Heute in den Feuilletons "Strudelhaftes Accelerando"

Die "Welt" lernt von Prokofjews "Der feurige Engel", wie leicht religiöse Besessenheit in Irrsinn umschlägt. Das Verbot der "Satanischen Verse" in Indien war ein Fehler, räumt laut "Guardian" der damals zuständige Minister ein. Die "Zeit" besteht auf ihrem Recht, Rap zu veralbern.


Efeu - Die Kulturrundschau

Bühne, 01.12.2015

Am Staatsschauspiel Dresden nimmt Volker Lösch mit seiner "Wir sind das Volk" untertitelten Max-Frisch-Inszenierung "Graf Öderland" die Pegida-Bewegung aufs Korn und haut ihnen von der Bühne herab ihre eigenen Zitate und Sprüche um die Ohren. In der taz bezeugt Michael Bartsch "eine fulminante Inszenierung, zu der man sich verhalten muss, die kein bequemes Zurücklehnen auf der 'Reservebank' gestattet. Was ist, wenn die 'Bewegung', wie im Stück, tatsächlich zur Axt greift, der von Pegida schon beschworene Bürgerkrieg ganz Europa erfasste?" In der SZ indes winkt Peter Laudenbach bloß müde ab - und das schon, weil Frischs Stoff, in dem ein Anarchist Amok läuft, sich mit den Pegidisten schlecht in eins bringen lasse: "So schlampig Lösch die Frisch-Passagen serviert, so martialisch geraten ihm die Hass-Chöre - immer im Dienst der Zuspitzung. Common Sense und Differenzierung sind seinem Theater fast so fremd wie den 'Volksverräter' brüllenden Wutbürgern." Auch Mounia Meiborg, für ZeitOnline angereist, lobt eher den guten Willen als die Inszenierung: "Warum werden brachiale politische Parolen so oft mit brachialer Ästhetik beantwortet?"

Wer wissen will, wie leicht sich religiös-sexueller Irrsinn Bahn brechen kann, sollte Barrie Koskys Inszenierung der Prokofjew-Oper "Der feurige Engel" in München sehen, empfiehlt Manuel Brug in der Welt. Kosky "fokussiert seine pausenlose Inszenierung ohne jede Einteilung in sonst fünf Akte und sieben Szenen auf das fatale Pärchen in seinem sich in der Höhe und mit einem roten Theatervorhang verändernden Hotelzimmer (Bühne: Rebecca Ringst). Alle anderen Figuren tauchen da nur als Geisterbahn-Erscheinungen auf. Barrie Kosky verengt so zwar die Vorlage, die durchaus noch ein stummfilmhaftes Mittelalterpanorama entfaltet, aber er spitzt sie in gekonnt strudelhaftem Accelerando zu auf ihren Kern: wie sich einer emotional anstecken lässt von dem Irrsinn einer Frau, von der wir noch nicht einmal wissen, ob sie überhaupt existiert."

Großes Lob von Simon Strauss in der FAZ von "Der Herzerlfresser", dem neuen, nach seiner Uraufführung in Leipzig jetzt in einer Inszenierung von Ronny Jakubaschk in Berlin gezeigten Stück des Nachwuchs-Dramaturgen Ferdinand Schmalz, mit dem man laut Strauss rechnen muss: Denn "Auch wenn der Text durch die theatralische Aufführung manchmal eher gefährdet als gestärkt erscheint. Wenn seine sprachphilosophischen Nuancen im Eifer des performativen Gefechts mitunter verlorengehen und etwa das Pathos des Herbert-Monologs noch allzu ungeschützt losbricht - hier schreibt einer mit großem Talent. Einer, der nicht nur an die Kraft der parabelhaften Erzählung glaubt, sondern auch an die Macht des Manierismus, 'die Dinge aus den Wörtern herauszubrechen'."

Besprochen werden Martina Drostes und Chris Weinheimers am Frankfurter Schauspiel gezeigtes Stück "Frankfurt Babel" ( FR ), Barrie Koskys Münchner Inszenierung von Prokofjews "Der feurige Engel" ("ein aufreizender Mix aus Haltlosigkeiten, Träumen, Bedrohungen und Rätseln", freut sich Reinhard J. Brembeck in der SZ) und ein Frankfurter "Fliegender Holländer" in der Inszenierung von David Bösch, die FAZlerin Eleonore Büning allerdings nicht vollends überzeugen konnte: Sie "ist langweilig, lahm, zahm und teilweise sogar total unlogisch. Aber es wird herrlich gesungen und musiziert!"

Literatur, 01.12.2015

Gestern erzählte Paul Nizon in der NZZ, wie er sich mit 47 Jahren entschloss, von der Schweiz nach Frankreich und in eine neue Sprache auszuwandern. Heute erzählt die bengalisch-amerikanische Autorin Jhumpa Lahiri in einem sehr schönen Text für den New Yorker, wie sie über Jahre versucht hat, Italienisch zu lernen, bis ihre Sehnsucht so groß wird, dass sie beschließt, nach Italien zu ziehen: "In preparation, I decide, six months before our departure, not to read in English anymore. From now on, I pledge to read only in Italian. It seems right, to detach myself from my principal language. I consider it an official renunciation. I'm about to become a linguistic pilgrim to Rome. I believe I have to leave behind something familiar, essential. Suddenly, none of my books are useful. They seem like ordinary objects. The anchor of my creative life disappears, the stars that guided me recede. I see before me a new room, empty. Whenever I can - in my study, on the subway, in bed before going to sleep - I immerse myself in Italian. I enter another land, unexplored, murky. A kind of voluntary exile. Although I'm still in America, I already feel elsewhere. Reading, I feel like a guest, happy but disoriented. Reading, I no longer feel at home."

Der ehemalige indische Finanzminister P Chidambaram hat zugegegeben, dass das Verbot der "Satanischen Verse" in Indien vor 27 Jahren ein Fehler war -. und hat Salman Rushdie zu der per Tweet geäußerten Frage provoziert, wie lange das Verbot noch dauern wird, berichtet Alison Flood im Guardian und schildert Hintergründe: "In his memoir, 'Joseph Anton', Rushdie writes that 'The Satanic Verses' 'was not examined by any properly authorised body, nor was there any semblance of judicial process', before the Indian ban was enacted, and that 'the ban came, improbably enough, from the finance ministry, under section 11 of the Customs Act, which prevented the book from being imported.'"

Eigentlich wollte der ägyptische Dichter Omar Hazek nach seiner Haftentlassung - er war 2013 bei einer Solidaritätskundgebung für die Familie des zu Tode geprügelten Bloggers Khaled Said verhaftet und zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden - auf Einladung des Einladung des PEN-Clubs in Österreich von seinen Erfahrungen im Gefängnis berichten, meldet Astrid Frefel im Standard. Die österreichischen Behörden verweigerten ihm jedoch ein Visum aus Angst, er könne Asyl beantragen. Im Interview zeigt sich PEN-Präsident Josef Haslinger empört, da sich das Ministerium entschuldigt hat, schaut er aber schon weiter: auf die "wirklich wahnsinnigen Dingen, die sich da im Moment in Saudi-Arabien abspielen. Aschraf Fajadh hat die Situation offenbar völlig falsch eingeschätzt, er ist gut vernetzt, hat in der London Modern Tate kuratiert und bei der Biennale. 2013 wurde er für die Veröffentlichung eines Gedichtbands zu vier Jahren Haft und 800 Peitschenhieben verurteilt. Durch den Fall Raif Badawi fühlte er sich bestärkt, in Revision zu gehen, und jetzt wurde aus vier Jahren die Todesstrafe."

Weitere Artikel: In der NZZ liefert Victoria von Schirach Hintergründe zu dem Verlag, den Umberto Eco und einige seiner finanzkräftigen Freunde gegründet haben: "La nave di Teseo (Das Schiff des Theseus) heißt das Boot mit den Abtrünnigen, die sich nicht mit der Fusion der beiden Kolosse des italienischen Verlagswesens, Mondadori und Rizzoli, abfinden können." Bernd Noack berichtet in der FAZ von einem Thomas-Bernhard-Abend, den das Wiener Burgtheater anlässlich des Abschlusses der Bernhard-Werkausgabe ausgerichtet hat. In seinem Hundertvierzehn-Blog bringt der S. Fischer Verlag einen Essay des portugiesischen Schriftstellers Fernando Pessoa.

Besprochen werden Bov Bjergs "Auerhaus" ( Tagesspiegel ), Jens Andersens Astrid-Lind-gren-Biografie ( taz ), Miek Zwamborns "Wir sehen uns am Ende der Welt" (SZ), Jan Koneffkes "Ein Sonntagskind" (FAZ) und eine dem Dichter Paul Verlaine gewidmete Ausstellung in Mons ( SZ ). Außerdem bringt die SZ eine große Literaturbeilage.

Mehr aus dem literarischen Leben in unserem fortlaufend über den Tag aktualisierten Metablog Lit21.

Kunst, 01.12.2015

Besprochen wird eine Ausstellung von Anja Niedringhaus' Kriegsfotografien aus Afghanistan im Willy-Brandt-Haus in Berlin ( Berliner Zeitung ).

Film, 01.12.2015

Für die FR spricht Peter Riesbeck mit dem Regisseur Adil el-Arbi, dessen vor kurzem gestarteter, im Brüsseler Viertel Molenbeek gedrehter Film "Black" durch die Anschläge von Paris nun im Nachhinein zusätzlich aufgeladen wurde. Und Woody Allen wird 80: Im Tagesspiegel gratuliert Peter von Becker, in der SZ David Steinitz und die FAZ-Redakteure bringen auf der ersten Seite des Feuilletons Notizen und Erinnerungen (Arte bringt dazu passend ein ausführliches Porträt). Besprochen wird Paolo Sorrentinos "Ewige Jugend" ( SZ ).

Musik, 01.12.2015

Darf sich Jan Böhmermann für seine aktuelle Musikvideo-Parodie im stilistischen und ästhetischen Repertoire des Straßenraps bedienen? Oder handelt es sich dabei um eine politisch unzulässige Aneignung, wie derzeit viele Rapmagazine schnauben? Unfug, findet David Hugendick auf ZeitOnline, zumal Straßenrap längst schon im Feuilleton angekommen ist und ästhetisch diskutiert wird: "Die humoristische Annäherung ans Objekt [ist] ein durchaus legitimes Mittel der Kunstrezeption. Sie bedeutet nicht, dass zwangsläufig ein Milieu veralbert wird oder, wie im konkreten Fall, diese Musik vom gut situierten Mittelschichtmilieu vereinnahmt und damit ihrem ursprünglichen Habitat entrissen wird. ... Wenn man also die Sprache und Artikulation, wie Haftbefehl sie pflegt, als Kunst anerkennt, bedeutet das ebenfalls, dass sie genauso parodiert werden kann wie etwa Martin Mosebachs großbürgerliches, museales Sprachgetue, das er in seinen Romanen verbreitet." Hier der betreffende Clip:



Vom Straßenrap zu bürgerlicher Indie-Behaglichkeit: In der Spex denkt Kristof Schreuf über das neue Musikvideo von Jochen Distelmeyer nach, der darin ein Stück von Britney Spears covert: Das "klingt bei ihm wie ein Prince-Stück, das unplugged schwitzt. ... Das Ergebnis wirkt wie eine musikalische Kriegsstrategie: Distelmeyer bringt Leute dazu, ihn zu lieben, indem er sie, ästhetisch höchst ansprechend, besiegt. Durch musikalische Wehrlosmacherei. Nicht, dass ich dafür nicht sehr empfänglich wäre."



Besprochen wird die neue Lieferung aus Bob Dylans "Bootleg Series" ( Berliner Zeitung ).


9Punkt - Die Debattenrundschau

Politik, 01.12.2015

Terrorismus und Mafia hängen über Drogen- und Waffenhandel engstens zusammen, schreibt Roberto Saviano, der sich in seiner Kolumne in L'Espresso fragt, wie man Daesh wirtschaftlich schwächen könnte. Syrien bombardieren hilft nicht viel, eher die Parallelwirtschaft zuhause aufräumen, meint er, denn eins ist sicher: "Es gibt keine Guerillatruppe, die nicht durch Drogenhandel finanzeirt ist (Captagon ist für Daesh fast so wichtig wie Erdöl). Es gibt keine Guerillatruppe, die nicht mit organisierter Kriminalität zusammenarbeitet. Es gibt keine Guerillatruppe, die sich nicht mit kriminellen Organisationen bestimmte abgesicherte Routen teilt, über die Drogenhandel, Soldaten und Waffen zirkulieren können."

Dr Kulturwissenschaftlier Nico Stehr stellt unter Klimaforschern eine bedenkliche Tendenz gegen Demokratie fest und konstatiert in der FAZ mit Friedrich Hayek, dass wir es hier mit Fachleuten zu tun haben, "die die Macht fordern zu lenken, weil sie glauben, dass ihre Spezialkenntnisse nur so voll zur Geltung kommen". Recht milde fährt Stehr fort: "Die generell pessimistische Einschätzung der Fähigkeit von demokratischem Regime, mit außergewöhnlichen Umständen fertig zu werden und sie unter Kontrolle zu halten, ist paradoxerweise - und sei es auch nur implizit - mit einer optimistischen Einschätzung des Potenzials von gesellschaftlicher Planung verknüpft." Vielleicht sollte Stehr den Klimaforschern einfach mal eine Reise in den Smog von Peking empfehlen.

Europa, 01.12.2015

Der Belfast High Court hat gestern befunden, dass die Abtrreibungsgesetze von Nordirland gegen die Menschenrechte verstoßen - Abtreibung ist in Nordirland nur nach Vergewaltigung oder bei drastischen Missbildungen der Föten erlaubt. Wer illegale Abtreibungen durchführt ist von Lebenslänglich bedroht. Nach Dem Urtreil, so Emmet Livingstone in Politico.eu ist wohl neue Gesetzgebung erforderlich, um das Urteil umzusetzen. Dies wird allerdings durch die Tatsache kompliziert, dass die wichtigsten politischen Parteien in Nordirland eine Lockerung der Abtreibungsregeln ablehnen. Das Urteil mag auch südlich der Grenze zur Republik Irland von sich reden machen, wo ähnlich restriktive Abtreibungsregeln wohl zu einem Wahlkampfthema werden."

Ideen, 01.12.2015

Zum vierzigsten Todestag von Hannah Arendt graust es Micha Brumlik, wie die Denkerin zur "Schutzheilige für alles, was irgendwie progressiv erscheint" gemacht wird. Nein, sie war eine streitbare und irrende Intellektuelle, mal konservativ, mal revolutionär und mitunter auch mal dichtend: "Recht und Freiheit / Brüder zagt nicht / Vor uns scheint das Morgenrot. / Recht und Freiheit / Brüder wagt es / Morgen schlagen wir den Teufel tot."

Die SZ druckt die Dankesrede Achille Mbembes für den Geschwister-Scholl-Preis ab, in der er mit etwas schrägem Blick auf die Weltlage die Unterdrückung durch Rassismus und Neoliberalismus anprangert: "Darüber hinaus - so meine These - werden die systemischen Risiken und Gefahren, denen einst ausschließlich die schwarzen Sklaven ausgesetzt waren, künftig wenn nicht die Norm, so doch das Schicksal aller untergeordneten Menschengruppen sein, und zwar unabhängig von Lebensraum, Hautfarbe oder Regierungssystem. Was sich bemerkbar macht, das ist eine tendenzielle Universalisierung der conditio nigra, also der Lebensform des 'Negers'. Sie ist womöglich einer der prägendsten Faktoren unserer Zeit."

Gesellschaft, 01.12.2015

Die beiden Islamwissenschaftlerinnen Sabine Damir-Geilsdorf und Leslie Tramontini beschreiben in der NZZ, wie der Islamische Staat Frauen rekrutiert. Depriemierend, von was für einer Propaganda sich Frauen anlocken lassen, um die nächste "Generation Löwen" zu gebären: Zum Beispiel mit den Gedichten der Hofpoetin Ahlam al-Nasr über den Opfertod im Dschihad: "Nein! Sagt nicht: Wir brauchen keinen Dschihad. Denn / es gibt kein gutes Leben, ohne dass wir unser Blut opfern // Was ist ein Leben des Viehs unter der Rute / wenn die Wölfe, o mein Gefährte, mit uns spielen? // Der Dschihad ist unser Leben und unser Heil." Manchmal tut es auch ein Kochrezept: "Ein Post teilt den Leserinnen das Rezept eines einfachen Bohnengerichts mit, das die Verfasserin von ihren Nachbarn bekommen habe. 'Fummelarbeiten' wie das Rüsten der Bohnen würden 'mit vielen Helfer Händen rucky zucky Alhamdulillah' gehen."

"Der Wohnblock selbst ist keine schlechte Architektur", sagen die Architekten Hubert Klumpner und Alfredo Brillembourg in einem spannenden Gespräch mit Laura Weißmüller in der SZ über die Wiederbelebung abgehängter Quartiere: "Die Architektur der französischen Banlieues ist nicht das Problem. Es ist die Illusion, man könne Menschen in ein Ghetto verlegen, wo es keine Arbeit gibt, keine Anbindung ans Zentrum, keine guten Schulen. Le Corbusiers Unité in Marseille funktioniert bis heute fantastisch, weil das Gebäude mitten in der Stadt steht."

In der SZ fordert die Anwältin Seda Basay-Yildiz, dass ihre deutsche Biografie endlich einmal anerkannt wird: "Wenn ich im Ausland gefragt werde, woher ich komme, sage ich: Deutschland. Nie ist mir der Gedanke gekommen, etwas anderes zu antworten. Nur ist mir dieses Gefühl von Deutschland als Heimat in den letzten Jahren in Abrede gestellt worden."

Robert Kaltenbrunner denkt weiter darüber nach, wie die Res publica "den konsumtiven Hedonismus in stadtverträgliche Bahnen" lenken könnte.

Geschichte, 01.12.2015

Die Israelis sollen verdammt nochmal Arabisch lernen, um mit ihren Nachbarn kommunizieren zu können, sagt Menachem Ben-Sasson, der Präsident der Hebräischen Universität Jerusalem, im Gespräch mit Alan Posener in der Welt. Und es gehe dabei auch um jüdisches Erbe, denn "fast alle großen Werke jüdischer Gelehrter zwischen dem siebenten und elften Jahrhundert wurden auf Arabisch geschrieben, darunter selbst Bücher über die hebräische Sprache. Über die biblische Zeit wissen wir wenig. Wann aber gab es eine Zeit, da die Juden unter einer Regierung lebten, den gleichen Gesetzen folgten, eine Sprache sprachen, international miteinander kommunizierten? Das war die Zeit der arabischen Reiche, die von Südfrankreich und Marokko über Süditalien und Sizilien, Nordafrika und den Nahen und Mittleren Osten bis nach Indien reichten."

Ebenfalls in der Welt glossiert Berthold Seewald ironische russische Vorschläge, die Hagia Sophia wieder zur Kirche zu machen, wo es in Istanbul doch gerade Bestrebungen gibt, sie zur Moschee umzuwidmen.

Kulturpolitik, 01.12.2015

Zum Glück gibt es ja nicht nur den Berliner Flughafen, sondern zum Beispiel auch die Sanierung der Kölner Oper, die nicht 270 Millionen Euro kostet, und vielleicht auch nicht 460 Millionen, wie Tim Attenberger im Kölner Stadtanzeiger berichtet. Und die Weidereröffnung? "Bislang steht nur fest, dass zur Saison 2017/2018 nicht im Opernhaus gespielt werden kann. Das heißt aber nicht, dass die Bühnen automatisch 2018/2019 an den Offenbachplatz zurückkehren können."

Medien, 01.12.2015

Anne-Françoise Hivert unterhält sich in Libération mit Flemming Rose, der vor zehn Jahren in Jyllands Posten die Mohammed-Karikaturen herausbrachte und auch über heutige Selbstzensur in den Medien spricht: "Es gibt in Europa ein ungeschriebenes Gesetz gegen Gotteslästerung. Das einzige Medium, das sich dem entgegenstellte, war Charlie Hebdo . Man hat sie dafür umgebracht. Ich fordere von meinen Kollegen nur, dass sie ihre Motive ehrlich benennen. Dass sie ihre Angst eingestehen, dass man sie so weit eingschüchtert hat, dass sie schweigen. Statt zu sagen, dass wir nicht beleidigen dürfen. Jeden Tag werden in Europa beleidigende Dinge publiziert. Der einzige Unterschied ist, dass nicht alle Beleidigten mit Morddrohungen reagieren."

Urheberrecht, 01.12.2015

Peter Mühlbauer startet bei Telepolis eine Serie zu Werken, die ab Januar gemeinfrei werden - dies trifft zu für alle Autoren, die 1945 gestorben sind, und gilt natürlich auch für "Mein Kampf": "Zu nicht kommentierten Ausgaben haben die Justizminister der Bundesländer angekündigt, diese wegen möglicher Volksverhetzung strafrechtlich verfolgen zu lassen. Ob der Tatbestand tatsächlich erfüllt ist, müssen dann Gerichte entscheiden."



© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.