Presse-Schelte McCain-Berater attackiert "New York Times"

Parteiisch und zu 150 Prozent pro Obama: Harsche Vorwürfe, die McCain-Berater Steve Schmidt an die "New York Times" gerichtet hat. In einer Telefonkonferenz am Montag platzte dem Wahlkampfmanager gegenüber Medienvertretern der Kragen- seine Schmährede findet sich jetzt auf YouTube.


New York - Medienschelte in Zeiten des Wahlkampfs - ob das klug ist? Ausgerechnet die "New York Times" hatte sich der Berater des republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain für seine Schmähattacke ausgesucht.

McCain-Berater Schmidt: Medienschelte in Zeiten des Wahlkampfes
AP

McCain-Berater Schmidt: Medienschelte in Zeiten des Wahlkampfes

In einer Telefonkonferenz am Montag wetterte Steve Schmidt gegen das einflussreiche New Yorker Blatt: "Was auch immer die 'Times' einmal war, eine journalistische Organisation ist sie in keinem Fall mehr. Sie ist eine Pro-Obama-Organisation, die Senator Obama in Schutz nimmt, während sie jeden Tag die McCain-Kampagne, Senator McCain und Gouverneurin Palin attackiert."

Die "Times" sei nichts als ein "parteiischer Lump" und stehe zu "150 Prozent" hinter dem demokratischen Kandidaten, sagte Schmidt weiter in dem inzwischen auch auf YouTube abrufbaren Gespräch mit Medienvertretern.

Die Telefonkonferenz war zustande gekommen, nachdem ein Artikel in der "Times" für Aufregung im McCain-Wahlkampfteam gesorgt hatte: Dabei ging es um Vorwürfe gegen McCains Kampagnenmanager Rick Davis, der fünf Jahre lang monatlich 30.000 US-Dollar von den Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac erhalten haben soll. Man habe sich davon eine besondere "Nähe" zu Senator McCain versprochen, sagte ein ehemaliger Sprecher von Fannie Mae gegenüber der Zeitung.

In dem Konferenzgespräch vom Montag nahm Davis Stellung zu den Vorwürfen. Und beschwerte sich über das große Interesse der "Times" an seiner Person. Man könne meinen, beim Blatt gehe "Davis-Neid" um, sagte er in dem Gespräch gegenüber einer CNN-Reporterin.

Indes wurde Präsidentschaftskandidat McCain von "Times"-Journalisten selbst in Schutz genommen: "Ich glaube nicht, dass diese Aussage John McCains Ansichten widerspiegeln, genauso wenig, wie sie wohl Steve Schmidts wahre Ansichten widerspiegeln", sagte der langjährige Autor Todd S. Purdum dem Online-Dienst Politico. Man sei im McCain-Team wohl frustriert über die gegenwärtige Nachrichtenlage.

Das Wahlkampfteam von Barack Obama reagierte inzwischen auf die Vorwürfe Schmidts, das Blatt bringe nichts über den demokratischen Präsidentschaftskandidaten: Im "New York Times"-Blog veröffentlichten sie eine Liste der bisherigen Artikel über den demokratischen Kandidaten - es sind 40.

ber



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