Prachtbau auf der Museumsinsel "Ein milder Bode"

Für 162 Millionen Euro wurde das Bode-Museum auf der Berliner Museumsinsel renoviert. Nach acht Jahren Bauzeit ist eine der weltgrößten Skulpturensammlungen wieder für die Öffentlichkeit zugänglich - und die Hauptstadt um eine prunkvolle Schmuckschatulle reicher.


Berlin - "Wir haben Schönheit, Größe und Qualität für die Museumsinsel zurückgewonnen", sagte der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus-Dieter Lehmann, heute Mittag vor der offiziellen Eröffnung des Bode-Museums. Der Prachtbau auf der Museumsinsel wird morgen nach fast achtjähriger Renovierungsphase wieder eröffnet.

Das wilhelminische Museumsschloss an der Südspitze des Unesco-Weltkulturerbes wurde für 162 Millionen Euro nach Plänen des Wiener Architekten Hans Tesar in seiner historischen Substanz wiederhergestellt. Der fertige Bau war schon Ende 2005 übergeben worden. Als Denkmal in der Tradition von Preußens Glanz und Gloria war das Kaiser-Friedrich-Museum von 1897 bis 1904 im Stil des Neo-Barock des Hofarchitekten Eberhard von Ihne auch in Konkurrenz zu den großen Kunstmuseen in Wien und Paris entstanden.

Im kaiserlichen Auftrag hatte Gründungsdirektor Wilhelm von Bode eine Schatzkammer des europäischen Kulturerbes zusammengetragen, zu dem heute die Skulpturensammlung, das Münzkabinett, das Byzantinische Museum und etwa 150 Gemälde Alter Meister gehören. Tausende Sammlungsstücke wurden nach dem Krieg von den sowjetischen Besatzungstruppen als Beutekunst nach Russland gebracht.

Als Herzstück des Museums hatte Bode eine Basilika nach den Vorbildern aus Florenz als Geburtsstadt der Renaissance bauen lassen, um die sich die 64 Museumsräume auf drei Ebenen gruppieren. Wie auf einer großen Bühne öffnet sich dem Besucher am Eingang der Empfangssaal mit der großen Kuppel, den beiden zwei Freitreppen und der Nachbildung des Reiterstandsbilds des Großen Kurfürsten von Andreas Schlüter.

Werke vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jahrhunderts

Die jetzt wieder im Bode-Museum vereinte Skulpturensammlung gilt als eine der weltweit größten für ältere Plastik. Sie beinhaltet Werke vom frühen Mittelalter bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Ein Schwerpunkt liegt auf italienischen Skulpturen, ein anderer auf der spätgotischen deutschen Plastik mit Werken unter anderem von Tilman Riemenschneider.

Die rund 300 Kunstwerke zur byzantinischen Kunst stammen aus der Zeit vom 3. bis zum 19. Jahrhundert. Sie kommen vor allem aus Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, aber auch aus Griechenland, Russland, Ägypten und den Balkanländern. Einen Schwerpunkt der Sammlung bilden kostbare Elfenbeinschnitzereien. Das Münzkabinett konnte schon vor zwei Jahren an mehreren Tagen der offenen Tür besichtigt werden. Für die Ausstellung wurden rund 4000 der insgesamt 500.000 Münzen ausgewählt.

Anliegen des Museums sei, den Besuchern den Zusammenhang von Malerei und Skulptur nahe zu bringen, sagte der Direktor der Skulpturensammlung, Arne Effenberger. Allerdings sei die Präsentation in den 66 Räumen auf 6600 Quadratmetern längst nicht "so dicht gedrängt, so symmetrisch, so dekorativ" wie einst bei Bode. "Einen milden Bode" nannte auch Berlins Museumschef Peter-Klaus Schuster das Ausstellungskonzept, mit dem anders als in dem einst vollgestopften Originalmuseum die Kunstwerke "viel Raum zum Atmen" erhalten habe.

Täglich werden künftig 12.000 Besucher erwartet

Mit dem Bode-Museum komme die Vollendung der Museumsinsel einen großen Schritt weiter, sagte Stiftungspräsident Lehmann. Der für insgesamt rund 1,2 Milliarden Euro geplante Um- und Ausbau der Museumsinsel sieht auch den Bau eines dritten Flügels für das Pergamon-Museum sowie ein Eingangsgebäude für den gesamten Komplex vor. Dieser Bau nach Plänen des britischen Architekten David Chipperfield soll nach Wunsch Lehmanns vorgezogen werden, um die rund 12.000 Besucher, die in Zukunft täglich erwartet werden, über einen zentralen Ort zu leiten. Bis 2015 sollen das Neue Museum, das Pergamonmuseum und das Alte Museum renoviert werden. Darüber hinaus soll eine archäologische Promenade die Museen verbinden.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann bezeichnete die Sanierung der Museumsinsel als "nationale Herausforderung". "Insgesamt ist dies ein phantastisches, aber auch finanziell atemberaubendes Vorhaben", sagte der CDU-Politiker. Im Hinblick auf die Eröffnung des Bode-Museums sprach er im RBB-Inforadio von einem "großen Tag für die Kultur in Deutschland".

Mit zwei Tagen der offenen Tür können Besucher am Donnerstag und Freitag jeweils von 10 bis 18 Uhr kostenlos das Museum besichtigen. Am Samstag startet der reguläre Betrieb. Für 20 Euro gibt es den Bestandkatalog des Museums mit dem Titel "100 Meisterwerke aus dem Bode-Museum".

bor/dpa/AP



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