Heute in den Feuilletons Wo ist denn die Totalüberwachung hin?

In der "Welt" erzählt Autor Michael Ziegelwagner, wie seine Kollegen die Idee fanden, den Buchpreis aufzuteilen. Barenboims "Tosca" teilt die Kritiker. Die "FAZ" prophezeit Verschwörungstheorien nach einer Pynchon-Filmadaption.


Efeu - Die Kulturrundschau

Bühne, 06.10.2014

Für die Opernkritik gibt es heute nur ein Thema: Daniel Barenboim hat an der Berliner Staatsoper erstmals Puccini dirigiert, "Tosca", in der Inszenierung von Alvis Hermanis. Die Kritik ist sich weitgehend einig: Große Begeisterung für den Dirigenten und sein Orchester, wenig Lob für die Inszenierung. Beispielhaft dafür schreibt Eleonore Büning in der FAZ: "Selten war [die Musik] so bezwingend wild, so phonstark und zugleich so durchsichtig zu erleben wie diesmal", während sie den Regisseur zeiht, "eine seiner schwächsten Regiearbeiten abgeliefert" zu haben. In der taz hält Nikolaus Hablützel Hermanis' Bildgebung für "perfekt gemacht", aber auch "langweilig": Der Regisseur entziehe sich der Frage, was der Opernkanon uns heute noch zu sagen habe. Doch "was Hermanis in seine Bilderkammer wegschließt, holt Barenboim zurück mitten in die Gegenwart, ist voller Leben, Spannung und Dramatik. Es geht ständig um Extreme, Extreme der Liebe und des Hasses, übersetzt in eine präzise artikulierte und instrumentierte Musik. Puccini konnte wahrlich große Melodien erfinden, aber er schwelgt nicht darin, kein noch so heftiges Gefühl ist ohne Form."

Auch Clemens Haustein von der Berliner Zeitung ist von der Inszenierung wenig begeistert, bei der von Kristine Jurjane gestaltete, an Graphic Novels erinnernde Ikonen das Bühnenbild bestimmen: "Unterhalb davon treten die Sänger auf, sich auf einem schmalen Streifen Bühne bewegend, gekleidet im Stil der Puccini-Zeit, zwischen Möbel und Gerät derselben Epoche, alles filmreal. Tatsächlich treten sie nur auf, denn die Dramatik der Handlung ist allein auf den Bildchen zu ihren Häupten zu sehen. Oben Emotionen, unten Stehtheater." Und auch Barenboim kann in seinen Ohren nur halb bestehen: Der neige dazu, Tempi zu verschleppen und die musikalische Struktur aufzuweichen.

In der Welt kann Manuel Brug dem "Saftschinken" überhaupt nichts abgewinnen. Bei Barenboim "langt es diesmal nur zu gepflegter Langeweile. Mit der nobel aufspielenden Staatskapelle gelangen ihm neben den obligaten Fortissimo-Stellen schöne, bukolische Holzbläsermomente, aber meist lief das alles viel zu langsam und zu distinguiert schön dahin. Dieser 'Tosca' fehlte freilich nicht nur musikalisch die Attacke, das Vollfette, die grelle Farbe."

Im Tagesspiegel beglückwünscht Frederik Hanssen das Haus lakonisch dazu, sich mit dieser Inszenierung einen routinierten Auffüller für jeden künftigen Spielplan ins Repertoire geholt zu haben. In der SZ erklärt Michael Stallknecht, dass Regisseur Hermanis nach der Vorführung auch deshalb heftig ausgebuht wurde, weil sich dessen Arbeiten den Zuschreibungen wie "progressiv" oder "konservativ" entziehen. Von Barenboim hätte er sich unterdessen mehr Kante in Puccinis Musik gewünscht. Dennoch steht am Ende Lob: "Dass ausgerechnet eine 'Tosca' derart feinsinnig daherkommen kann, bleibt ein Theaterkunststück von faszinierender Intelligenz."

Deutlich weniger Zuspruch findet unterdessen Sebastian Hartmanns am Deutschen Theater in Berlin aufgeführte "Woyzeck"-Inszenierung: In der taz findet Katrin Bettina Müller zwar durchaus Gefallen an der "Lust an der Dunkelheit" in diesem Stück. Schwierig findet Christine Wahl vom Tagesspiegel allerdings die "Reduktion auf die Mann-Frau-Konstellation". Und Ulrich Seidler von der Berliner Zeitung hält den Abend für eine Belastungsprobe für Nerven und Geduld.

Weiteres: In der Zeit sorgt sich Dorion Weickmann um Pina Bauschs Erbe. Gerhard R. Koch schreibt in der FAZ den Nachruf auf den Regisseur Juri Ljubimow. Besprochen werden Robert Wilsons Genet-Inszenierung "Die Neger" am Pariser Odéon ( Welt , SZ) und ein "Schinderhannes" am Mainzer Staatstheater (FAZ).

Literatur, 06.10.2014

Vier Wochen lang stand Michael Ziegelwagner, Titanic- und Buchautor, im August 2014 auf der Longlist des Deutschen Buchpreises und war "wichtig", erzählt er in der Welt. Also schrieb er, in der Hoffnung, gehört zu werden, in der FAZ einen Aufruf an seine Kollegen, den Buchpreis zu boykottieren, das Geld einfach vor der Shortlist-Verkündung gleichmäßig aufzuteilen und so "den Buchpreisverleihern zu zeigen, was man als Schöpfer unvergleichlicher Werke von Hierarchien und Konkurrenzdenken hält. (Ich formuliere pathetisch; lesen Sie das Wort 'unvergleichlich' bitte wörtlich.) Die Verleihungszeremonie hätten wir dann schwänzen und stattdessen ein Picknick vor dem Frankfurter Rathaus abhalten können." Die Reaktionen der Kollegen waren allerdings eher niederschmetternd.

Am Samstag verkündete die Welt den diesjährigen Preisträger des "Welt"-Literaturpreises: Haruki Murakami. Dazu druckte sie eine neue Erzählung Murakamis, hier Teil 1, Teil 2. Holger Heimann unterhielt sich mit dem finnischen Autor Kjell Westö über die Unentrinnbarkeit der Geschichte. Und Annett Gröschner las die Moskauer Tagebücher von Christa Wolf.

Vor der Buchmesse in Frankfurt lassen die Feuilletons ihre Kritiker das Gastland Finnland erkunden: Marten Hahn von der Berliner Zeitung besucht dort mehrere Schriftstellerinnen und Schriftsteller, das für Finnlands Literatur essenzielle Netz aus Gemeinde-Bibliotheken und stellt, vor allem nach dem Treffen mit Rosa Liksom fest: "Finnland ist fertig mit Russland! Finnland will Westen sein, mit aller Kraft. Und nicht alle finden das gut."

In der SZ macht Kristina Maidt-Zinke eine Neigung der finnischen Litertaur kenntlich: Sie liest dort "überwiegend solide, realistische Erzählprosa (...), die zwar häufig brisante Themen in Angriff nimmt, sich jedoch stets auch zu ihrer Unterhaltungsabsicht bekennt. Und man wird, bei allen inhaltlichen Unterschieden, eine gewisse stilistische und ästhetische Einheitlichkeit bemerken, so als hätte sich hier eine Tradition des Geschichtenerzählens erhalten, die bei Aleksis Kivis ungeheuer gesprächigen Helden ihren Anfang nahm." Eine Ausnahme bildet dabei allerdings die Literatur der finnisch-schwedischen Minderheit, merkt sie an: Diese neige zum Experiment und zur Lyrik.

Ausländische (und darunter asiatische) Verlage bilden auf der Frankfurter Buchmesse mittlerweile die Mehrheit, beobachtet taz-Literaturkritiker Dirk Knipphals: "Ohne das jetzt schon ganz hoch hängen zu wollen: Hier zeichnet sich eine neue Stufe der Globalisierung ab." Und vor der heutigen Verleihung des Buchpreises nimmt sich Jan Drees im Freitag vierer aus jenen Romanen an, die es von der Longlist nicht auf die Shortlist gepackt haben, aber ebenfalls "absolut preiswürdig sind". Zu den Buchpreis-Favoriten zählt Lutz Seiler, mit dem sich Gerrit Bartels im Tagesspiegel unterhält.

Besprochen werden Gail Dines' Abrechnung mit der Pornografie "Pornland" ( Jungle World ), Albertine Sarrazins Comic "Der Astragal" ( Tagesspiegel ), Hanns Zischlers Erzählung "Das Mädchen mit den Orangenpapieren" ( Tagesspiegel ), Heinrich August Winklers "Geschichte des Westens" ( Zeit ), Bettina Suleimans Debütroman "Auswilderung" ( ZeitOnline ) und das Hörbuch von F. Scott Fitzgeralds und Zelda Fitzgeralds "Wir waren furchtbar gute Schauspieler" (FAZ).

Film, 06.10.2014

Mit Paul Thomas Andersons "Inherent Vice" feierte jüngst die erste Filmadaption eines Pynchon-Romans beim New Yorker Filmfest Weltpremiere, berichtet Patrick Bahners, der für die FAZ ins Kino gegangen ist. Der Film wusste ihm wohl schon zu gefallen, auch wenn ihn die Kürzungen des Originalstoffs teils stutzen ließen: "Dass die von Pynchon 2009 ins Auge gefasste Thematik der Totalüberwachung in der Verfilmung von 2014 entfallen ist, ergibt einen unnatürlichen Mangel, der Ausgangspunkt für Verschwörungstheorien sein könnte." Die ersten Wortmeldungen der amerikanischen Kritik sammelt David Hudson auf Fandor.

Weitere Artikel: Enrico Ippolito unterhält sich in der taz mit dem Schauspieler Clemens Schick und dessen Rolle in dem Film "Paraia do Futuro". In der Welt gratuliert Hans Peter Riegel dem Zurich Film Festival, das - was Budget und Zuschauerzahlen angeht - nach der Berlinale auf den zweiten Rang der Filmfestivals im deutschsprachigen Raum gerückt ist. Daniel Kothenschulte stellt den Ingenieur Herman Schultheis vor, der bei Disney zwischen 1938 und 1941 die Zeichentrickfilme mit vorbereitete und ihre Entstehung dokumentierte. David Steinitz von der SZ rechnet der skurrilen Musikkomödie "Frank", in der Michael Fassbender hinter einer Holzmaske spielt, gute Chancen auf dem VoD-Markt aus, wo das Werk derzeit am Kinomarkt vorbei ausgewertet wird.

Besprochen werden Sabine Gisigers Dokumentarfilm über den Psychotherapeuten Irvin D. Yalom ( Tagesspiegel ) und Phillip Noyce' Science-Fiction-Film "Hüter der Erinnerung" ( Tagesspiegel ).

Kunst, 06.10.2014

Ziemlich lauwarm findet Hanno Rauterberg in der Zeit vom 18.9. die sich bewusst zurückhaltende Kunst des derzeit angesagten Michael Sailstorfer, die derzeit in Berlin im Haus am Waldsee und im Museum Kurhaus Kleve zu sehen ist: Sein Werk "passt perfekt in eine aufgescheuchte Gegenwart, in der weniger das Charakterfeste geschätzt wird als das Wandlungsfähige. ... Seine Kunst ist brachial bekömmlich, auch das macht sie so populär. Und wenn es gar zu peinlich wird und der Künstler sein eigenes Werk am liebsten los wäre, dann hängt er es an einen Sockel aus Beton und versenkt es in der Ostsee oder sonst welchen Gewässern. ... Sollen doch die Fische sehen, was sie damit anfangen können."

"Die architektonische Umsetzung könnte grässlich misslingen", meint Dieter Bartetzko in der FAZ angesichts der Pläne zum Romantikmuseum in Frankfurt und der Erweiterung des Buddenbrookhauses in Lübeck: Beide wuchtigen Bauten könnten ihre Nachbarschaft, darunter das Goethehaus in Frankfurt, architektonisch negieren. Matthias Rüb stellt in der FAZ das in Panama eröffnete, von Frank Gehry gestaltete Museo de la Biodiversidad vor. Besprochen werden eine Courbet-Ausstellung in der Fondation Beyeler in Basel (FAZ) und die Ausstellung "Monet, Gauguin, van Gogh. Inspiration Japan" im Museum Folkwang in Essen (FAZ).

Musik, 06.10.2014

Lady Gaga, Beyoncé, Lana Del Rey: In der Zeit vom 18.9. denkt Marie Schmidt über die feministischen Potenziale der derzeit angesagtesten Frauen im Pop nach - oder welche denen nachgesagt und angehängt werden. Insbesondere Beyoncés großer, aber widersprüchlicher Auftritt unter den großen Bühnenbild-Lettern "Feminist" stimmt sie doch eher skeptisch: Die Künstlerin "verkörpert eben nicht nur die Träume ihres Mannes, sondern sie ist wirklich eine Königin, nämlich die der neoliberalen Arbeitsbienen. Ihre Message ist: Man kann alles haben, alles zugleich, das Glück der Mutterschaft, eine wahnwitzige Sexualität, einen trainierten Körper, sehr viel Geld. Alles ist nur eine Frage des Fleißes und des Investments in den eigenen Marktwert." Ohnehin findet sie die royale Rhetorik für grenzwertig: "

In der Berliner Zeitung plaudert Katja Schwemmers mit Nana Mouskouri.

Besprochen werden eine neue CD des Borusan Istanbul Filarmonic Orchestra ( Tagesspiegel ), das Album "Godforsaken Roads" von Arnaud Rebotini und Black Stroke ("die Addition von Blues und Techno [muss] nicht zwangsläufig ZZ Top ergeben", freut sich Arne Löffel in der FR), ein Auftritt der Libertines ( Tagesspiegel ), ein Konzert von Jon Hopkins und Nils Frahm in Berlin (SZ), ein Konzert der DDR-Altpunks L'Attentat ( taz ), ein Konzert der Abschiedstour von Jan Garbarek und dem Hilliard Ensemble ( FR ) und Kent Naganos Buch "Erwarten Sie Wunder!" ( Welt ).


9Punkt - Die Debattenrundschau

Religion, 06.10.2014

Mit dem ihm eigenen Furor erklärt Hamed Abdel-Samad in der Welt die Friedfertigkeit der Mehrheit der Muslime zu einer reinen Mär und sieht die Islamverbände zum Teil des Problems, nicht der Lösung: "Genau diese Verbände bieten sich als Partner des Staates für Integration und Kampf gegen die Radikalisierung an. Dabei sind sie die letzten, die daran Interesse haben, dass Muslime sich in die deutsche Gesellschaft integrieren. Denn sie leben von der Kluft, die zwischen Muslimen und Andersgläubigen bzw. Nichtgläubigen immer größer wird. Genau in dieser Kluft liegt ihre Existenzberechtigung und ihr Angebot an die Muslime - vom Halal-Fleisch bis hin zum Islamic Banking."

Neulich porträtierte die SZ einen deutschen Kämpfer der IS-Bande (unser Resümee), heute ein ähnliches Porträt eines Franzosen aus Toulouse mit dem Kampfnamen Abu Mariam, in Slate.fr: "Für ihn ist der syrischer Konflikt kein Krieg, sondern ein Mittel, seinen Glauben und seine islamische Ergebenheit zu erproben. Der Dschihad ist der äußerste und reinigende Ausdruck des Glaubens, seine Apotheose sind das Martyrium und die himmlische Belohnung. 'Ich bin nur ein Glied in der Kette der islamischen Eroberung, erklärt Abu Mariam, 'und ich kann es kaum erwarten, um Allahs willen das Paradies zu erreichen. Wir Muslime sind dem Paradies versprochen, denn wir haben das Wort Allahs gehört. Der Islam ist wirklich eine außergewöhnliche Religion."

Die deutschen Kirchen haben zwar immer weniger Mitglieder, aber sie wissen bald nicht mehr, wohin mit ihrem Geld, berichtet Markus Günther im gestrigen Aufmacher der Sonntags-FAZ. Grund ist, dass die Kirchensteuer prozentual an Aufkommen der Lohn-, Einkommen- und Kapitalertragsteuern gebunden ist, die im Moment sprudeln. Besonders stark profitiert etwa das Bistum Münster: "In Münster werden vor allem Rückstellungen für die Ruhestandsbezüge der Priester und kirchlichen Mitarbeiter gebildet. In vielen anderen Bistümern wird auch massiv in Immobilien investiert. Damit Mieteinnahmen eines Tages ausgleichen können, was an Steuereinnahmen fehlen wird." Schön ist, dass das Geld nicht mehr für überflüssiges Gepränge eingesetzt werden muss: "Die stark steigenden Kirchensteuereinnahmen stehen schon jetzt in einem krassen Missverhältnis zum kirchlichen Leben. Auf katholischer Seite sind praktisch alle Sakramente rückläufig: Eucharistiefeier, Taufe, Firmung, Beichte und Ehe sind immer weniger gefragt."

Weiteres: In der heutigen FAZ widerspricht Wolfgang Huber, ehemaliger Ratsvorsitzender der EKD, einem Artikel Friedrich Wilhelm Grafs (unser Resümee), der den Ursprung der religiösen Gewalt in der Religion vermutete.

Politik, 06.10.2014

Hongkongs Studenten haben den Drohungen der Obrigkeit nachgegeben und die Barrikaden in der Innenstadt geräumt. Doch einige Demonstranten harren weiter aus. Felix Lee erklärt in der FR noch einmal, warum eigentlich nur die Jungen gegen Pekings Autoritarismus aufbegehren: "Viele der heute über 50-jährigen Hongkonger waren einst vom Festland nach Hongkong geflüchtet, um dem Elend zu entfliehen, das die ideologischen Kampagnen des Staatsgründers Mao Zedong auf dem Festland angerichtet hatten. Die Flucht der Menschen hatte zwar auch politische Gründe. Doch die meisten flohen aufgrund der extremen Armut. Dieses China kennen die jungen Hongkonger nur aus Erzählungen. Und auch das Hongkong unter britischer Verwaltung haben die meisten nicht mehr miterlebt... Die jungen Hongkonger, von denen viele auch westliche Demokratien kennengelernt haben, sorgen sich um die politische Zukunft ihrer Stadt. Sie fürchten sich vor Peking."

Internet, 06.10.2014

Johannes Boie beschreibt in der SZ, wie die Algorithmen von Facebook den Konformismus fördern beziheungsweise fordern: "Meinungen verstärken sich: Wer konservativ ist, bekommt mehr Konservatismus. Und wer Facebook hasst, erhält mehr Kritik an Facebook. Denn die Zensur erfolgt nicht inhaltlich, sondern individuell. Das macht sie so perfide. Kritik an dem, was schon da ist, wird abgestraft. Duckmäusertum ist hier klüger als Widerspruch."

Weiteres: In ihrer FAZ-Kolumne wendet sich Constanze Kurz gegen "disruptive" Unternehmen wir Uber oder Airbnb, die bewährte Geschäftsmodelle in Gefahr bringen.

Medien, 06.10.2014

Ein ausführliches Psychogramm der FAZ in der Krise liefert Hansjörg Müller in der Basler Zeitung und rückt neben allen Reminiszenzen die Verhältnisse gerade: "Über mehr als 40 Auslandskorrespondenten verfügte die FAZ zu ihren besten Zeiten, das war mehr als die New York Times je hatte und kaum weniger als die NZZ . Aus großen Hauptstädten wie London, Paris oder Rom berichteten jeweils drei Journalisten, einer über Politik, ein zweiter über Wirtschaft, ein dritter für das Feuilleton. Diese Zeiten sind vorbei."

(Via Turi2) Miriam Meckel, neue Chefredakteurin der Wirtschaftswoche mit besten Beziehungen zur ARD, lässt das ZDF aus ihrem Burnout ein Melodram machen, meldet das Hamburger Abendblatt, etwas peinlich berührt: "In der Sendungsankündigung heißt es: 'Schmerzhaft hat sie als kleines Mädchen die liebevolle Zuwendung ihrer Mutter vermisst, die auch heute noch - todkrank - ihrer Tochter gegenüber keine Gefühle zulässt. Zwischen gewöhnungsbedürftigen Gruppentherapien, Schlafentzug und bröckelnder Distanz zu ihren Mitmenschen beginnt Toni, sich wieder selbst zu spüren.'"

Überwachung, 06.10.2014

Nach neuen Enthüllungen der SZ über das Eikonal-Programm von BND und NSA, in dessen Rahmen er BND nach Anzapfung eines Frankfurter Internetknotens auch "nebenbei" deutsche Daten an die NSA lieferte, stellt Lawblogger Thomas Stadler klar: "Der BND darf nach dem § 5 G10-Gesetz nur internationale Telekommunikation überwachen. Das bedeutet, dass sich mindestens ein Kommunikationsteilnehmer im Ausland aufhalten muss. Reine Inlandskommunikation darf der BND nach dem Gesetz erst gar nicht erfassen. Es kommt also überhaupt nicht darauf an, ob ein Kommunikationsteilnehmer deutscher Staatsbürger ist... Vor diesem rechtlichen Hintergrund ist bereits die Überwachung eines inländischen Internetknotenpunkts durch den BND von vornherein unzulässig."

Gute Nachrichten für die Freunde der Totalüberwachung hat Hanno Böck auf Zeit Online: Quantencomputer könnten schon in fünfzehn Jahren Realität sein: "Für die Kryptografie würden Quantencomputer bedeuten, dass alle gängigen Verfahren aus der Public-Key-Kryptografie gebrochen werden könnten. Algorithmen wie RSA, DSA oder auch Verfahren auf Basis elliptischer Kurven wären nicht mehr sicher."

Europa, 06.10.2014

Paul Mason analysiert im Guardian Parallelen (aber auch Unterschiede) zwischen den schottischen und den katalanischen Unabhängigkeitsbestrebungen: "Wie in Schottland geht es in Katalonien um mehr als Nationalismus. Die Unabhängigkeitsbewegungen kleiner Regionen werden von dem Versagen der großen Staaten in der Wirtschaftskrise befeuert. Wo nationale Politik in einem strikten Austeritätskonsens blockiert ist und wo die alten Sozialistischen Parteien richtungslos aussehen, ist es rational, den Widerstand durch die Kanäle des Separatismus und der Autonomie zu leiten."



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