Pirelli Die Pin-ups der Annie Leibovitz

Der Pirelli-Kalender ist eine Galerie der schönsten Frauen der Welt. Die Pin-ups für das Jahr 2000 fotografierte Annie Leibovitz. Ihre Bilder zeigen Frauenkörper der anderen Art. Ihr einziges prominentes Modell ist Laetitia Casta.


Verträumte Laetitia Casta im Juni
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Verträumte Laetitia Casta im Juni

Aufregend und verführerisch, verwirrend und reizvoll waren in den letzten 35 Jahren die Frauen der Pirelli-Kalender. Die Fotografen wie die Aktmodells wurden immer prominenter, zuletzt enthüllten sich Eva Herzigova für Peter Lindbergh, Stella Tennant für Bruce Weber und Cindy Crawford für Richard Avedon. So wurde der unverkäufliche Pirelli-Kalender zum Fetisch der Männer und zur Busenstrecke für die Vorstandsetagen. Im Jahr 2000 wird alles anders: Die New Yorker Portraitfotografin Annie Leibovitz bekam den Auftrag für das Erotikwerk.

Annie Leibovitz als Fotografin von Pin-ups? Leibovitz, 50, hat bevorzugt mit starken Frauenpersönlichkeiten gearbeitet: mit Susan Sontag in Sarajevo, mit Hillary Clinton, die sie am Schreibtisch auf der Terrasse des Weißen Hauses portraitierte und Demie Moore, die sie schwanger aufs Titelbild von Vanity Fair brachte. Sie portraitierte Minenarbeiterinnen, Astronautinnen und die gealterte Vom-Winde-Verweht-Hauptdarstellerin Olivia de Havilland und setzte Whoopi Goldberg in eine Badewanne voller Milch. Auch Sport und Körperkult hat sie schon einmal thematisiert. Damals steckte sie Carl Lewis, den Jahrhundert-Sprinter, in knallrote High-Heels. Das war für eine Pirelli-Werbekampagne, und damals muss der Reifenhersteller Gefallen an ihrer etwas anderen Portraitkunst gefunden haben.

Klassischer Po: Tänzerin June Omara, Februar
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Klassischer Po: Tänzerin June Omara, Februar

Natürlich hat Leibovitz das Thema des Kalenders begriffen. Während ihre Vorgänger die Modelle mitunter in sexy Wäsche steckten, zeigt sie die ihren ohne jedes Accessoire. Sogar die Gesichter hat Leibovitz häufig weggelassen, ihre Pin-ups sind reduziert auf nackte Körperdetails. Beine, Busen, Po. Aber die Fotos sind nicht sexy, sie leben nicht von schönen Körpern und erotischer Spannung. Es sind intime Momente entspannter Frauen. Meditativ statt aufreizend.

Von Balletttänzerinnen, einer Hürdenläuferin und von Laetitia Casta, die der einzige Star ist in Leibovitz' Galerie. Das sudanesische Model Alek Wek steht da wie eine dunkel schimmernde Statue. Die Arme sind hochgestreckt, zu sehen sind der Po und der flache Busen, die Beine sind nicht mehr im Bild.

Es scheint, als wolle die Fotografin dem Betrachter Gelassenheit mitgeben ins gehypte Jahr 2000. Die hingegossenen Leiber, die entspannten Beine und die skulpturalen Oberkörper verströmen die Stimmung antiker Werke und alter Maler. Eine minimalisierte Sinnlichkeit, nicht mehr für die Autowerkstatt, sondern für Bilderrahmen.

bek

Bildergalerie: Der Pirelli 2000 in Auszügen



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