Heute in den Feuilletons "Fünf Millionen Dollar? Absurd!"

In Cannes kristallisiert sich mit Nuri Bilge Ceylans "Winter Sleep" ein erster Favorit heraus. Rosemarie Trockel bedauert im "Tages-Anzeiger" ihren hohen Marktwert. Und Joachim Lottmann rät im "Standard" zu Kokain.


Efeu - Die Kulturrundschau

Bühne, 19.05.2014

Sehr salopp fällt Ulrich Seidlers Fazit des Berliner Theatertreffens in der Berliner Zeitung aus: "Schön war's, ärgerlich auch. Wir berichteten. Neu war ein leichter, gar nicht unangenehmer Schauder, der Veränderungen, wenn nicht gar Umstürzen und Abendlanduntergängen vorausgeht. Es knirscht jedenfalls ein bisschen im Theatertreffengebälk."

Im Tagesspiegel schießt unterdessen Rüdiger Schaper in seiner Bilanz viele vergiftete Pfeile in alle Richtungen, unter anderem auch in die von Frank Castorf: Es "sah fast alles wieder einmal so aus wie immer. Die vermüllte Drehbühne. Das Videogewackel. Das Geschrei der Schauspieler. Castorf hat Castorf hat Castorf hat Castorf kopiert - und wurde zum Theatertreffen eingeladen. Aus München. Wo er doch Intendant in Berlin ist, an der Volksbühne, dem größten und erfolgreichsten Copy-Shop des europäischen Theaters in den letzten beiden Jahrzehnten. Aber bei Künstlern nennt man das: Handschrift."

Begeistert kehrt Michael Stallknecht von der SZ aus Zürich zurück, wo Willy Decker Monteverdis "Il Ritorno d'Ulisse in Patria" inszenierte - und das auf offenbar sensationelle Weise, wie der Kritiker versichert: "Seit dem Ende seiner Intendanz bei der Ruhrtriennale im Jahr 2011 hat Willy Decker nicht allzu oft inszeniert. Nun weiß man wieder, was man vermisst hat: eine von einem atemberaubend eleganten Handwerk gestützte Menschenerzählkunst, in der einer für uns alle steht, in der das Einzelne und das Allgemeine, Symbol und Psychologie einander vollständig durchdringen." Weitere positive Besprechungen in der NZZ und im Tages-Anzeiger .

Weiteres: Der Tagesspiegel dokumentiert Edith Clevers Laudatio auf Valery Tscheplanow, die in diesem Jahr den Alfred-Kerr-Darstellerpreis erhalten hat. Ebenfalls im Tagesspiegel erinnert Peter von Becker außerdem an George Tabori, der in diesen Tagen 100 Jahre alt geworden wäre.

Besprochen werden Stephan Kimmigs Inszenierung von Maxim Gorkis "Wassa Schelesnowa" am Deutschen Theater Berlin ( Tagesspiegel , Berliner Zeitung , taz ), Alvis Hermanis' beim Berliner Theatertreffen aufgeführtes Stück "Die Geschichte von Kaspar Hauser" ( taz ), die Uraufführung von Melinda Nadj Abonjis erstem Drama "Schildkrötensoldat" (Inszenierung: Patrick Gussets) in Basel ( Tages-Anzeiger ), Stefan Puchers an den Münchner Kammerspielen aufgeführte Inszenierung von Jean Genets "Die Zofen" ("Dieses Theater ist sich selbst genug", schreibt Christine Dössel in der SZ unter allerdings lobender Erwähnung der Darsteller) und Wayne McGregors in Wolfsburg aufgeführte Tanzperformance "Atomos" (FAZ).

Film, 19.05.2014

Cannes zum Fünften - und wir haben einen Favoriten! Zumindest wenn man Anke Westphal von der Berliner Zeitung Glauben schenken darf, fordert das Fachpublikum vor Ort jedenfalls schon sehr einhellig die Goldene Palme für Nuri Bilge Ceylan, der mit seinem überlangen "Winter Sleep" im Wettbewerb vertreten ist. Sie schreibt: Dieser Film "fokussiert sich vornehmlich in dämmerigen Innenräumen auf Gespräche über das Leben, die Welt sowie Sinn oder Unsinn von Widerstand und Wohltätigkeit. Manchmal fehlen die großen Kinobilder, die Nuri Bilge Ceylan so wundervoll schaffen kann. Doch in den großartigen Dialogen und im preiswürdigen Spiel der Darsteller (...) entfaltet sich das absolut fesselnde Porträt eines letztlich selbstgefälligen Zynikers - und das stille Drama zweier abhängiger Frauen."

Abel Ferraras Film über Dominique Strauss-Kahn mit Gérard Depardieu in der Hauptrolle wurde lediglich abseits des Festivals unter freiem Himmel gezeigt. "Wir, ungefähr 200 Journalisten, durften auf einer Leinwand gucken, auf Klappstühlen sitzend in einem Zelt-Lokal am Strand, in das von der Party nebenan die Bässe wummerten und das Licht nicht ganz aus ging. 'Release event' hieß das, und wenn das die Zukunft des Kinos sein soll, gute Nacht", zeigt sich Verena Lueken in der FAZ genervt von den angeblich politischem Druck geschuldeten Vorführbedingungen. Tobias Kniebe von der SZ hat sich das bis in die Pressekonferenz fortgesetzte burleske Spektakel nicht ohne Faszination angesehen, auch wenn er durchaus Vorbehalte anmeldet: "Auch Verzweiflung schwingt darin mit. Depardieu und sein amerikanischer Regisseur Abel Ferrara sind ja beide selbst längst der fortgesetzten, karrierezersetzenden Völlerei überführt (...), und die Frage steht im Raum, ob man ihnen überhaupt noch einmal Wiedereinlass in den offiziellen Palast der Filmkunst gewähren wird. Was sie hier machen, ist ganz klar eine Trotzreaktion."

Cristina Nord fragt sich in der taz nach Bertrand Bonellos Biopic über Yves Saint Laurent, in dem man diesen beim Cruisen beobachten kann: "Wohin ist sie nur verschwunden, die Nonchalance der 70er Jahre?" Weitere Besprechungen auf kino-zeit.de , auf Zeit Online und auf critic.de .

In der SZ hat Susan Vahabzadeh unterdessen einen ersten roten Faden im Wettbewerb ausgemacht: In nahezu allen Filmen geht es um "männliche Selbstbeschau". Bei Zeit Online bekennt Wenke Husmann, bei Tommy Lee Jones' neuem Western "The Homesman" viel Kinofreude erlebt zu haben. Auf kino-zeit.de stört sich Beatrice Behn unterdessen sehr daran, dass der Film sowohl frauen- als auch männerfeindlich ist - auch wenn er "trotzdem recht unterhaltsam ist". Außerdem berichten Jan Schulz-Ojala im Tagesspiegel und Verena Lueken in der FAZ kursorisch von den letzten wichtigen Filmen an der Croisette.

Literatur, 19.05.2014

Gibt es so etwas wie eine gemeinsame europäische Identität? Das haben verschiedene europäische Magazine, darunter das Zeit Magazin, zehn Schriftsteller gefragt, die in Form von kurzen Gedichten über ihre Länder antworteten. Über Deutschland schreibt Sasa Stanisic:

"Die Geheimnisse sind wir los. Abgegeben, wie unsre gut gebauten Waffen,
unfreiwilliger. Schütteln Babys, verliert Bayern ein Spiel, wir sind bischofs-
residenzschön. Wetten, dass unser Bier übernimmt, ein Denkmal für Erwin
Rommel, unsre Epen, unsre Migranten am Theater, unsre russische Energie."

"Warum nehmen nicht mehr Menschen Kokain?", wundert sich der Schriftsteller Joachim Lottmann im Standard nach einem offenbar sehr überzeugenden Selbstversuch: "Reines Kokain ist wahrscheinlich das Gesündeste, was man zu sich nehmen kann - solange man Sport treibt, das Leben und die Liebe liebt (was ja automatisch aus der ausgelösten Euphorie folgt)."

Weitere Artikel: Im Kurier fasst Barbara Mader die Debatte zusammen, ob es sich bei der nun veröffentlichten frühen Novelle "Später Ruhm" von Arthur Schnitzler um eine sensationelle Entdeckung handelt oder nicht. Für den Tagesspiegel trifft sich Florian Zimmer-Amrhrein mit dem Autor Bodo Morshäuser. Im Freitag erinnert Uwe Schütte an W.G. Sebald, der dieser Tage 70 Jahre alt geworden wäre. Sehr lang, sehr ausführlich, sehr literaturwissenschaftlich macht dies auch Jakob Hayner in der Jungle World.

Besprochen werden das von Tom Schilling eingelesene "In Stahlgewittern"-Hörbuch (FAZ) und Nicholas Shakespeares "Priscilla - Von Liebe und Überleben in stürmischen Zeiten" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.

Kunst, 19.05.2014

Sehr dankbar ist Christian Geyer in der FAZ der großen Humboldt-Schau in Paris, dass sie der Kehlmann'schen Darstellung Alexander von Humboldts in "Die Vermessung der Welt" als kleinteiliger Positivist ordentlich was entgegen stellt. "Zum einen weil hier gerade die anthropologische Obsession der Humboldts hinter den Einzelbefunden fassbar wird, das, was Alexander und Wilhelm bei aller empirischen Detailtreue als die Öffnung zum 'Ganzen' interessierte ... [Und] weil in der Pariser Synopse das auch nach heutigen Maßstäben beeindruckende networking der Humboldts mit Gelehrten aus aller Welt, ihre wissenschaftsorganisatorische Mammutleistung, so inszeniert wird, dass am Ende nicht der enggeführte Kauz, sondern die 'enzyklopädische Spinne' (Alexander Kluge) steht."

Anlässlich der Verleihung des Roswitha-Haftmann-Preises an Rosemarie Trockel trifft Paulina Szczesniak im Tages-Anzeiger die Künstlerin. Dass ihr Bild "Untitled" am selben Tag für fast fünf Millionen Dollar bei Sotheby's wegging, finde Trockel "absurd", berichtet Szczesniak: "Geld sagt ihr ohnehin nicht viel. Sie lebt wie immer, plus ein, zwei Ateliers und minus die Frage, ob sie es sich leisten kann, diese zu heizen. Und Ehrungen? Sind nur im Hinblick auf die interessant, die sie vor ihr bekommen haben. Dann, wenn man sich eingereiht fühlt mit denen, die man selbst bewundert."

Weitere Artikel: In der taz schreibt Ronald Berg über die in Dessau rekonstruierten Bauhaus-Meisterhäuser (siehe auch unsere Kulturrundschauen vom 16. und 17. Mai). Für die SZ schreibt Gerhard Matzig den Nachruf auf den Architekten Carlo Weber. Im Standard unterhält sich Andrea Schurian mit Nicolaus Schafhausen, dem Direktor der Kunsthalle Wien, über Aufmerksamkeitsstrategien in der Kunst.

Besprochen werden die Ausstellung "No Country for Young Men" mit junger griechischer Kunst im Kulturzentrum Bozar in Brüssel, die ( Presse ), eine Ausstellung von Queen Victorias Fotosammlung im Paul Getty Trust in Los Angeles (FAZ) und die Ausstellung "Menschenschlachthaus" mit Erste-Weltkriegs-Bildern von Dix, Marc, Klee und Kokoschka im Von der Heydt-Museum in Wuppertal (FAZ).

Musik, 19.05.2014

Anlässlich der großen David-Bowie-Ausstellung in Berlin schreibt Kristof Schreuf in der Jungle World ausführlich über die Karriere des Popmusikers. Beim Gedenkkonzert der Berliner Philharmoniker für Claudio Abbado blieb der Stuhl des Dirigenten demonstrativ leer, berichtet Frederik Hanssen im Tagesspiegel.

Besprochen wird die Autobiografie des Dirigenten und Pianisten Sam Zebba ( Tagesspiegel )


9Punkt - Die Debattenrundschau

Internet, 19.05.2014

Eine Woche vor der Europa-Wahl: Der Springer-Verlag und die FAZ setzen ihre schamlose Lobby-Kampagne unter dem Mantel der Berichterstattung und Fürsorge für das Volkswohl fort: Die Bild-Zeitung brachte am Sonntag zweieinhalb Seiten über Google: "Problematisch ist Google auch in politischer Hinsicht. So gehört die Firma und ihre Führungsmannschaft zu den großzügigsten Förderern im Wahlkampf von US-Präsident Barack Obama - was der angeblich mit einer sehr Google-freundlichen Gesetzgebung entlohnt. Auch in anderen Ländern investiert das Unternehmen massiv in Lobbyarbeit", zitiert Markus Beckedahl aus der Bild. Sein Kommentar: "Die Doppelmoral in der Argumentation ist aber kaum zu überbieten, wenn man zum Beispiel im folgenden Absatz einfach Google durch Axel-Springer-Verlag und Obama durch Merkel ersetzt."

In der FAZ malt der Ökonomieprofessor Max Otte unterdessen die zwei großen Teufel an die Wand, die den deutschen Bürger am friedlichen Einschlafen hindern: das Finanzkapital mit seinem Streben nach maximalem Profit und das Netz, das nicht nur Daten sammelt, sondern auch die Öffentlichkeit manipuliere: "Inhalte und Prozesse werden zunehmen auf der Basis von Aufmerksamkeit, Klicks, Werbeeinnahmen und optimierter Benutzerführung gestaltet. Öffentlicher Diskurs findet immer weniger statt. Gedankengänge und Reaktionsmuster werden durch Algorithmen berechnet, vorausgeplant und -gesteuert. Hatten gedrucktes Wort und Radio im Fernsehzeitalter noch für ein Gegengewicht zum Prinzip der Aufmerksamkeitsökonomie gesorgt, so erodieren viele der traditionellen Medien zunehmend und beugen sich der neuen Logik des Netzes. ... Martin Schulz hat eine längst überfällige Debatte angestoßen: Die freiheitlichen Werte Europas, in mehr als 2000-jähriger Geschichte unter unsäglichen Mühen errungen, sind gefährdet."

Der SPD-Politiker Martin Schulz, der am Sonntag Präsident der EU-Kommission werden will, fängt laut Tagesspiegel schon an, sich für die FAZ- und Springerkampagne zu bedanken: "Im Kartellstreit zwischen der EU und Google sollte nach den Worten des SPD-Spitzenkandidaten Martin Schulz (SPD) für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten erst die neue EU-Kommission entscheiden. Die Entscheidung könne 'nicht mehr von einer Kommission getroffen werden, die am Ende ihrer Amtszeit steht', sagte Schulz dem Tagesspiegel. Berichten zufolge verlautete aus Brüssel, dass EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia nach der Sommerpause eine Entscheidung über einen von Google vorgeschlagenen Vergleich fällen wolle."

Unterdessen mauert die Merkel-Gabriel-Regierung weiter gegen die EU-Datenschutzreform, meldet Netzpolitik.

Seit der EuGH-Entscheidung gegen Google (und im Prinzip auch andere Suchmaschinen) häufen sich Anfragen von Personen, die missliebige Aspekte ihrer Vergangenheit vergessen machen wollen, berichtet Syldie Kaufman in Le Monde: "In Großbritannien sind es laut BBC vor allem Menschen, die ihre kriminelle Vergangenheit vergessen machen wollen. Paradoxerweise beginnt das Recht auf Vergessen mit der Erinnerung an die Tatbestände. Und das ist nicht das einzige Paradox dieser Entscheidung des EuGH, die wie ein Blitz in einem bereits arg verdüsterten Himmel einschlug. Die minimalistische Reaktion des Google-Konzerns, der eisig seine 'Enttäuschung' bekannte, täuscht niemanden. Im Hintergrund sind gewiss schon ganze Armadas von Juristen, um eine Antwort zu finden."

Leicht verrückt liest sich ein Kommentar des amerikanischen Germanisten Per Urlaub zum Google-Urteil in der Welt: "Jene Netzaktivisten, die das Urteil des EuGH als Stärkung der Privatrechte des Nutzers feiern, loben gleichzeitig Assange und Snowden für deren Engagement zur Steigerung der Transparenz." Aber: Wo sind die Netzaktivisten, die das Urteil feiern?

Europa, 19.05.2014

Cathrin Kahlweit berichtet in der SZ vom Treffen europäische Intellektueller in Kiew. Auch Abgesandte von der Krim hatten kommen wollen, schreibt sie, aber sie waren auf der Insel geblieben, um der Deportation der Tataren duch Stalin am 18. Mai 1944 zu gedenken: "Nur: Die neue russische Macht, welche die Tataren vor dem März-Referendum noch mit Sirenengesängen und Versprechen von Toleranz, Mitbestimmung und Privilegien umworben hatte, verbot die traditionelle Gedenkfeier zum Jahrestag. Die Tataren gedachten der Deportation daher gezwungenermaßen auf ihren Friedhöfen. Soviel zu Minderheitenschutz und Menschenrechten in Russland." Eine Menge Beiträge und Informationen zu Konferenz finden sich auf der von Eurozine erstellten Website der Veranstaltung.

Sabine Herre ist für die taz noch auf Tour entlang der östlichen Außengrenze der EU, eben dort, wo bald ein neuer Eiserner Vorhang herunterfallen könnte. Letzte Woche war sie im lettischen Daugavpils, heute besucht sie Presov in der Ostslowakei und Iwano-Frankiwsk in der Westukraine: "'Eigentlich sind uns die Probleme in der Ukraine nicht viel näher als die des Nahen Ostens', sagt [Marián Marko, Direktor des ukrainischen Theater von Presov] und fügt dann ein nachdenkliches 'Vielleicht sollte dies ja nicht so sein' hinzu. Genauso sieht dies auch Ján Hanzo, Direktor des Stadttheaters in Presov: 'Ja, wir sind eine multikulturelle Stadt. Doch k. u. k ist Vergangenheit. Heute schauen wir nach Westen.' Und dann sagt er noch etwas, was die Ukrainer jenseits der Grenze ziemlich erschüttern dürfte: 'Für uns waren früher alle Besucher, die aus der Sowjetunion kamen, Russen. Kiew ist für uns genauso weit entfernt wie Berlin.'"

Oleg Orlow, Mitbegründer der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial, war in der Ostukraine unterwegs und erzählt im Interview mit der taz, was er dort gesehen hat. Auf die Frage, was genau Putin in diesem Konflikt eigentlich will, antwortet er: "Die Ukraine destabilisieren. Eine Angliederung von Lugansk und Donezk an Russland wäre für Putin keine ideale Lösung. Sein Hauptziel ist es, die ukrainischen Machthaber zu zwingen, einer Föderalisierung zuzustimmen, die tatsächlich eine Konföderalisierung ist. Er will eine große Enklave an der Grenze zu Russland, die nur noch formal zur Ukraine gehört. In so einer Enklave werden extreme Separatisten das Sagen haben und sie werden die Lage langfristig destabilisieren."

Urheberrecht, 19.05.2014

Europäische Bibliotheken und Archive fordern von der EU eine Refom des Urheberrechts und nennen im wesentlichen drei Kritikpunkte am jetzigen Zustand, die Leonhard Dobusch auf Netzpolitik so zusammenfasst:
- "Während der Urheberrechtsschutz zwingendes Recht ist, sind die Ausnahmenbestimmungen ('Schranken') bloß optional, was zu einem unübersichtlichen Flickwerk an Ausnahmebestimmungen in Europa führt.
- Nationale Schrankenbestimmungen werden in zunehmendem Maße durch Lizenzierungsvorgaben von Rechteinhabern in anderen Ländern zu Lasten von Bibliotheken und Archiven umgangen.
- Die Komplexität der vielen unterschiedlichen Ausnahmebestimmungen erschwert europäische Forschungskooperationen und macht es Bibliotheken und Archiven schwer, ihre Rolle auf legale Weise zu erfüllen."
Das Papier der Bibliotheken findet sich hier als pdf-Dokument.

Politik, 19.05.2014

Natürlich gibt es in Syrien unter den Gegnern Assads viele Islamisten. Kein Wunder, meint der deutsch-syrische Autor Rafik Schami im Interview mit der NZZ: Die liberalen, linken und nichtreligiösen Kräfte wurden gleich nach Ausbruch der Revolution verhaftet. "Hier muss aber auch einmal gesagt sein, dass man stets nur im Zusammenhang mit sunnitischen [von Saudiarabien und Karar unterstützten] Extremisten wie an-Nusra und Isis von 'Jihadisten' spricht, dabei aber mit stupider Gleichgültigkeit die Heere der schiitischen Jihadisten und Militärexperten übersieht, die aufseiten des Regimes kämpfen. Im Gegensatz zu den staatenlosen Verbrechern von Nusra und Isis kommen zwei der wichtigsten, aggressivsten Killer aus Libanon und dem Irak, also aus Ländern, deren heuchlerische Regierungen mit dem Westen verbunden sind".

Es wurde eine geheime Botschaft im Europa-Wahlkampf entschlüsselt, meldet Markus Beckedahl in Netzpolitik.

Religion, 19.05.2014

Der Theologieprofessor Jan-Heiner Tück erklärt in der NZZ nach Lektüre eines Gesprächsbandes mit dem Erzbischof von Buenos Aires Jorge Mario Bergoglio und dem Rabbiner Abraham Skorka, was Papst Franziskus über das Judentum denkt.

Medien, 19.05.2014

Neben der Entlassung der New York Times-Chefredakteurin Jill Abramson (Neues dazu bei Mashable) macht der von Buzzfeed geleakte imposante, aber eigentlich interne "Innovation Report" der Times von sich reden, in dem die Reaktion der Zeitung auf die Digitalisierung fast hundert Seiten lang analysiert wird. Uwe Schmitt liest ihn für die Welt: "Sechsundneunzig Seiten stark ist die vor Tagen Buzzfeed zugespielte Rohfassung der Selbstdiagnose; acht Monate Zeit hatte ein Redakteursteam..., um in internen Interviews wie in Expertisen von Experten eine Art Mayo-Klinik-Untersuchung anzustrengen. Das Ergebnis sollte Pflichtlektüre jedes Journalisten sein." Auch Thomas Küwer resümiert den Report auf Indiskretion Ehrensache.

Hier ist der Bericht: NYT Innovation Report 2014

Weiteres, 19.05.2014

Im Tagesspiegel kritisieren die Berliner Professoren Gabriele Metzler und Martin Heger scharf die ruinöse Bildungspolitik des Berliner Senats. Immer mehr Studenten stünden immer weniger Lehrern gegenüber: "Ein Kollege von uns brachte es auf den Punkt: 'In Berlin schafft man Studienplätze, indem man aufschreibt, dass es sie gibt'." Samuel Herzog verspeist für die NZZ eine Portion Tiger-Fugu. In der FAZ meldet Oliver Tolmein, dass die Hamburger Staatsanwaltschaft Anklage gegen Roger Kusch vom Verein "Sterbehilfe Deutschland" und den Psychiater Johann Friedrich Spittler Anklage wegen Totschlags erhoben hat.



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