World Press Photo Awards 2019 Weinendes Mädchen an US-Grenze ist Pressefoto des Jahres

Eine herzzerreißende Szene, die stellvertretend für Trumps unbarmherzigen Umgang mit asylsuchenden Familien steht: US-Fotograf John Moore wurde für seine Aufnahme "Crying Girl on the Border" ausgezeichnet.

Pressefoto des Jahres von John Moore
John Moore/ Getty Images

Pressefoto des Jahres von John Moore


Es ist Nacht, nur Scheinwerfer beleuchten die Szene: Yanela Sanchez, ein kleines Mädchen aus Honduras, steht vor den riesigen Radkappen eines Pick-ups der US-Grenzpolizei. Ihre Mutter muss sich an den Wagen lehnen und wird von Beamten durchsucht. Das vielleicht zwei Jahre alte Kind weint herzzerreißend. Einen Monat lang ist sie mit ihrer Mutter durch Guatemala und Mexiko gereist, um die Grenze zur USA zu erreichen.

Es war ein dunkles Vierteljahr der amerikanischen Einwanderungspolitik: Justizminister Jeff Sessions hatte im April 2018 eine Null-Toleranz-Politik für Flüchtlinge aus Mittelamerika verordnet. US-Grenzschützer trennten fortan erwachsene Einwanderer von ihren Kindern. Nachdem das Bild der weinenden Yanela und ihrer Mutter, die ihr Kind in diesem Moment nicht trösten darf, veröffentlicht wurde, gab die zuständige Grenzpolizei zwar bekannt, dass diese beiden nicht durch den Grenzschutz auseinandergerissen wurden.

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World Press Photo Awards 2019: Die Sieger-Bilder

Doch das Bild steht stellvertretend für viele Familien, denen genau dies angetan wurde: Mehr als 2300 Kinder wurden innerhalb von zwei Monaten beim Übertritt der Grenze von ihren Eltern getrennt - als Abschreckungsmaßnahme. Die Eltern landeten in Haftanstalten, die Kinder wurden über das Land in Pflegefamilien oder Lager in leerstehenden Supermärkten verteilt.

Die Jury des renommierten Wettbewerbs World Press Photo zeichnete deshalb die Aufnahme des US-Fotografen John Moore mit dem mit 10.000 Euro dotierten ersten Preis aus. Es trägt den Titel "Crying Girl on the Border". Kurz nachdem die Agentur Getty Images das Bild veröffentlicht hatte, stoppte Trump die Trennung von Flüchtlingsfamilien. Doch viele Eltern mussten weiter verzweifelt nach ihren Kindern suchen.

Nicht nur die politische Relevanz, auch einzelne Details im Bild hätten die Jury überzeugt, erklärte Whitney Johnson, Vizepräsidentin des Wettbewerbs: "Von den Handschuhen, die der Grenzbeamte trägt, bis hin zu dem Umstand, dass die Schnürsenkel aus den Schuhen entfernt wurden." Ein anderes Jurymitglied erklärte: "Das Bild sagt sofort so viel über die Geschichte dahinter. Gleichzeitig fühlt man sich der Situation verbunden. Das Foto zeigt eine Form von psychologischer Gewalt."

Ebenfalls von Flucht erzählt die in diesem Jahr zur besten Fotostory gekürte Serie "The Migrant Caravan" des niederländisch-schwedischen Fotografen Pieter Ten Hoopen. Er begleitete mit der Kamera die vielleicht weltgrößten Karawane, die im Oktober und November 2018 knapp 7000 Migranten durch Zentralamerika transportierte, darunter 2300 Kinder. "Ich wollte ergründen, was es bedeutet, auf dem Weg in ein neues Leben zu sein", so der Fotograf.

Insgesamt hatten zum Wettbewerb um das Pressefoto des Jahres 4738 Fotografen knapp 79.000 Bilder eingereicht. Alle Gewinnerfotos aus den Kategorien Serie und Einzelbild sehen Sie in unserer Fotostrecke.

Bitte beachten Sie, dass die Fotostrecke alle ausgezeichneten Bilder des World Press Photo Awards zeigt - darunter sind auch Fotos, die verstören könnten und auf SPIEGEL ONLINE normalerweise nicht gezeigt werden.

Hinweis der Redaktion: Wir haben die fehlerhafte Übersetzung von "The Migrant Caravan" korrigiert.

cpa



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