Deutscher Modefotograf Peter Lindbergh ist tot

Er machte Modelle zu Ikonen und läutete die Ära der Supermodels ein: Peter Lindbergh, Starfotograf der internationalen Modewelt, ist im Alter von 74 Jahren gestorben.

Gisela Schober/ Getty Images

Der deutsche Starfotograf Peter Lindbergh ist tot: Er starb mit 74 Jahren, wie seine Familie am Mittwoch in Frankreich mitteilte. Er galt als einer der einflussreichsten Modefotografen der vergangenen 40 Jahre. Lindbergh arbeitete für berühmte Modeschöpfer wie Jean-Paul Gaultier und Giorgio Armani sowie für internationale Magazine und prägte die Modefotografie mit seinen markanten Schwarzweißbildern. Seine Werke waren in zahlreichen Ausstellungen zu sehen, darunter zuletzt in Paris, München und Düsseldorf.

Mit seinem Bild von sechs späteren Supermodels in Herrenhemden, das 1988 in der "Vogue" erschien, schrieb Lindbergh Fotografiegeschichte. Der Fotograf schaute hinter die Fassade seiner abzulichtenden Models ebenso wie seiner anderen Motive. "Mich interessierten Frauen, die selbst etwas zu sagen haben und Selbstbestimmung ausstrahlen", sagte Lindbergh.

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Poren, Falten, Sommersprossen: Der Stil von Peter Lindbergh

Lindbergh wurde als Peter Brodbeck 1944 in Lissa im heutigen Polen geboren und wuchs mit zwei Geschwistern in Duisburg auf. Mit 18 Jahren zog er kurzzeitig nach Luzern, dann nach Berlin und belegte Abendkurse an der Kunstakademie. In Krefeld studierte er Malerei, bevor er sich 1971 auf die Fotografie konzentrierte. Ab 1978 arbeitete Lindbergh in Paris für die "Vogue", bald auch für "The New Yorker", "Vanity Fair" und den "Rolling Stone." 1988 holte ihn Anna Wintour zur amerikanischen "Vogue" und ließ ihn das Cover ihrer ersten Ausgabe als Chefredakteurin fotografieren.

Besonders berühmt wurde Lindbergh für das Cover der britischen "Vogue" im Jahre 1990, für das er Linda Evangelista, Naomi Campbell, Tatjana Patitz, Cindy Crawford und Christy Turlington für ein Bild in den Straßen von New York zusammenbrachte.

Eine Einstellung, eine Haltung sei es, die einen guten Fotografen ausmache, sagte Lindbergh einst über seine Arbeit. "Selbst Modefotografen - auch wenn man es nicht annehmen sollte - haben eine Form von Verantwortung." Die heutige Darstellung von Frauen in Medien prangerte er darum an: "Es ist heute so vor den Hund gegangen, wie Frauen in Magazinen aussehen", sagte er. Das liege an Bildbearbeitungsprogrammen wie Photoshop, die alle Hinweise auf ein gelebtes Leben auslöschen könnten.

Im Mai erschien sein Dokumentarfilm "Peter Lindbergh - Women's Stories" von Jean-Michel Vecchiet. "Ich habe über die Jahre noch mehr erkannt, dass Schönheit nichts mit Jugend zu tun hat", sagte er im Interview mit SPIEGEL ONLINE. "Einen echten Menschen, der sein ganzes Leben im Gesicht trägt, vor sich sitzen zu haben, ist toll. Und selten."

cpa/dpa/AFP



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