Künstler Peter Doig Das habe ich nicht gemalt!

Kunstmarkt konfus: Um vor Gericht zu gewinnen, muss der Maler Peter Doig beweisen, dass ein Bild nicht von ihm stammt. Ein Sammler behauptet das Gegenteil.

Bild, um das verhandelt wird
Whitten Sabbatini/ The New York Times/ Redux/ laif

Bild, um das verhandelt wird


Eigentlich geht Kunsthandel ganz einfach. Ein Künstler malt ein Bild, ein Sammler kauft es, hängt es sich ein paar Jahre an die Wand - und verkauft es dann, im besten Fall mit Gewinn, weiter. Schwierig nur, wenn der Künstler behauptet, das Bild nicht gemalt zu haben - so wie der schottische Maler Peter Doig. Als man ihm das Foto eines Gemäldes zeigte, das angeblich von ihm stammt, erkannte er es nicht wieder. "Ein schönes Bild", sagte Doig später in einem Interview, "aber nicht von mir."

Laut New York Times sieht der Besitzer des Bildes die Sache anders. Der Sammler Robert Fletcher hatte vor, das Gemälde für mehrere Millionen zu verkaufen - und verklagt Doig jetzt dafür, dass er sein eigenes Bild verleugnet. Nun muss Doig vor Gericht beweisen, dass er das Bild nie gemalt hat.

Fletcher behauptet, Doig hätte das Bild in den Siebzigern in einem kanadischen Gefängnis geschaffen - er saß dort wegen Besitz von LSD ein. Fletcher, der damals in dem Gefängnis als Bewährungshelfer gearbeitet haben will, behauptet, das Bild für 100 Dollar von einem Mann namens "Peter Doige" gekauft zu haben. Der junge Mann soll an einer Uni in der Nähe Kunst studiert haben und, wie Doig, Schotte gewesen sein. Das Bild, das mit "Peter Doige 76" unterzeichnet ist, habe fünf Jahre in seiner Wohnung gehangen, bis ihn ein Freund darauf hinwies, dass es sich um das Werk eines berühmten Künstlers handle. Robert Fletcher ist "100 Prozent überzeugt", dass Doig der Mann ist, von dem er das Bild gekauft hatte.

Peter Doig hingegen behauptet, 1976 nur 16 oder 17 Jahre alt gewesen zu sein und in Toronto gelebt zu haben. Er habe erst Ende der Siebziger angefangen, auf Leinwand zu malen. "Wenn ich dieses Bild mit 16 gemalt hätte, würde ich es zugeben", sagte er in einem Interview.

Doig und sei Anwalt behaupten zudem, den echten Maler des Bildes ausfindig gemacht zu haben. Es soll sich um einen Mann namens Peter Edward Doige handeln. Er ist 2012 gestorben, seine Schwester behauptet, dass er in Kanada Kunst studiert habe und sich in dem entsprechenden Gefängnis aufgehalten habe. Während der kommenden Verhandlungstage will Peter Doig noch weitere Beweise dafür vorbringen, dass er nicht der Maler des Bildes sein kann.

Peter Doig ist nicht der erste Maler, der behauptet, gewisse Bilder nicht gemalt zu haben. Pablo Picasso behauptete stets, das Bild "La Douleur" nicht gemalt zu haben. Das Metropolitan Museum in New York ist sich allerdings ziemlich sicher, dass es von ihm ist. Der Maler Gilbert Stuart leugnet, der Maler eines Gemäldes von George Washington zu sein, das bis heute im Weißen Haus hängt. Allerdings wurde keiner von beiden verklagt dafür, dass sie sich nicht zu den Bildern bekennen.

Der Ausgang der Verhandlung ist ungewiss. Doch sollte der Sammler Fletcher Recht bekommen, wäre es wohl kein großer Sieg. Ein Gemälde, das von seinem Schöpfer verleugnet wird, könnte auf dem Kunstmarkt nicht viel wert sein.

gia

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spigalli 08.07.2016
1. In der Kunst geht es immer noch etwas doller...
...nicht nur, dass sogenannte Experten in falschen Expertisen falsche Bilder für echt erklären, um den Markt zu stimulieren. Jetzt verklagen sie auch noch den Künstler, dessen angebliche Werke sie hochpushen. Fehlt eigentlich nur noch, dass sie jetzt recht bekommen und Herr Doig anerkennen muss, dass das Bild des Herrn Doige von ihm ist. Dabei ist doch Herr Doige schon tot. Seine Bilder sollte sich doch ohne Widerspruch noch zu Picassos oder Dalis machen lassen....
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