Posse um Holocaust-Mahnmal Ironisch, nicht bösartig

In den neuerlichen Eklat um das Holocaust-Mahnmal in Berlin hat sich nun auch Zentralrats-Präsident Paul Spiegel eingeschaltet. Architekt Peter Eisenman solle sich umgehend für seinen zynischen Witz entschuldigen. Eisenman selbst bietet der Jüdischen Gemeinde ein klärendes Gespräch an.


Mahnmal-Architekt Eisenman: Längst entschuldigt
AP

Mahnmal-Architekt Eisenman: Längst entschuldigt

Berlin - Paul Spiegel, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, erwartet von Mahnmal-Architekt Peter Eisenman nach dessen umstrittenen Äußerungen sogar eine schriftliche Entschuldigung. "Umgehend und unmissverständlich muss sich Eisenman gegenüber dem ehemaligen Vorsitzenden der Berliner Jüdischen Gemeinde, Alexander Brenner, und der Jüdischen Gemeinde entschuldigen", sagte Spiegel am Dienstag der "Berliner Zeitung". "Ich verstehe überhaupt nicht, dass Eisenman das nicht schon längst auch in schriftlicher Form gemacht hat."

Zuvor hatte Brenner Eisenman eine "zynische Verunglimpfung des Andenkens der ermordeten, vergasten, erschossenen und verbrannten Juden" vorgeworfen. Hintergrund ist ein Vorfall aus der Sitzung des Mahnmal-Kuratoriums Mitte Februar. Nach Darstellung Brenners und anderer Teilnehmer hatte Eisenman, der selbst Jude ist, dort zur angeblichen Erheiterung einen "Witz" erzählt. Er sei bei einem Zahnarztbesuch in New York gefragt worden, ob seine - Eisenmans - Goldfüllungen von Degussa aus den Zähnen ermordeter Juden stammten. Brenner hatte daraufhin unter Protest die Kuratoriumssitzung verlassen.

Peter Eisenman hat der Jüdischen Gemeinde Berlin unterdessen ein klärendes Gespräch angeboten. Dabei sollen die durch seinen antisemitisch empfundenen Witz ausgelösten Kränkungen ausgeräumt werden. Noch gebe es allerdings keinen Termin für eine solche Unterredung, sagte der Sprecher der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Uwe Neumärker, am Dienstag in Berlin. Eisenman werde aber auf jeden Fall zur nächsten planmäßigen Kuratoriumssitzung am 27. Mai kommen.

Der US-Architekt will sich auch nach der heftigen Kritik an seinen Äußerungen nicht vom Bau des Holocaust-Mahnmals zurückziehen. "Ich werde nicht zurücktreten. Das liegt nicht in meiner Art", sagte Eisenman in New York der 3sat-Sendung "Kulturzeit". "Ich wollte niemanden schädigen oder herabsetzen", sagte er. Vielleicht sei sein Witz falsch übersetzt oder von Kuratoriumsmitgliedern falsch verstanden worden. Er habe ironisch sein wollen und nicht bösartig.

Die Mahnmal-Initiatorin Lea Rosh forderte, dass an dem klärenden Gespräch auch Paul Spiegel und Salomon Korn vom Zentralrat der Juden in Deutschland sowie Vertreter der Gedenkstätten beteiligt werden. Wenn Eisenman das Mahnmal-Projekt zu Ende führen wolle, dann sei es dringend notwendig, dass er die Argumente der Opfer verstehe. "Er nimmt offenbar die Nachkommen der Holocaust-Opfer nicht ernst", kritisierte Rosh.

Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, Vorsitzender des Kuratoriums, hatte bereits am Montag mitgeteilt, Eisenman habe sich für den vermeintlichen Faux pas längst entschuldigt. "Seine Entschuldigung habe ich dem ehemaligen sowie dem derzeitigen Vorsitzenden der Berliner Jüdischen Gemeinde am vergangenen Donnerstag zugeleitet."



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.