Nach Rücktritt des Direktors des Jüdischen Museums Jüdische Gelehrte stützen Peter Schäfer

Wegen eines Tweets ist der Direktor des Jüdischen Museums in Berlin zurückgetreten. Nun setzen sich rund 45 jüdische Gelehrte aus Israel, Europa und den USA in einem gemeinsamen Brief für Peter Schäfer ein.

Der Direktor des Jüdischen Museums Berlin, Peter Schäfer
Wolfgang Kumm/ DPA

Der Direktor des Jüdischen Museums Berlin, Peter Schäfer


In einem gemeinsamen Brief stärken rund 45 jüdische Gelehrte aus Israel, Europa und den USA dem Direktor des Jüdischen Museums in Berlin den Rücken. Die Behauptung sei schockierend, Peter Schäfer setze sich nicht für die jüdische Sache und den Kampf gegen Antisemitismus ein. Schäfer war in der vergangenen Woche wegen eines Tweets des Museums mit einer Leseempfehlung zur israelkritischen Bewegung BDS (Boykott, Desinvestitionen, Sanktionen) zurückgetreten.

Schäfer habe sich während seiner Karriere unter anderem der "Förderung des Verständnisses von Juden und dem Judentum verschrieben", bekunden die Unterzeichner des Briefs. Mitorganisator Ishay Rosen Zvi, Leiter der Talmud-Abteilung an der Tel Aviv Universität, bestätigte die Existenz des Schreibens. Darin heißt es weiter: "Wir sind zutiefst besorgt über die zunehmende Zensur der Meinungsfreiheit und die abnehmende Möglichkeit, Regierungspolitik zu kritisieren oder auch nur in Frage zu stellen."

Auslöser für den Rücktritt des emeritierten Judaistik-Professors Schäfer, 75, war ein auf Twitter empfohlener "taz"-Artikel, der unter dem Titel "240 Akademiker gegen BDS-Votum" erschienen war. Darin hatten jüdische und israelische Wissenschaftler kritisiert, dass der Bundestag BDS als antisemitisch eingestuft hatte. In seinem Tweet hatte das Jüdische Museum die Grundaussage dieser Wissenschaftler ("Der Beschluss der Parlamentarier hilft im Kampf gegen Antisemitismus nicht weiter") nicht mit Anführungszeichen versehen und sie sich damit scheinbar zu eigen gemacht.

Auf Twitter und durch den Zentralrat der Juden hatte es daraufhin vielfach Kritik am Jüdischen Museum gegeben. "Der Tweet war als Diskussionsbeitrag gemeint, so: 'Lest das mal, das ist interessant'", sagte Schäfer in einem Interview mit dem SPIEGEL.

evh/dpa



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