Berichte über Herkunft von Straftätern Presserat erhält immer mehr Beschwerden

Immer mehr Menschen stoßen sich daran, wie die Medien über die Herkunft von Straftätern berichten. Angeprangert werden sensationsheischende Berichterstattung und die Verletzung von Persönlichkeitsrechten.

Gedenken an die Studentin, die im Oktober in Freiburg ermordet wurde
REUTERS

Gedenken an die Studentin, die im Oktober in Freiburg ermordet wurde


Die Zahl der Beschwerden an den Presserat zu Verstößen gegen Richtlinie 12.1 aus dem Pressekodex hat deutlich zugenommen. Die Richtlinie lässt die Nennung der Herkunft von Straftätern nur zu, wenn es einen begründbaren Sachbezug zur Tat gibt.

In diesem Jahr habe der Presserat 50 entsprechende Beschwerden erhalten, so die Presseratssprecherin Edda Eick. 2015 seien es 38, im Jahr davor sogar nur 12 gewesen.

Die Kritik an der Berichterstattung in der Presse zu diesem Aspekt macht insgesamt nur einen geringen Teil der Beschwerden aus: Insgesamt rund 1700 erreichten den Deutschen Presserat bis Mitte Dezember.

Das sind etwas weniger als in den beiden Vorjahren (2358 und 2009), die allerdings deutlich über dem Durchschnitt lagen. "Und es gab diesmal nicht das eine mediale Großereignis wie den Absturz der Germanwings-Maschine 2015", sagte Eick. Nachdem der Co-Pilot das Flugzeug im März vergangenen Jahres absichtlich zum Absturz gebracht hatte, gab es zur Berichterstattung darüber allein 430 Beschwerden. Verglichen mit den noch weiter zurückliegenden Jahren, als die Zahl der Beschwerden jeweils zwischen 1200 und 1600 gelegen habe, sei das Niveau 2016 nach wie vor hoch.

Fokus auf Attentate in Europa

Auffällig viele Beschwerden in diesem Jahr gebe es zur Berichterstattung zu den Attentaten wie in Nizza, Brüssel, Würzburg und München, sagte Eick. Dabei gehe es vor allem um Kritik an unangemessen sensationeller Berichterstattung und um die Verletzung von Persönlichkeitsrechten der Opfer, die zum Teil auf Fotos erkennbar gezeigt oder deren Namen genannt wurden.

Über Beschwerden zur Berichterstattung über den Mord in Freiburg und die Vergewaltigungen in Bochum entscheiden die Beschwerdeausschüsse erst 2017. Die bisher eingegangenen Beschwerden kritisierten einerseits Medien, die Angaben zur Herkunft der mutmaßlichen Täter gemacht hatten, oder gerade im Gegenteil, dass solche Informationen weggelassen wurden.

Die vorgelegten Zahlen zeigen auch, dass auf die Beschwerden nur selten Rügen folgen: Der Presserat sprach in diesem Jahr 33 aus, im vergangenen waren es noch 35. Daran ändert sich nichts mehr, die Beschwerdeausschüsse des Presserats haben Anfang Dezember zum letzten Mal getagt. Über Beschwerden, die jetzt noch eingehen, wird erst im neuen Jahr entschieden.

Rügen gab vor allem wegen des Verstoßes gegen das Gebot der Trennung von Werbung und Redaktion nach Ziffer 7 im Pressekodex, des Verstoßes gegen Persönlichkeitsrechte (Ziffer 8) und wegen "unangemessen sensationeller Darstellung von Gewalt, Brutalität und Leid" (Ziffer 11). Die Zahl der Beschwerden (49) und Rügen (9) wegen Ziffer 7 ist nach den jetzigen Daten im Vergleich zum Vorjahr allerdings spürbar rückläufig: Da waren es noch 104 und 15.

hpi/dpa



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