Personalgeschacher CDU soll Wunschkandidaten für ZDF-Landesstudios benannt haben

Die Einflussnahme der CDU beim ZDF geht laut "Welt am Sonntag" weiter als bisher angenommen. Dem Bericht zufolge möchte die Partei nicht nur Chefredakteur Nikolaus Brender loswerden - auch bei weiteren Personalentscheidungen gebe es Druck von Jürgen Rüttgers und Roland Koch.


Hamburg - Dem ZDF droht bei anstehenden Personalentscheidungen laut "Welt am Sonntag" eine größere Beeinflussung durch die CDU als bisher öffentlich bekannt. Nicht nur, dass die Union auf eine Ablösung von Chefredakteur Nikolaus Brender hinarbeitet - dem Bericht zufolge sollen auch weitere Personalentscheidungen in dem öffentlich-rechtlichen Sender dirigiert werden.

Ministerpräsidenten Koch, Rüttgers: Berichte über Einflussnahme beim ZDF
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Ministerpräsidenten Koch, Rüttgers: Berichte über Einflussnahme beim ZDF

Demnach soll der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) versuchen, Michael Krons als neuen Leiter des ZDF-Landesbüros in Nordrhein-Westfalen durchzusetzen. Der jetzige Leiter des ZDF-Landesbüros, Martin Schmuck, verabschiedet sich Mitte des Jahres in den Ruhestand.

Der von Rüttgers favorisierte Krons gilt laut "Welt am Sonntag" als CDU-nah und war auch schon einmal als Regierungssprecher von Rüttgers im Gespräch. Derzeit arbeitet er noch als stellvertretender Redaktionsleiter bei Phoenix. Die Zeitung berichtet, Rüttgers sei bereits bei ZDF-Intendant Markus Schächter vorstellig geworden.

Politische Begehrlichkeiten gibt es dem Bericht zufolge (Überschrift: "Mit dem Zweiten soll man schwärzer sehen") auch bei der Neubesetzung der Leitung des ZDF-Landesstudios in Hessen. Die bisherige Leiterin Anne Reidt wechselt zum "heute journal". Laut "Welt am Sonntag" soll die hessische Staatskanzlei unter Regierungschef Roland Koch (CDU) dem Sender bereits Vorschläge für die Neubesetzung des Postens gemacht haben.

Koch ist im ZDF-Verwaltungsrat auch bei der Ablösung Brenders federführend. Die politischen Querelen um dessen Verbleib im Amt drohen inzwischen Intendant Markus Schächter zu beschädigen, der sich für den ZDF-Chefredakteur einsetzt. In der Führungsebene des Senders befürchtet man nach Informationen des SPIEGEL seinen Rücktritt. Seine letzte Hoffnung ist nun die Sitzung des Fernsehrats in der kommenden Woche. Das Gremium hatte den Intendanten vor gut drei Jahren mit 98 Prozent der Stimmen gewählt und könnte ein klares Signal in Richtung Verwaltungsrat senden, der am 27. März über Brenders - und wohl auch Schächters - Zukunft entscheidet.

Die Union benötigt im ZDF-Verwaltungsrat auch Stimmen von der Partei nahestehenden Vertretern aus dem Fernsehrat. Doch steht diese Gruppe nach SPIEGEL-Informationen offenbar nicht so geschlossen hinter Koch wie bisher vermutet.

wal



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