Pressefreiheit Kurdischer Nachrichtensender in der Türkei abgeschaltet

Schon in den vergangenen Wochen gingen türkische Behörden verstärkt gegen prokurdische Medien vor. Jetzt wurde der Nachrichtensender Özgür Gün abgeschaltet.

Proteste bei der Schließung der Zeitung "Zaman"
REUTERS

Proteste bei der Schließung der Zeitung "Zaman"


Der Satelliten- und Kabelfernsehanbieter Türksat hat offenbar die Ausstrahlung des prokurdischen Fernsehsenders Özgür Gün eingestellt. Das teilte das Unternehmen selbst am Dienstag über Twitter mit. Der Kanal mit Zentrale in der Kurdenmetropole Diyarbakir könne jedoch weiter regional und per Internetstream empfangen werden.

Der Grund für die Maßnahme war zunächst nicht bekannt. In den vergangenen Wochen waren die Behörden in der Türkei vermehrt gegen prokurdische Medien vorgegangen. Erst am Sonntag waren 25 Mitarbeiter der kurdischsprachigen Zeitung "Azadiya Welat" festgenommen worden, wie der Sender IMC TV berichtete.

Ebenfalls am Dienstag wurde bekannt, dass im Zusammenhang mit den Ermittlungen nach dem Putschversuch in der Türkei 35 Mitarbeiter von Medienunternehmen zur Fahndung ausgeschrieben wurden. Das meldete die Nachrichtenagentur DHA. Ihnen werde Unterstützung des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen vorgeworfen, den die Türkei für den Putschversuch vom 15. Juli verantwortlich macht.

Bei Razzien in Istanbul, in der Hauptstadt Ankara und im nordwesttürkischen Izmit habe die Polizei bereits neun der Verdächtigen festgenommen. 18 von den noch Gesuchten hielten sich im Ausland auf.

Unter anderem soll nach dem Journalisten Yavuz Baydar gefahndet werden. Das meldet die Zeitung "Cumhuriyet". Baydar schreibt Gastbeiträge für die "Süddeutsche Zeitung".

Ende Juli hatte die türkische Regierung bekanntgegeben, sie habe die Schließung von 45 Zeitungen und 16 Fernsehsendern angeordnet.

kae/dpa

insgesamt 37 Beiträge
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apestuipe 30.08.2016
1. Betrachtet
das wieder irgendwer mit Sorge oder kommt es schon nicht mehr so drauf an?
palef 30.08.2016
2. ...das ist die Macht des...
uns lieb und eng verbundenen, totalitären, demokratisch gewählten Sultans der Türkei... Alles Roger...., Frau Merkel & MiniVize...
m.gu 30.08.2016
3. Die Abschaltung des Kurdensenders ist das kleinere Übel. Der einseitige Krieg der Erdogan Regierung ist eindeutig das größere Übel.
Menschenrechtler vor Ort, die neutral und objektiv berichten, können an Hand von Zeugenaussagen, Bilder, Video-und Kameraaufnahmen beweisen, siehe Quelle: "Kriegsverbrechen der Türkei in kurdischen Gebieten werden nicht geahndet." Untermauert werden diese Kriegsverbrechen, siehe Quelle: "Amnesty International: Türkei straft ganze Städte für PKK-Gewalt." Geschätzte 500 000 Kurden sind innerhalb der Türkei auf der Flucht. Was derzeitig in der Türkei geschieht, siehe Quelle: "Das ist staatlicher Massenmord Ankara." 100de Kinder und Frauen wurden allein in den letzten Wochen beim Beschuss von Wohnhäuser in den Kurdengebieten vorsätzlich getötet. Jeder Kurde in der Türkei steht in Verdacht mit der PKK zu zusammen zu arbeiten. Wer in Verdacht steht, wird verfolgt, gefoltert, verstümmelt oder getötet. Die Meinungs- und Pressefreiheit ist in der Türkei schon mehrere Monate für jeden Türken beschnitten, nur zensierte Beiträge in den Medien des Landes sind erlaubt. Eine Diktatur, wie sie im Buche steht.
DerNachfrager 30.08.2016
4. Das ist wohl ein multifunktionaler Putsch:
Es waren gleichzeitig die Kurden und Gülen.
mcpoel 30.08.2016
5. Mit Sorge betrachten...
... tun das die Politiker schon lange. Es heißt aber nichts anderes als: zuschauen, abwarten und ih machen lassen
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