Preis für Bushido Ein Bambi für den Bad Boy

Preis für Bushido: Ein Bambi für den Bad Boy
Foto: Frank Rumpenhorst/ dpaBusen und Bushido: So viele Einblicke und Einsichten gab es noch nie beim Bambi. Und selten so gelangweilte Gesichter wie bei der 63. Verleihung des Medienpreises aus dem Hause Burda am Donnerstagabend. Sie waren alle davor, sanft wegzudämmern, die gut tausend VIP-Gäste in den Rhein-Main-Hallen in Wiesbaden, Rosenstolz sang "Du bist am Leben", und nicht bei allen im Saal hatte man das Gefühl, dass das zutrifft.
Doch dann wagte es Rosenstolz-Keyboarder Peter Plate, gerade mit dem "Comeback Bambi" ausgezeichnet, Bushido den Preis abzusprechen. Nichts gegen das Recht auf eine zweite Chance und ein Comeback, meinte Plate, aber einen solchen Musiker auszuzeichnen, nach solchen Texten und solch kurzer Zeit, das sei nicht korrekt.
Vereinzelter Applaus, unruhiges Rutschen auf so manchem Stuhl. Wird es jetzt ungemütlich werden, aufregend gar?
Viel Kritik hatte es schon im voraus gegeben, als bekannt geworden war, dass Rapper Bushido den Integrations-Bambi bekommen soll. Ausgerechnet. War der nicht frauenfeindlich, schwulenfeindlich, politisch unkorrekt? Seit Tom Cruise vor vier Jahren zum Vater Courage gekürt wurde, hatte der Bambi nicht mehr so viel Aufmerksamkeit.

Bambi-Verleihung 2011: Sieger, Sänger und ein umstrittener Preis
Bunte-Chefredakteurin und Bambis Stiefmutter Patricia Riekel konterte Plate trotzig mit einem "Jeder Mensch hat eine zweite Chance verdient". Peter Maffay erzählte in seiner Laudatio auf Bushido von Jugendsünden und Läuterung, so mancher im Saal wusste gar nicht, wo er da hingucken sollte. Das könnte aber auch am extrem tiefen Ausschnitt der Tischpartnerin gelegen haben.
Bushido wollte sich nicht rechtfertigen für den Preis, die Kritik sei ihm auch egal, aber irgendwie auch wieder nicht, Mutti weiß schon, was richtig ist, und er jetzt auch. Was Bushido wohl sagen wollte war: Ich bin ein guter Junge, habt mich lieb, und lasst uns lieber an all die Menschen denken, die Hilfe brauchen.
Justin Bieber entführte zwei Fans hinter die Bühne
Wie dankbar reagierte das Publikum danach auf Karl Lagerfeld, der Lady Gaga den Bambi "Pop international" überreichen durfte und sie dafür lobte, dass sie gegen Banalität kämpfe. "Heute wollen alle politisch korrekt sein, ist okay, seien Sie politisch korrekt, aber deshalb braucht man nicht stinklangweilig zu sein", nuschelte Lagerfeld. Für Lady Gaga und ihren Auftritt zückte so mancher im Saal sogar seine Handykamera. Danach: weiterdämmern.
Vielleicht sollte ja Lagerfeld "Wetten, dass ...?" moderieren. Thomas Gottschalk jedenfalls war bei der Dankesrede für seinen Preis für das "TV-Ereignis des Jahres", die Mallorca-Ausgabe seiner Sendung, so humorfrei wie es ein Publikum verdient hat, das zuvor Cindy aus Marzahn eiskalt Gag um Gag mit Nicht-Lachen strafte und auf der Bühne leiden ließ. Etwa dafür, dass sie der Lebenswerk-Preisträgerin Ruth Maria Kubitschek das Kleid geklaut und blau eingefärbt hatte?
"Einer der wichtigsten Preise der internationalen Medienszene" sei der Bambi, übertrieb Schauspielerin Gwyneth Paltrow leicht, die als Moderatorin ungerührt alles wegredete, was der Teleprompter hergab, Deutsch mit holländischem Akzent sprach und schließlich den Bambi in der Kategorie "Film international" bekam.
18 Preise gab es, dabei war vieles erwartbar und wenig bemerkenswert: Justin Bieber, "Superstar der sozialen Netzwerke", sollte junge Zuschauer locken, feierte schon mal Weihnachten unterm Mistelzweig und entführte zwei Fans hinter die Bühne, deren Verbleib ungewiss blieb. Helmut Schmidt bekam den Millenniums-Bambi und hielt eine Polit-Predigt mit dem Credo: Seid dankbar, dass es euch so gut geht, und solidarisch gegenüber jenen, denen es nicht so gut geht! Dabei überstand er mindestens 14 Minuten ohne einen Zigarettenzug.
Veronica Ferres: "Ich bin nicht Goethe"
Dem Ganzen einen Sinn gaben die Preisträger der Kategorien "Stille Helden", die sich einsetzen für Findelkinder, kranke Kinder und behinderte Kinder sowie Ralf Rönckendorf, der als Bundeswehrsanitäter in Afghanistan einem Kameraden das Leben rettete und dabei sein Augenlicht verlor. Die starken Geschichten dieser Menschen wären eine eigenen Fernsehsendung wert, aber bitte ohne die rührselige Soße der Off-Kommentare dieser Bambi-Verleihung.
Ein paar Preise jedoch hat Burda vergessen. Außenmoderator Kai Pflaume, der sich unter die Bieber-Fans wagte, hätte einen "Bambi für den beweglichsten Halswirbel und das stabilste Trommelfell" verdient, Veronica Ferres den "Erkenntnis-Bambi" für ihren denkwürdigen Ausspruch: "Ich bin nicht Goethe".
Macht ja nichts. Bushido doch auch nicht. Und der hat ja schließlich wirklich einen Bambi bekommen.