsbeitrag "Mr Turner" über den romantischen Landschaftsmaler Joseph Mallord William Turner weg, wie schon ein schneller Blick in David Hudsons internationalen Pressespiegel bei Keyframe beweist. Auch Joachim Kurz von kino-zeit.de ist von Mike Leighs Rückkehr zum Historienfilm sehr begeistert: "Wenn sich zwei Meister ihres Fachs auf diese Weise vereinigen, dann ist das einer jener Glücksfälle und -momente im Kino, über die man sich einfach nur freuen kann." Insbesondere, dass Leigh sich nicht bloß aufs Nachahmen der berühmten Vorlagen versteift, rechnet Kurz dem Regisseur hoch an: Die Kameraarbeit begnügt sich "nicht mit purem Kunsthandwerk und dem Rückzug auf die bildnerisch fragwürdige Kraft reiner Kopisten: Immer werden Tableaus durch Zurückzoomen und Schwenks als Illusionen demaskiert, denen sie die raue Wirklichkeit als Kontrast entgegenstellen." In Zeit online bewundert Wenke Husmann das Licht in dem Film.

Für die taz hat sich Cristina Nord an der Croisette derweil anderweitig umgeschaut: Ihr Herz schlägt ganz und gar für Abderrahmane Sissakos "Timbuktu", dem sie jetzt schon "aus vollem Herzen eine goldene oder silberne Palme" wünscht. Für critic.de hat Michael Kienzl den Film gesehen und konstatiert: "Ein beeindruckender Film voller Ungeschliffenheiten".

Weiterhin berichtet Frédéric Jaeger auf critic.de von seinem Glück, Djinn Carrénards "Fla" gesehen zu haben: Dieser Film "platzt aus allen Nähten und ist gleichzeitig äußerst kontrolliert. Er hat nichts Naturalistisches und ist dennoch ein Film, der mit der größten Genauigkeit hinguckt und abpaust."  Außerdem lief Céline Sciammas Film "Girlhood": Hier ein Pressespiegel. Für critic.de bespricht Till Kadritzke den Film.

Für den schnellen Klick noch zwei empfehlenswerte Links für die Bookmarks: Cargo kriegt wieder SMS vom Festival und critic.de hat einen fortlaufend aktualisierten Kritikerspiegel eingerichtet.

Und auch abseits von Cannes werden noch Filme gezeigt. Matthew Barneys neues Epos "River of Fundament", das im Rahmen der Wiener Festwochen vorgeführt wurde, hat die Kritiker einigermaßen irritiert zurückgelassen. "Verstörend, schön, grauenhaft", versucht sich Norbert Mayer in der Presse an einer Bilanz, während Michael Huber im Kurier feststellt, Barney habe "den absoluten Willen zur Größe demonstriert. Und dann doch ins Klo gegriffen." Im Standard porträtiert Isabella Reicher den chinesisch-malaysischen Regisseur Tsai Ming-liang, dessen Werk ebenfalls bei den Wiener Festwochen gezeigt wird.

Literatur, 16.05.2014

Besprochen werden Lidia Ginsburgs "Aufzeichnungen eines Blockademenschen" ( Berliner Zeitung ), Hermann Sinsheimers Autobiografie "Gelebt im Paradies" ( FR ), Gertrud Leuteneggers Roman "Panischer Frühling" ( Zeit ), die Ausstellung "Reisen" im Literaturmuseum Marbach, das darin 1200 Fotografien von Schriftstellern aus seinen Archivbeständen präsentiert (FAZ), Arthur Schnitzlers erstmals veröffentlichte Novelle "Später Ruhm" (SZ) und Thomas Medicus' "Heimat" (FAZ).

Bühne, 16.05.2014


Beim Berliner Theatertreffen gibt es jetzt auch betriebsinterne Diskussionsveranstaltungen, berichtet Doris Meierhenrich in der Berliner Zeitung. Besprochen wird das beim Berliner Theatertreffen gezeigte Doku-Stück "Die letzten Zeugen" ( taz - siehe auch unsere gestrige Kulturrundschau).


9Punkt - Die Debattenrundschau

Europa, 16.05.2014

Wie die Ukrainer wurden, was sie sind, das hat Gerhard Gnauck aus einem Interviewbuch der polnischen Reporterin Iza Chruslinska mit der ukrainischen Autorin Oksana Sabuschko gelernt, erzählt er in der NZZ. Die Befreiung von Russland begann mit Tschernobyl: "Mit dem Unglück und der (zunächst ausbleibenden) Reaktion der Behörden beginnt das Gefühl um sich zu greifen, nicht Teil zu sein eines großen gemeinsamen Gemeinwesens, sondern vielmehr von Moskau rücksichtslos kolonialisiert worden zu sein. Etwa als Standort zahlreicher, in der Moskauer Zentrale geplanter Kernkraftwerke, aber beileibe nicht nur. Seitdem ist in der Ukraine der Kolonialismus-Diskurs wichtig geworden. Außerdem brachte Tschernobyl 'das Ende der Epoche des Schweigens' im Land, die Oksana Sabuschko für die Zeit von 1933 (Hungersnot, sich verschärfender Terror) bis eben 1986 ansetzt. Viele Tabus seien damals aufgeweicht worden, vom Umgang mit der Geschichte bis zu jenem mit Körperlichkeit und Sexualität."

Adam Michnik sagt im Interview mit Alan Posener in der Welt ein paar kluge Worte zur Ukraine, der ja von manchen Intellektuellen hierzulande die Existenz abgesprochen wird: "Ein Ukrainer sagte mir: Unser Land lebt aus der Ambiguität. Wir haben eine hybride Nationalität. Wir sprechen Russisch und Ukrainisch. Wir haben vier orthodoxe Kirchen, Katholiken, Muslime und Juden. Putin zerstört diese Ambiguität. War es vor Bismarck in Deutschland nicht ähnlich? In Italien vor Garibaldi? Die Ukraine hat eine andere, aber keine völlig andere Geschichte. Sie ist auch eine verspätete Nation." Zur deutschen Putinolatrie hat Michnik auch etwas zu sagen: "Ich dachte bisher, der Prozess der mentalen Entnazifizierung sei in Deutschland erfolgreich abgeschlossen. Aber man fällt wieder auf eine Propaganda herein, die faschistische Grundzüge trägt."

Internet, 16.05.2014

Jonathan Zittrain, Juraprofessor in Harvard, zeigt in der New York Times zwar Verständnis für die Sorge, dass die mechanische Auflistung von Sucheinträgen zu einer Person ein verzerrtes Bild ergeben kann. Aber das Urteil des EuGH verstößt seiner Ansicht nach gegen die Meinungs- und Informationsfreiheit. Die Suchmaschinen sollten sich besser selbst etwas zur Lösung dieses Problems einfallen lassen (2007 hat Google es schon mal versucht, das Projekt aber wieder fallen lassen): "Wenn nicht, werden die Ergebnisse der Suchmaschinen nicht mehr von Ihrer Suchanfrage abhängen, sondern vom Standort Ihres Keyboards. Und die Suchmaschinen könnten sich in einem Katz-und-Maus-Spiel mit Zensur und ihrer Umgehung wiederfinden, das nur zu einer Fragmentierung, nicht zu einer Verbesserung des Netzes führt."

Es wurde bisher verkannt, dass das Urteil des Europäischen Gerichtshofs gegen Google eigentlich nicht viel mit Datenschutz zu tun hat, die Information über den spanischen Bürger bleibt ja bestehen - nur nicht bei Google, meint Anja Seeliger im Perlentaucher: "Der EuGH hat uns gestern im Handstreich eine Zweiklassen-Informationsgesellschaft beschert. Die, die für Informationen bezahlen, wissen, wer pleite gemacht hat, wer schon mal verurteilt wurde oder wer vor zwanzig Jahren eine karriereschädliche Bemerkung gemacht hat. Die anderen - lernen von den Chinesen oder wissen es eben nicht. So wird die Informationshierarchie der vordigitalen Zeit langsam wieder restauriert."

Im Tagesspiegel warnt Malte Lehming, das Urteil könne dazu führen, "dass sich das egalitäre Moment des Internets in ein elitäres verwandelt. Wer die hohen Kosten für Reputationsmanager und Spezialanwälte nicht zu scheuen braucht, kann sein digitales Image künftig noch leichter aufhübschen, während sich die Habenichtse der realen Welt mit ihrem Suchmaschinen-Charakter nach wie vor abfinden müssen."

Nicht nur die Europäer, auch die Amerikaner arbeiten fleißig an einem Zweiklassen-Internet, berichtet Johannes Kuhn auf SZ online: Die Federal Communications Commission (FCC) hat gerade ihr Papier vorgestellt, wonach Streaming-Portale oder Telemedizin-Firmen künftig gegen Bezahlung eine bessere Geschwindigkeit und/oder Qualität der Übertragung erwerben können und mit dem so gewonnenen Geld die Mindeststandards gehalten werden sollen: "Allerdings hat sich die FCC schon häufiger mit solchen Ideal-Modellen verkalkuliert und ist nun dabei, einen Präzedenzfall zu schaffen, der das Prinzip der Netzneutralität aushebelt."

Nachdem die FAZ einen so schönen Wahlkampf für den SPD-Europapolitiker Martin Schulz gemacht hat, dessen Thesen vom "digitalen Totalitarismus" so gut zur FAZ-Kampagne gegen Google passen, bedankt sich jetzt Sigmar Gabriel artig bei der FAZ und verspricht den Bürgern Schutz vor den Folgen der Digitalisierung: "Aufgabe der europäischen Politik ist es, mit der Kraft einer kristallklaren Analyse, aber auch mit der Eingriffsmacht eines großen Wirtschaftsraums in der Lage zu sein, die demokratisch legitimierte Rechts- und Marktordnung des digitalen Zeitalters neu zu formulieren und dann durchzusetzen, ja durchzukämpfen, wo es sein muss." Dazu gehört für Gabriel unter Umständen auch die Zerschlagung Googles in Europa. Man könnte natürlich auch mit der Abschaffung des Listenprivilegs anfangen, das es deutschen Zeitungen erlaubt, die Daten ihrer Kunden zu Werbezwecken zu verkaufen. Aber das könnte diese "Sternstunde des politisch relevanten Feuilletons" verdunkeln.

Der Blogger Marcel Weiß unterstützt auf Neunetz, nicht ganz ohne skeptische Untertöne, das ambitionierte vorhaben der Krautreporter , die sich ihr kommendes Medium von den Lesern finanzieren lassen wollen - und er macht eine wichtige Nebenbemerkung: "Dass es Bedarf an Krautreporter gibt, ist allerdings auch ein Zeugnis des Versagens nicht nur der privaten Medien, sondern auch und besonders der öffentlich-rechtlichen Medien. Letztere setzen ihre Sonderstellung auf der Erlösseite nicht ein, um im Online-Kontext neue Wege zu gehen. Stattdessen machen sie mehr oder weniger das Gleiche wie die privaten Medien."

In der FAZ schildert Andreas Platthaus den Kampf zwischen Amazon und den Verlagen Hachette, dessen Bücher Amazon wegen Missliebigkeit verlangsamt ausliefert, und Bonnier in Deutschland.

Kulturpolitik, 16.05.2014

Mehrere deutsche Museen überlegen, ob sie nicht juristisch gegen die Abwanderung der Gurlitt-Sammlung nach Bern einschreiten. Sie berufen sich darauf, dass manche Werke im Rahmen der Aktion "Entartete Kunst" aus ihren Museen entfernt worden waren, berichten Lucas Wiegelmann und Sally-Charell Delin in der Welt: "Die eingezogenen Werke sind zu unterscheiden von sogenannter Raubkunst: Von Raubkunst spricht man, wenn die Nazis Privatsammler enteignet oder sie zum Verkauf zu unangemessen niedrigen Preisen gedrängt haben. Die 'Aktion Entarteter Kunst' zielte dagegen auf Bilder, die sich in öffentlichen Sammlungen befanden. Damit hat sich der Staat gewissermaßen selbst enteignet."



Dass es zu einer Volksabstimmung über das Flugfeld Tempelhof kommt, hat die piefige Berliner Stadtpolitik mit ihren piefigen Bebauungsplänen für das Areal mal wieder sich selbst zu verdanken, meint Dankwart Guratzsch in der Welt: "Schuld an diesem Versagen ist die Maßstabsverleugnung - die Unfähigkeit, mit Größe und Weite umzugehen, der Versuch der Einfriedung und Befriedung einer heroischen Landschaft, die von den Narben deutscher Geschichte, von Aufschwüngen und Abstürzen, von der funktionalen Perfektion und Gigantomanie gezeichnet ist." (Foto: olaf-ist.net, CC, Quelle: Flickr)

Politik, 16.05.2014

Ein wütender Kommentar der kamerunischen Politikerin Marafa Hamidou Yaya zu Boko Haram und den entführten Mädchen in Nigeria aus Le Monde: "Boko Haram verletzt die Grenzen, um den Terroristen aus dem Mali zu empfangen, und schafft sich Rückzugsbasen im Kamerun, Boko Haram löst westliche Interventionen aus, bringt die Communities gegeneinander auf, indem es ein Regime des Hasses und des Schreckens errichtet, Boko Haram nennt unseren eigenen Dynamismus 'Verwestlichung' - und  tut somit alles um den Gang der jüngsten afrikanischen Geschichte, der im Kampf um Unabhängigkeit, Harmonie zwischen den Communities und Entwicklung beteht, rückgängig zu machen."

"Heimliche Freiheiten", auf Englisch: Stealthy Freedoms, heißt ein Schlagwort, unter dem iranische Frauen Bilder von sich ohne Kopftuch bei Facebook posten, berichtet Emma im Internet und bringt einige Bilder von kopftuchlosen Iranerinnen: "Die iranische Journalistin Masih Alinejad hat damit angefangen. Anfang Mai postete die 37-Jährige, geboren in einem kleinen Dorf beim Kaspischen Meer und heute in London im Exil tätig, auf Facebook ein Foto von sich aus dem Jahr 2009, aufgenommen im Iran. Masih sitzt ohne Kopftuch hinter dem Steuer eines Autos. Sie kommentiert: 'Wenn du eine Frau bist und nicht an Zwangsverschleierung glaubst, schaffst du dir heimlich deine Freiheit, egal wo du bist. Damit der Zwang dich nicht zugrunde richtet.' Und weiter: 'Ich wette, viele Frauen besitzen solche Fotos heimlicher Freiheiten!'"

Auch die Seite 3 der SZ bringt ein Porträt von Martin Schulz, dem Kandidaten der SPD für die Europawahl. Die Berliner Zeitung tituliert ihn gar als "Präsident der Herzen". Andere Parteien scheinen die Zeitungen nicht mehr zu kennen.

Medien, 16.05.2014

Was steht hinter der brüsken Entlassung der New York Times-Chefredakteurin Jill Abramson?, fragt Mathew Ingram auf paidcontent.org. Vielleicht auch das Problem, dass selbst die erfolgreiche Paywall der zweitbesten Onlinepräsenz einer Zeitung auf der Welt, nicht ausreicht, um das Medium zu refinanzieren: Der "metered subscription plan", wie die Zeitung ihn nennt, "bringt ungefähr 150 Millionen Dollar jährlich von Abonnenten ein. Aber diese Einkünfte sind nach wie vor weit davon entfernt, den beständigen Niedergang bei den Print-Anzeigen zu kompensieren, und die Kurve der  Neuabonnenten für die Paywall flacht ab - daher die Einführung neuer Apps und Dienste wie NYT Now und NYT Premier."

Uwe Schmitt kommentiert in der Welt die nicht eben sympathischen Umstände der Kündigung Abramsons.

Der neue Rundfunkbeitrag ist rechtmäßig, das haben die Verfassungsgerichte von Bayern und Rheinland-Pfalz entschieden. In der FAZ fragt sich Michael Hanfeld empört, in welcher Parallelwelt die Richter eigentlich leben: "Die Verfassungsrichter behaupten einfach, dass der Rundfunkbeitrag keine Steuer sei - weil der öffentlich-rechtliche Rundfunk eine Leistung für alle erbringe, die ein Wert an und für sich sei und es keine Rolle spiele, ob man die Programme empfangen wolle oder nicht. Und sie sagen, dass alle davon einen Nutzen hätten - damit wird der öffentlich-rechtliche Rundfunk zum Teil der Daseinsvorsorge. Widerspruch oder Ausstieg aus dem System ist unmöglich."

Überwachung, 16.05.2014

Edward Snowden bekommt die Ehrendoktorwürde der Uni Rostock, meldet Elisabeth Pohl in Netzpolitik: "Schon im Vorfeld teilte sein Anwalt mit, dass Snowden die Ehrung annehmen wird. Allerdings ist die Verleihungszeremonie noch ohne Datum."



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