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Theaterskandal in Polen: Porno oder Provokation?

Foto: Radek Pietruszka/ picture alliance / dpa

Theaterskandal Polen streitet über angeblichen Bühnen-Porno

Ein Theaterstück von Elfriede Jelinek befeuert in Polen einen Kulturkampf. Der Kulturminister der neuen nationalkonservativen Regierung wollte die Aufführung verbieten. Eine TV-Journalistin wurde suspendiert, weil sie ihm kritische Fragen stellte.

Sie warf Polens neuem Kulturminister Piotr Glinski vor, auf Fragen nicht zu antworten, sondern Statements wie auf einer Pressekonferenz abzusondern. Und sie verlangte von ihm, sich für seine Vorwürfe zu entschuldigen, der staatliche Sender TVP Info verbreite Propaganda. Diese deutlichen Worte haben die polnische TV-Moderatorin Karolina Lewicka zumindest vorerst den Job gekostet.

Senderchef Janusz Daszczynski sagte, Lewicka habe in ihrem Interview Standards des öffentlich-rechtlichen Fernsehens verletzt, er habe sie deshalb suspendiert. Gleichzeitig unterschrieb er aber einen Protestbrief von TVP-Mitarbeitern, in dem sich diese gegen Glinskis Vorwürfe an Lewicka und den Sender verwahren.

Hintergrund ist der Streit um das Theaterstück "Der Tod und das Mädchen I-V" von Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, das am Samstag am Teatr Polski in der niederschlesischen Stadt Wroclaw uraufgeführt wurde. Piotr Glinski, der Kultusminister der neuen nationalkonservativen Regierungspartei "Recht und Gerechtigkeit", wollte die Aufführung verbieten lassen.

Der Regierungschef der Region Niederschlesien, ein Mitglied der liberalen Bürgerplattform, widersetzte sich seiner Anordnung mit dem Hinweis auf bestehende Gesetze und die Freiheit des künstlerischen Ausdrucks. Daraufhin versammelte sich am Samstag vor der Aufführung ein Mob vor dem Theater, der den Beginn der Aufführung mit Gewalt verhindern wollte. Zwölf Demonstranten wurden verhaftet, das Stück ging wie geplant über die Bühne.

Laut "Deutschlandfunk" waren dort einige nackte Menschen zu sehen , die sich wie Krabben, Schlangen oder Schnecken bewegten. Einige Augenblicke lang sei auch ein kopulierendes Paar zu sehen gewesen, das bewusst freudlos und distanziert von zwei Pornodarstellern gespielt worden sei. In dem 2004 erschienen Stück, das aus fünf Dramoletten besteht, setzt sich Jelinek mit Märchenmythen und körperlicher, psychischer und sexueller Gewalt auseinander.

Kulturminister Glinski hatte zu Beginn der Auseinandersetzung gesagt, das Stück sei pornografisch und dürfe nicht mit öffentlichen Geldern gefördert werden. Im Fernsehinterview mit TVP nahm er allerdings den Vorwurf der Pornografie zurück und warf dem Theater stattdessen vor, provozieren zu wollen.

Es gehört zu den erklärten Zielen der stramm katholisch und national ausgerichteten Partei PiS von Jaroslaw Kaczynski, Pornografie aus dem öffentlichen Raum zu verbannen. Die kulturpolitischen Pläne der Partei gehen aber noch wesentlich weiter.

Wie "Der Standard" meldet, sollen auch Staatsmedien und Verlage auf die Linie der Regierung gebracht werden . An der Spitze von Radio- und TV-Stationen solle ein von ihr ernannter Chef stehen. Bereits während ihrer ersten Regierungszeit von 2005 bis 2007 hatte die PiS Schaltstellen in den Medien mit ihr genehmen Journalisten besetzt.

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