Streit über Tarantino-Bashing Ennio Morricone will deutschen "Playboy" verklagen

In einem "Playboy"- Interview wird Filmmusikkomponist Ennio Morricone mit Lästereien über Quentin Tarantino zitiert. Nun meldet sich der Italiener zu Wort: Er habe sich nie negativ über den Regisseur geäußert.

Quentin Tarantino (l.) und Ennio Morricone
Getty Images

Quentin Tarantino (l.) und Ennio Morricone


Für seine Musik für "The Hateful Eight" von Quentin Tarantino erhielt Ennio Morricone vor zwei Jahren einen Oscar. Seinen zweiten schon, nachdem ihn die Academy of Motion Picture Arts and Sciences 2007 für sein Lebenswerk geehrt hatte. Am 10. November wurde der legendäre Filmmusikkomponist 90 Jahre, was viele Medien zum Anlass für Interviews nahmen, so auch der "Playboy". Darin wettert Morricone über Tarantino, nennt ihn einen "Kretin" und lässt auch an den Oscars kein gutes Haar. Jetzt aber veröffentlicht er ein Statement: "Ich habe mich niemals negativ über Quentin, seine Filme und die Oscars geäußert."

Das Interview im "Playboy", das seit dem 8. November in der Printversion und teilweise online zu lesen ist, porträtiert einen grummeligen alten Mann, der sich Maestro nennen lässt, Hollywood verabscheut, keine Lust hat, in "dieses fürchterliche Amerika zu reisen mit diesen aufgeblasenen Wichtigtuern, diesen Peinlichkeiten wie den Oscars" - und einen, der Regisseur Tarantino als "Chaoten" beschimpft, der nur alte Sachen aufkocht und keinesfalls die Größe vergangener Filmemacher habe.

In einem Statement, das "Indiewire" veröffentlicht hat, kündigt Morricone nun juristische Schritte gegen die deutsche Ausgabe des "Playboy" an. "Ich halte Tarantino für einen großartigen Regisseur. Ich schätze unsere Zusammenarbeit, die mir einen Oscar einbrachte", schreibt er dort. Außerdem stellt er klar, dass er niemals schlecht über die Oscars sprechen würde. Die Academy sei eine bedeutende Institution, der er die beiden wichtigsten Auszeichnungen seines Lebens zu verdanken habe.

Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE teilte der Burda Verlag mit: "Wir wundern uns, dass Komponist Ennio Morricone bestreitet, dem deutschen Playboy ein Interview gegeben zu haben. Tatsächlich hat das Gespräch am 30. Juni 2018 in seinem Anwesen in Rom stattgefunden. Das Interview war über den Konzertveranstalter Semmel Concerts, der ebenfalls bei dem Gespräch anwesend war, für den deutschen Playboy vereinbart. Ähnlich irritiert sind wir darüber, dass Teile der veröffentlichten Aussagen so nicht getroffen worden sein sollen."*

Der in Rom geborene Morricone zählt zu den bedeutendsten Filmmusikkomponisten. Soundtracks zu dem Italo-Western "Spiel mir das Lied vom Tod" und dem Film "Für ein paar Dollar mehr" machten ihn zur Legende.

Mit Tarantino arbeitete er nicht nur für "The Hateful Eight" zusammen sondern auch schon für den Western "Django Unchained" (2013) . Insgesamt komponierte er mehr als 500 Filmsoundtracks. Zudem geht er mit avantgardistischen Werken seit Jahren auf Tournee. Für das kommende Jahr kündigte er seine Abschiedstour an, im Januar wird er in Berlin auftreten.

*Anmerkung der Redaktion: Wir haben in diesem Artikel die Stellungnahme des Burda Verlages am späten Montagabend ergänzt.

brs



insgesamt 2 Beiträge
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christian simons 12.11.2018
1.
Ich kenne so einige Morricone-Interviews, in denen er durchaus kritisch mit Kollegen und anderen Filmschaffenden ins Gericht gegangen ist. Aber der Hoeneß-Duktus, den wir jetzt im Playboy erleben, passt nicht zu diesem Gentleman. Insofern bin ich mal sehr gespannt, ob und wie die Playboy-Redaktion die Echtheit dieses Wutanfalls nachweisen kann.
ryo_de_paris 12.11.2018
2. Hollywood
Jeder der Filme auch abseits von Hollywood kennt, weiß dass der Maestro nicht ganz unrecht hat.
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