Pooths Absturz Verona hat fertig

Ikone der Trash-Kultur, bauernschlaue Kunstfigur: Verona Pooth, ehemals Feldbusch, ist eine deutsche Institution. Dumm nur, dass ihr Mann im großen Stil pleite ging. Geschichte eines Niedergangs - mit Parallelen zum Gier-und-Geiz-Verfall des Gemeinwesens.

Von Henryk M. Broder


Pleiten, Pech und Pannen, so weit das Auge reicht. Nokia zieht nach Rumänien um, Siemens und BMW bauen Arbeitsplätze ab, die SPD zerlegt sich, deutsche Top-Manager bangen um ihr Erspartes, der Winter fällt aus. Und auch Verona Pooth, geb. Feldbusch, geht es nicht wirklich gut, seit gegen ihren Mann Franjo wegen Bestechung und Konkursverschleppung ermittelt wird.



Und als ob eine 14-Millionen-Euro-Pleite noch nicht peinlich genug wäre, kann jeder Hartz-IV-Empfänger in "Bild" nachlesen, welche Autos bei Verona und Franjo in der Tiefgarage stehen - unter anderem ein Porsche für 135.000 Euro, ein BMW für 120.000 und ein Hummer für 72.000 Euro.

Es scheint, als gäbe es einen Zusammenhang zwischen dem Verfall des Gemeinwesens, das von Gier, Geiz und Ganoventum beherrscht wird, und dem Abstieg der "Stil-Ikone" Verona aus der heilen Oberwelt der Schönen und Reichen in den Wartesaal des Glücks, aus dem sie vor über zehn Jahren aufgebrochen ist, um auf RTL2 die Erotik-Show "Peep!" zu moderieren.

Inhalt? Halt!

Verona Pooth verkörperte immer die Regel "Mehr Schein als Sein". Es war die Losung der neunziger Jahre, als eine schöne Verpackung jeden Inhalt überflüssig machte. Verona war Verpackung pur - attraktiv, sexy und von einer heiteren Unversehrtheit, der auch eine Kurzehe mit Dieter Bohlen nichts anhaben konnte.

Dabei hütete sie ein Geheimnis, das niemand hinter ihrem prächtigen Dekolleté vermutet hätte: eine extrem gut entwickelte praktische Intelligenz. Während sie Werbeverträge sammelte wie andere Frauen Dior-Blusen und dabei Millionen kassierte, präsentierte sie sich als die Anwältin der Bedürftigen, die Mutter Teresa des Trash-Business.

Sie trat bei einer Zirkusgala zugunsten der Aktion "Ein Herz für kranke Kinder" auf, solidarisierte sich mit geschlagenen Frauen, sammelte Geld für SOS-Kinderdörfer in Bolivien, adoptierte fünf Patenkinder (31 Euro pro Kind und Monat), schrieb ein Kinderbuch ("Der kleine Feldbusch") und produzierte einen Pin-up-Kalender ("Verona pur"), um aus den Verkaufserlösen beider Produkte Kinderprojekte zu unterstützen.

Für die "Aktion Schutzengel gegen Sextourismus und Kinderprostitution" stieg sie bei Günther Jauch in die Promi-Bütt; mit gleicher Verve trommelte sie für Darmkrebsvorsorge: "Der Darm ist doch ein ganz normales Organ, doch keiner möchte über eine Darmspiegelung sprechen, dabei ist es doch kein Unterschied zum Augenarztbesuch."

Immer in "Bild"

Zusammen mit Alice Schwarzer trat sie für die "Initiative TeamArbeit für Deutschland" des Wirtschaftsministers in einer bundesweiten Plakataktion auf, um "mehr gesellschaftliches Engagement gegen Arbeitslosigkeit" anzufordern. "Uns trennen ansonsten Welten, aber in diesem Punkt sind wir uns ausnahmsweise einig."

Für beide Geschäftsfrauen war es auch eine Promo-Aktion in eigener Sache: Frau Schwarzer zeigte ein "Emma"-Heft vor, Frau Pooth ein Dessous-Teil aus "Verona's Dreams"-Kollektion. Immer wieder tat sie Gutes und teilte es der Welt mit. Und wo immer eine Charity-Gala gefeiert wurde, Verona Pooth war dabei. "Bild", "Bunte" und RTL auch.

Seit Mai 2007 ist sie als "Engel im Einsatz" für RTL2 unterwegs, um Menschen zu helfen, die in Not geraten sind und sich nicht zu helfen wissen - der mittellosen krebskranken Frau, deren Mann gestorben ist, der alleinerziehenden Mutter zweier Kinder, die von ihren Schulden erdrückt wird. "Engel im Einsatz" heißt es in einem RTL2-nahen Internetforum, "ist Verona Pooth wie auf den Leib geschneidert, eine emotionale, zeitgemäße Doku-Soap neuen Typs, mit dem RTL2 seine Kompetenz in diesem Genre ausbaut".

Klarer kann man es nicht sagen: Nicht Verona Pooth hilft den Armen und den Bedürftigen, die Armen und die Bedürftigen helfen Verona Pooth und RTL2 beim Ausbau ihrer Kompetenz.

Unschuld, die sich rechnet

Verona, die nichts außer sich selbst zu vermarkten hatte, führte ein Leben wie im Glashaus. Dabei freilich achtete sie sehr genau darauf, was die Öffentlichkeit sehen sollte: Mal war es ihre Hochzeit mit Franjo im Wiener Stephansdom, mal eine Shopping-Tour mit ihrem Söhnchen Diego. Das alles machte sie nicht aus Spaß an der Freud, sondern weil es ihren Marktwerk in die Höhe trieb, was wiederum den Preis der Werbeverträge bestimmte.

Das Plappermaul, das so tat, als könnte es keinen Satz fehlerfrei aussprechen ("Da werden Sie geholfen!"), konnte sehr genau rechnen und mehrte mit ihrem Unschuldsimage beharrlich ihr Imagekapital.

Dieses ist jetzt in Gefahr, weil ihr Franjo als "Jungunternehmer" abgestürzt ist. Und so saß Verona gestern Abend auf ihrem Stammplatz bei Kerner und spielte die Trümmerfrau im schulterfreien rosa Kleid. "Es ist definitiv eine schwere Zeit", klagte sie, "wenn man selbst betroffen ist, ist es sehr heftig, wenn man über sich selbst lesen muss". Franjo sei "total am Ende", er rauche eine Zigarette nach der anderen, laufe auf und ab und könne nachts nicht schlafen.

"Wir sind solche Vorwürfe nicht gewohnt, Franjo hat noch nie etwas Kriminelles gemacht. Er ist ein Unternehmer, so stand er noch nie in der Presse, nur als mein Mann." Sie habe "einen Bekanntheitsgrad von 95 Prozent", er sei durch sie bekannt geworden, "ein indirekter Prominenter".

Blabla rund um die Firma

Es gebe in Deutschland "40.000 Insolvenzen im Jahr". Insolvenz sei kein Verbrechen, "das ist eine Situation, die sich ergibt". Wie hart man allerdings daran arbeiten und wie viele Plasma-Flachbildschirme man an Sparkassendirektoren verschenken muss, um mit 14 Millionen Euro in die Pleite zu segeln, konnte sie freilich nicht sagen, denn: "Die Firma hat mit mir nichts zu tun" und "Ich darf nur darüber sprechen, wie ich mich als Ehefrau fühle". Alles Übrige besorgen die Anwälte.

Anders als Eva Herman, die von Kerner in die Zange genommen wurde, konnte Verona Pooth mit dem Mitgefühl des Moderators rechnen. Heikle Fragen beantwortete er selber, während Verona sich ganz auf ihre Rolle als Ehefrau und Mutter konzentrieren konnte. "Diego bekommt von der Insolvenz nichts mit, er kann mit dem Wort nichts anfangen." Franjo dagegen gehe es "sooooo schlecht" wie noch nie. "Ich bin dann wieder glücklich, wenn Franjo wieder glücklich ist."

So ging es genau 45 Minuten hin und her, bis der Zuschauer am Ende nicht mehr wusste, warum Verona überhaupt dasaß, wo doch nichts Schlimmes passiert war, über das man reden müsste.

Anschließend plauderte Kerner mit drei weiteren Gästen über den Untergang der Wilhelm Gustloff am 30. Januar 1945. Bei dieser Katastrophe kamen mehr als 9000 Menschen ums Leben. Bei Kerner dauerte es nur 30 Minuten, bis alles vorbei war.



insgesamt 27 Beiträge
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Franz Medardus 29.02.2008
1. ...mal wieder auf den Punkt gebracht, Herr Broder!
Tut gut, das zu lesen! Schön wär's, wenn das Phänomen "Verona Feldbusch/Pooth" sich mit dieser Skandal-Geschichte ins Nichts auflöste und die Frau in die mediale Bedeutungslosigkeit verwehte. Diese Hoffnung ist wohl aber allzu fromm...
irmanowa11 29.02.2008
2. Verona Feldbusch und die Folgen
Ich bin nur mal gespannt,wie lange es dauert,bis diese Werbemaus sich auf Anraten ihres Managers von dem Herrn Poth trennt,damit sich die Sender der leichten Muse nicht von ihr abwenden. Denn wenn sich diese flachen Sender von ihr abwenden,dann läuft es mit der Knete nicht mehr so richtig. Aber es gibt ja noch genügend Menschen,die dieser "es wird mich schon geholfen"Tussi folgen würden,auch in die Karpaten. Man sollte vielleicht mal einen Spendenaufruf starten,damit diese Poth seine Schulden bezahlen kann und seine dicken Autos behalten kann. Ist das nicht ein schöner Vorschlag?
DJ Doena 29.02.2008
3. Der Broder wieder
Im Artikel klingt ziemlich viel Schadenfreude und Häme durch, kann das sein? Hat ihm Frau Pooth was getan? Achne, gerade nachgeguckt, es war natürlich wieder mal uns Henryk, na so eine Überraschung.
fakesteve 29.02.2008
4. Gut Geschrieben
Zitat von DJ DoenaIm Artikel klingt ziemlich viel Schadenfreude und Häme durch, kann das sein? Hat ihm Frau Pooth was getan? Achne, gerade nachgeguckt, es war natürlich wieder mal uns Henryk, na so eine Überraschung.
Ich finde Herr Broder hat die Situation hervorragend analysiert und einen neutralen, wertungsfreien Text abgeliefert… danke Hendryk!
Rainer Helmbrecht 29.02.2008
5. Herr Verona;o).
Zitat von sysopIkone der Trash-Kultur, bauernschlaue Kunstfigur: Verona Pooth, ehemals Feldbusch, ist eine deutsche Institution. Dumm nur, dass ihr Mann im großen Stil pleite ging. Geschichte eines Niedergangs - mit Parallelen zum Gier-und-Geiz-Verfall des Gemeinwesens. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,538520,00.html
Ich habe nur den Ausschnitt gesehen, der heute morgen im ZDF gesandt wurde und Frau Pooth nicht mit dem Zumwinkel in einem Topf geworfen werden wollte. Der Zumwinkel hat Steuern (vermutlich) hinterzogen und der Pooth hat (vermutlich) seine Geschäftspartner beschixxen. Ich finde da den Zumwinkel irgendwie ehrenhafter. Er hat bereits verdientes Geld, welches bereits versteuert war, nicht noch mal versteuern wollen. Menschlich verständlich, aber nicht damit zu entschuldigen, dass jemand seine Geschäftspartner betrügt. Dass er um gut Wetter zu bitten, seine Frau vorschickt, passt dazu. Wenn er ein Mann wäre, hätte man darüber geschwiegen, bzw. hätte mit offenem Visier dazu gestanden. Verona hat sich in den Kampf gestürzt, aber deutlich gemacht, mein Mann ist eine Pfeife, gut gemeint, aber in die Hose gegangen. Vermutlich wird er mit einem blauen Auge davon kommen, aber er wird es nicht mehr vergessen machen können, von nun an ist er Herr Verona;o). MfG. Rainer
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