Peter Schäfer zieht Konsequenzen Direktor der Stiftung Jüdisches Museum Berlin tritt zurück

Via Twitter empfahl das Jüdische Museum Berlin einen israelkritischen Artikel - und wurde dafür selbst scharf kritisiert. Nun räumt sein Leiter Peter Schäfer den Posten.

Der Direktor der Stiftung Jüdisches Museum Berlin: Peter Schäfer ist zurückgetreten
Wolfgang Kumm/ DPA

Der Direktor der Stiftung Jüdisches Museum Berlin: Peter Schäfer ist zurückgetreten


Der Direktor der Stiftung Jüdisches Museum Berlin (JMB), Peter Schäfer, ist zurückgetreten. Der 75-Jährige habe Kulturstaatsministerin Monika Grütters seinen Rücktritt angeboten, "um weiteren Schaden vom Jüdischen Museum Berlin abzuwenden", teilte das Museum am Abend mit.

Grütters erklärte, sie respektiere die Entscheidung. "Alle Verantwortlichen müssen dazu beitragen, dass sich das Jüdische Museum Berlin wieder auf seine inhaltlich wichtige Arbeit konzentrieren kann", sagte sie. Die Leitung übernehme der Geschäftsführende Direktor Martin Michaelis, bis ein Nachfolger gefunden sei.

Um das Museum hatte es in den vergangenen Monaten politische Turbulenzen gegeben. Im Raum stand etwa der Vorwurf, es werde in einer Ausstellung über Jerusalem vor allem die palästinensische Haltung zu der umstrittenen Stadt dargestellt.

Die neue Dauerausstellung und das geplante Kindermuseum sollen im Mai 2020 eröffnen. Das JMB ist eines der größten jüdischen Museen Europas. Pro Jahr kommen rund 650.000 Besucher.

"Der Tweet war als Diskussionsbeitrag gemeint"

Ein mit dem Hashtag #mustread versehener Link auf einen "taz"-Artikel hatte für einen außergewöhnlich scharfen Angriff des Zentralrats der Juden auf das JMB gesorgt. Am 6. Juni hatte das Museum auf seinem Twitteraccount einen Text zur Lektüre empfohlen, der am Tag zuvor unter dem Titel "240 Akademiker gegen BDS-Votum" in der "taz" erschienen war.

In seinem Tweet hatte das Jüdische Museum die Grundaussage dieser Wissenschaftler ("Der Beschluss der Parlamentarier hilft im Kampf gegen Antisemitismus nicht weiter") nicht mit Anführungszeichen versehen und sie sich damit scheinbar zu eigen gemacht. Auf Twitter hatte es daraufhin vielfach Kritik am Jüdischen Museum gehagelt. "Dem JMB ist nicht zu helfen. Nicht Wissenschaft ist dort zu Hause, sondern Ideologie. Ihr habt echt ein Problem mit dem jüdischen Staat", hieß es dort unter anderem.

"Der Tweet war als Diskussionsbeitrag gemeint, so: 'Lest das mal, das ist interessant'", sagte Schäfer in einem Interview mit dem SPIEGEL. "Ich will nicht ausschließen, dass er auch anders gelesen werden kann, so: 'Das ist unsere Meinung.' Wir hätten den fraglichen Satz, 'das hilft nicht weiter', in Anführungszeichen setzen sollen. Oder in den Konjunktiv, 'helfe'. Wenn ich den Tweet vorher gesehen hätte, hätte ich allein schon darauf hingewiesen. Dass man es so verstehen kann, finde ich im allerhöchsten Maße unglücklich und absolut nicht im Sinne oder Interesse des Jüdischen Museums Berlin."

wit/dpa

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