Peter Jennings ist tot Amerikas rasender Reporter

Peter Jennings, vielfach ausgezeichneter Nachrichtenmoderator beim amerikanischen Fernsehsender ABC, ist im Alter von 67 Jahren an Lungenkrebs gestorben. Mehr als 40 Jahre berichtete Jennings von politischen Brennpunkten in aller Welt.


Peter Jennings: Mehr als vier Jahrzehnte moderierte er die Nachrichten bei ABC
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Peter Jennings: Mehr als vier Jahrzehnte moderierte er die Nachrichten bei ABC

Seit 1983 moderierte Peter Jennings die Nachrichtensendung "World News Tonight", seit mehr als 40 Jahren arbeitete er bei "ABC News". Der TV-Journalist versorgte jeden Abend Millionen Amerikaner mit Informationen aus der ganzen Welt und wurde so zum Gesicht der Nachrichten.

Bekannt wurde Jennings, der am 29. Juli 1938 in Toronto geboren wurde und erst vor zwei Jahren die US-Staatsbürgerschaft annahm, besonders durch seine internationale Berichterstattung. Er legte großen Wert darauf, live vom Ort des Geschehens zu berichten. Vielfach wurde er für seine Arbeit ausgezeichnet. Unter anderem gewann er 14 Mal den amerikanischen Fernsehpreis Emmy und zweimal den Peabody Award der University of Georgia für herausragende Leistungen in Radio und Fernsehen. 1989 wurde er in einer Umfrage zum glaubwürdigsten Nachrichtenmoderator Amerikas gewählt.

Bereits im Alter von neun Jahren präsentierte Peter Jennings "Peter's People", ein Radioprogramm für Kinder, das der kanadische Sender CBS ausstrahlte. Zu ABC, wo er zunächst eine 15-minütige Radiosendung moderierte, stieß der Sohn des kanadischen Radio-Vetarans Charles Jennings 1964. Bereits ein Jahr später wurde Jennings mit nur 27 Jahren der jüngste amerikanischen Nachrichten-Moderator. Zwei Jahre später verließ er die Sendung auf eigenen Wunsch, um weitere journalistische Erfahrungen zu sammeln.

Als Auslandskorrespondent arbeitet er zunächst in Rom. Er baute das erste Büro eines amerikanischen Senders im Nahen Osten auf und arbeitete sieben Jahre als Studioleiter in Beirut im Libanon. 1972 berichtete er über die Anschläge auf die Olympischen Spiele in München. Nachdem er sich einen Ruf als Weltklasse-Journalist erarbeitet hat, kehrt Jennings als Moderator der Sendung "AM America", dem Vorläufer der legendären Show "Good Morning America", zurück in die USA.

Reporter Jennings: "Es gibt keine absolute Wahrheit in der Welt"
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Reporter Jennings: "Es gibt keine absolute Wahrheit in der Welt"

Seine Expertise als Journalist im Nahen Osten zahlt sich für Jennings aus. Er ist zugegen, als Ägypten und Israel 1977 Frieden schließen und führt ein Jahr später als erster US-Reporter ein Interview mit dem in Paris im Exil lebenden Ajatollah Chomeini. Als Chomeini in Iran an die Macht kommt, ist Jennings wiederum der erste Reporter, der ihn auf seinem Flug zurück in Iran begleiten darf.

Am 10. Juli 1978 wird die erste Ausgabe der Nachrichtensendung "ABC World News Tonight" ausgestrahlt. Jennings berichtet als Reporter über Ereignisse aus der ganzen Welt, bis er 1983 leitender Nachrichtenmoderator wird. In den achtziger Jahren begleitet Jennings intensiv den Umbruch in der Sowjetunion und den Fall der Berliner Mauer. Er berichtet 1989 live tagelang aus Berlin, wo er als Korrespondent bereits knapp 30 Jahre zuvor den Bau der Mauer für das amerikanische Fernsehen kommentiert hat.

Gerüchte über Jennings Gesundheitszustand entstanden erstmals, als er im vergangenen Dezember als einer der wenigen amerikanischen Nachrichtenmoderatoren nicht live aus Asien über den Tsunami berichtete. Jennings war an Lungenkrebs erkrankt.

Am 5. April dieses Jahres hatte sich Jennings schließlich mit heiserer Stimme an seine Zuschauer gewandt und erklärt: "Von dem Moment der Diagnose kämpfen wir ums Überleben, sagt das Institut für Krebsforschung. Ich werde die Nachrichten auch weiterhin moderieren. In guten Tagen wird sich meine Stimme besser anhören als heute." Er sei sehr dankbar für die große Loyalität seiner Zuschauer. In einem Brief schrieb er: "Rund zehn Millionen Amerikaner leben mit der Diagnose Krebs. Ich bin mir sicher, dass ich von ihnen lernen werde, mit dieser unvorhergesehenen Nachricht umzugehen."

Jennings hatte bereits Ende der achtziger Jahre das Rauchen aufgegeben. Es sei ihm sehr schwer gefallen, nicht mehr zur Zigarette zu greifen, berichteten Kollegen. Jennings habe sogar versucht, mit Hilfe eines Hypnotiseurs seine Sucht zu überwinden. Rund zehn Jahre blieb er seinem Vorsatz treu, nicht zu rauchen - bis zu den Anschlägen vom 11. September.

In einer Stellungnahme der Familie des Journalisten heißt es: "Peter starb im Kreis seiner Familie, ohne Schmerzen und in Frieden. Er wusste, dass er ein erfülltes, gutes Leben gehabt hat." Der Chefredakteur von ABC News, Dave Westin, schrieb an die Mitarbeiter des Senders: "In mehr als vier Jahrzehnten war Peter unser Kollege, unser Freund und ein Vorbild in vielerlei Hinsicht. Er wird uns sehr fehlen." Auch die langjährigen ABC-Journalistinnen Barbara Walters und Diane Sawyer würdigten ihren Kollegen. "Wir alle hatten wundervolle Momente mit Peter. Ich kenne niemanden, der die Zuschauer mit einer solchen Autorität fesselte, wie ihn", sagte Barbara Walters. Diane Sawyer hob die Genauigkeit und Fairness Jennigs hervor: "Er sagte immer: Es gibt keine absolute Wahrheit in der Welt."



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