Pornografie-Verdacht Indonesischer "Playboy"-Chef freigesprochen

Der Chefredakteur der indonesischen "Playboy"-Ausgabe ist vom Bezirksgericht in Jakarta vom Verdacht der Pornografie-Verbreitung freigesprochen worden. Vor dem Gerichtsgebäude kam es zu Protesten gläubiger Muslims gegen das Urteil.


Jakarta - Bei einem Schuldspruch hätte Chefredakteur Erwin Arnada mit mehr als zweieinhalb Jahren Gefängnis rechnen müssen. Bei der Eröffnung des Prozesses im Dezember vergangenen Jahres sagte Staatsanwalt Resni Muchtar, der Angeklagte habe Foto-Shootings beaufsichtigt und Bilder von Frauen in Unterwäsche oder mit teilweise entblößter Brust ausgesucht. Die Staatsanwaltschaft hatte den 42-Jährigen außerdem beschuldigt, "die Gesellschaft in Verwirrung gebracht" und der "Moral des Landes geschadet" zu haben.

Protest gegen "Playboy": Wütende Muslime bei einer Demonstration Anfang März in Jakarta
AFP

Protest gegen "Playboy": Wütende Muslime bei einer Demonstration Anfang März in Jakarta

Arnada wandte ein, dass sein Magazin keine Darstellungen von nackten Frauen enthalte und sehr viel zurückhaltender sei als indonesische Ausgaben von anderen Zeitschriften aus dem Westen. In Indonesien ist der Handel mit pornografischem Material streng verboten. Dennoch werden Pornofilme im ganzen Land mehr oder weniger frei verkauft. Im "Playboy" werden die Frauen mit nackten Beinen und tiefen Dekolletées gezeigt, was streng gläubige Muslime im größten muslimischen Land der Welt als Affront empfinden. Immerhin: Die in der Zeitschrift veröffentlichten Fotos seien nicht als pornografisch zu bewerten, urteilte heute der Vorsitzende Richter des Bezirksgerichts in Jakarta, Efran Basyuning.

Der indonesische "Playboy" erscheint erst seit April 2006, begleitet von heftigen Protesten islamischer Organisationen. Nachdem das Redaktionsbüro in der Hauptstadt Jakarta mit Steinen beworfen worden war, wurde es nach Bali verlegt, das eine mehrheitlich hinduistische Bevölkerung hat. Der indonesische "Playboy" kostet umgerechnet etwa 3,50 Euro - mehr als das Doppelte des Mindestlohns für einen Tag Arbeit.

Etwa 100 militante Muslime demonstrierten vor dem Gerichtsgebäude und kündigten Selbstjustiz an, falls Arnada nicht verurteilt werde. Hunderte Polizisten und Wasserwerfer waren im Einsatz, um Übergriffe zu verhindern. Die islamistische Vereinigung Front der Islamischen Verteidiger hatte einen "Krieg" für den Fall einer Freilassung Arnadas angekündigt. "Wir werden das Büro von 'Playboy' angreifen und die Ausgaben zerstören", sagte ein Führer der Organisation der Nachrichtenagentur AFP.

bor/AP/AFP



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