Plasberg-Talk zur SPD Wenn Franz, Wolfgang und Oskar eine Runde kloppen gehen

Hat die SPD jetzt doch noch eine Siegchance? In Plasbergs ARD-Talk rangen die Gäste verkrampft um eine Antwort. Münteferings einziger offener Gegner an der Parteispitze enthüllte, wieso er gegen den künftigen Chef gestimmt hat - und Schäuble und Lafontaine witzelten gemeinsam über Skatpartien.

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In der Schlussrunde zündet Wolfgang Schäuble den Gag des Abends. Frage Frank Plasberg: "Wen würden Sie zu einem zünftigen Skat bei Franz Müntefering einladen?" Der Innenminister antwortet trocken: "Lafontaine. Der würde Müntefering am meisten reizen." Da biegt sich selbst der streitlustige Linkspartei-Chef vor Lachen.

Talkgäste Schreiner, Lafontaine: "Spannende Skatkombinationen"
WDR

Talkgäste Schreiner, Lafontaine: "Spannende Skatkombinationen"

Irgendwie ist die Schlussrunde doch das Beste bei "Hart aber fair". Egal, wie langweilig die Diskussion wieder mal war - am Ende gibt es immer was zum Lachen, und sei es nur übers Skatkloppen. Ein zuvor übel gelaunter Schäuble entwickelt sich plötzlich zum Possenreißer.

Auch Plasberg wirkt erleichtert über den erfreulichen Abgang. "Wir haben heute spannende Skatkombinationen erfahren", sagt er zum Abschied, offenbar bei vollem Bewusstein, dass dies der Höhepunkt seines Talk-Abends war. Dabei war das Thema so verheißungsvoll formuliert: "Die SPD am Abgrund – was bringt der Schritt nach vorn?" Den Absturz, möchte man angesichts dieser Fragestellung folgern, doch ganz so gemeint war es wohl nicht.

"Darf ich noch einmal an meine Frage erinnern?"

Der ARD-Talker kündigte seine Gäste als Menschen "mit heißen Herzen" an - die Formulierung hatte Müntefering in der vergangenen Woche gebraucht, noch vor dem Umsturz-Wochenende der SPD. Tatsächlich blieb die Debatte dann lange ziemlich kalt. Plasberg war unzufrieden mit den Antworten seiner Gäste: Schäuble will Beck nicht mit Kohl vergleichen, Lafontaine will nichts von seinem eigenen Putsch 1995 erzählen, und irgendwie mag keiner so recht auf Plasberg eingehen. Ungewöhnlich genervt beugt sich der sonst so ausgeglichene Moderator vor und sagt mit drohendem Unterton Sätze wie: "Darf ich noch einmal an meine Frage erinnern?" Oder: "Haben Sie meine Frage verstanden? Warum weichen Sie dann aus?"

Fast tut er einem ein wenig leid, wie er sich abmüht und die Polit-Profis ihn abblitzen lassen. Zuvorderst natürlich Lafontaine und Schäuble. Beide wirken derart selbstgefällig, dass eine Diskussion kaum zustande kommt.

Indes – ein wenig surreal wirkt es dann doch, wie Schäuble den Führungsstil von Helmut Kohl beschreibt.

Er habe lange Zeit eng und gut mit ihm zusammengearbeitet. Auseinandersetzungen seien doch normal und kämen schließlich "überall" vor. Dabei ist bekannt, dass das Verhältnis des ehemaligen Kronprinzen zum Altkanzler zerrüttet ist. Als dieser in der Parteikrise 2000 die Namen der Spender nicht nennen wollte, brach Schäuble mit dem Pfälzer. Er habe in seinem Leben "viel zu viel Zeit" mit ihm verbracht und es werde "keine Minute mehr geben", schleuderte er ihm damals entgegen.

Davon aber will er bei Plasberg ebenso wenig erzählen wie Lafontaine vom Mannheimer Parteitag 1995. Dort stürzte er mit einer einzigen furiosen Rede den Parteichef Rudolf Scharping. Reden will Lafontaine lieber – wieder mal – über seinen Abschied von der SPD. Es werden Phrasen gedroschen, dass es nur so knallt. Es gehe um Inhalte, man müsse doch endlich mal die Wünsche der Menschen respektieren, und überhaupt seien innerparteiliche Führungswechsel ein ganz normaler Vorgang.

Münteferings Führungsstil "zu autoritär"

Plasberg ist frustriert. Dabei hat er immerhin einen Gast in der Runde, der mit offenem Visier diskutieren will: Ottmar Schreiner, Chef der Arbeitnehmer-AG in der SPD. Offen beantwortet er die Frage, warum er im Parteivorstand gegen Müntefering gestimmt habe. Als Einziger.

Erstens sei ihm der Führungsstil "zu autoritär", es gebe "zu wenig Raum für Diskussionen". Und zweitens stehe der alte und neue Parteichef für politische Projekte, die Arbeitnehmer "deutlich schlechter gestellt" hätten. Er sei verantwortlich für "zentrale Fehlentwicklungen" im Rahmen von Agenda 2010 und Rente mit 67 und habe der SPD "massiv geschadet".

Lafontaine nickt. Er hofft darauf, mit Schreiner im kommenden Jahr eine rot-rote Koalition im Saarland zu bilden.

Nicht fehlen darf die tragische Figur dieser Sendung - Kurt Beck. Während Schreiner und Genosse Dieter Wiefelspütz Mitleid mit dem geschassten Parteichef bekunden, zeigt sich Michael Jürgs unbarmherzig. Der ehemalige "Stern"-Chefredakteur sagt, Beck habe sich mit seinem Nachtreten wie ein beleidigtes Kind verhalten. Wenn er die "zweite Reihe der SPD" für seinen Rücktritt verantwortlich mache, könne das nur zweierlei bedeuten: Entweder habe die zweite Reihe bei den Sozialdemokraten zu viel Macht. Oder Beck habe nie verstanden, wie Politik in Berlin funktioniere.

Interessant, dass Steinmeier kaum eine Rolle spielt in dieser Sendung. Der Kanzlerkandidat ist tabu.

Stattdessen geht es um Fragen wie: Hat Merkel in Moskau studiert? Oder: Sind die CDU-Ministerpräsidenten Althaus und Tillich Altkommunisten? Was das alles genau mit der SPD am Abgrund zu tun hat, bleibt offen; Lafontaine jedenfalls bejaht beides. Im Gegenzug wird er von Schäuble als Demagoge beschimpft. Tatsächlich wird die Auseinandersetzung in ihrer zweiten Hälfte etwas hitziger.

Nur Spannung kommt nicht auf. Vielleicht hätte ein aggressiverer SPD-Gegner der Sendung gut getan, Roland Koch vielleicht, doch so bleibt alleine die Schlussrunde im Gedächtnis.

Auch Lafontaine entscheidet sich hier übrigens für Schäuble als Skatkumpel. Begründung: Das würde Müntefering überraschen.



insgesamt 55 Beiträge
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Seite 1
Foul Breitner 11.09.2008
1. Ja
endlich mal nicht paritätisch besetzt. Gebracht hat es nichts.
Oskar ist der Beste 11.09.2008
2. Gaehn
tja warum auch hier der SPON so zynisch diese Diskussion beschreibt, nur Mohn weiß es wohl: Immerhin finde ich es beachtenswert, wenn ein Politiker nicht über die verletzten Gefühle von eitlen Politikclowns wie Scharping reden will, sondern über "Inhalte (wie Lafontaine) Warum Schaeuble allerdings Lafontaine als Demagoge bezeichnet, ist mir nicht ersichtlich geworden. Und Steinmeier ist vielleicht auch deshalb "tabu", weil außer dem SPON eh niemand etwas Bedeutendes von diesem Herrn erwartet. Da helfen auch keine Stories aus dessen Jugend, ein Thema, dass eh niemanden interessiert. Was mich bei den neoliberalen Medien und Politikern immer wieder erstaunt und eigentlich auch erschüttert, ist die Tatsache, dass man sich mit aller Gewalt gegen inhaltliche Diskussionen stemmt und lieber irgendwelchen gefühlten Quatsch ablässt. Und die Fragen von Plasberg sind leider wie immer oberflächlich gewesen, auch diesem "Journalisten" fehlt offensichtlich jedwede intellektuelle Fähigkeit.
Muschelkutscher 11.09.2008
3. Zuhören
Seltsam, das augerechnet der Schäuble als der schlagfertige Witzbold wegkommt, während Oskar nur im Schlußsatz erwähnt wird und das obwohl die Frage an ihn als zweiten nach Ottmar Schreiner gestellt wurde. Weiterhin fällt mir auf, das die vermeitlich spitzen Nägel für Oskar Lafontaine keine Köpfe hatten, oder Herr Plasberg kann nicht "nageln"? Die Versuche ihn hier überführen zu können waren schlecht vorbereitet, die Recherche schwach und die Ausführung schlichtweg plumb. Mein Rat an die Medienleute: zuhören und vor Inbetriebnahme des Mundwerks, Gehirn einschalten!
Taubenus 11.09.2008
4. Gelaber...
Zitat von sysopHat die SPD jetzt doch noch eine Siegchance? In Plasbergs ARD-Talk rangen die Gäste verkrampft um eine Antwort. Münteferings einziger offener Gegner an der Parteispitze enthüllte, wieso er gegen den künftigen Chef gestimmt hat - und Schäuble und Lafontaine witzelten gemeinsam über Skatpartien. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,577569,00.html
Vorgestern Frau Maischberger, gestern Plasberg,- und wieder beweißt die ARD einmal mehr, wie sinnlos und effektiv sie meine Gebühren verbraten kann. Am lustigstens und am aufschlußreichsten fand ich noch Lafontaine, der als Quelle seines Wissens WIKIPEDIA angab ("Merkel hat in Moskau studiert"). Was soll dieses endlose, schier nicht enden wollende Wochengelaber(Kerner, Plasberg, Illner, Maischberger...) bei den Öffentlich-Rechtlichen? Gibt es nicht irgendwo noch einen netten Spielfilm oder eine interessante Doku im Archiv? Na ja, ich benutze diese Labersendungen immer als Einschlafhilfe. Klappt eigentlich immer recht gut. Ich, Anfang 30, fühle mich dann wie das Stammpublikum der ARD/ZDF (70+?), wenn ich so um 22.00 Uhr dahinschlummere...
Kunibaer 11.09.2008
5. Oscarpedia
Zitat von TaubenusVorgestern Frau Maischberger, gestern Plasberg,- und wieder beweißt die ARD einmal mehr, wie sinnlos und effektiv sie meine Gebühren verbraten kann. Am lustigstens und am aufschlußreichsten fand ich noch Lafontaine, der als Quelle seines Wissens WIKIPEDIA angab ("Merkel hat in Moskau studiert"). Was soll dieses endlose, schier nicht enden wollende Wochengelaber(Kerner, Plasberg, Illner, Maischberger...) bei den Öffentlich-Rechtlichen? Gibt es nicht irgendwo noch einen netten Spielfilm oder eine interessante Doku im Archiv? Na ja, ich benutze diese Labersendungen immer als Einschlafhilfe. Klappt eigentlich immer recht gut. Ich, Anfang 30, fühle mich dann wie das Stammpublikum der ARD/ZDF (70+?), wenn ich so um 22.00 Uhr dahinschlummere...
Guten Morgen, Genau, das war der Moment, in dem ich fast vom Stuhl gefallen bin. Und das habe ich in dem Artikel auch vermisst, insofern muss ich den Kritikern recht geben: Drei Sätze mehr über Lafontaine häten ruhig sein dürfen. Nämlich, auf welche Quellen er sein Wissen und seine Theorien stützt. Sagt ne Menge darüber aus, wie glaubwürdig dieser Demagoge ist...
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