Henri-Nannen-Preis Pro Quote kritisiert Jury-Zusammensetzung

Die Hauptjury des Henri-Nannen-Preises besteht aus 15 Mitgliedern. Nur vier Frauen sind dabei. Die Journalisteninitiative Pro Quote rügt nun die weibliche Unterbesetzung bei einem der wichtigsten Preise des Landes.
Der Henri-Nannen-Preis: Im nächsten Jahr wird er zum 9. Mal verliehen

Der Henri-Nannen-Preis: Im nächsten Jahr wird er zum 9. Mal verliehen

Foto: dapd

Hamburg - Wieviele Journalistinnen sollten in der Jury des Henri-Nannen-Preises sitzen und über die renommierteste Auszeichnung für deutsche Journalisten entscheiden? Jedenfalls mehr als vier von 15 - meint die Initiative Pro Quote, die sich für eine Frauenquote von 30 Prozent in den Medien einsetzt.

"Diese weibliche Unterrepräsentanz spiegelt weder die Geschlechterverhältnisse in den Redaktionen noch in der Leserschaft wider", heißt es in einer Mitteilung der Initiative. "Diese Nominierungspolitik ist rückwärtsgewandt", sagt Annette Bruhns, SPIEGEL-Redakteurin und Vorsitzende des Vereins "ProQuote Medien". "Die Henris beschleunigen Karrieren und sollten schon deshalb von einer ausgewogenen Jury vergeben werden."

"Stern"-Chefredakteur Thomas Osterkorn, der die Verleihung des Preises ausgestaltet, wies diese Kritik gegenüber Pro Quote zurück. "Wenn aber in den kommenden Jahren mehr Frauen in Führungspositionen aufrücken, wird sich das auch in der Zusammensetzung der Nannen-Preis-Jury widerspiegeln", sagte Osterkorn.

Erst in der vergangenen Woche hatte der "Stern" angekündigt, in den nächsten Jahren jede zweite Führungsposition mit einer Frau zu besetzen. Bereits nachdem die Henri-Nannen-Preise in diesem Jahr vergeben worden sind, hatte Pro Quote die Verleihung scharf kritisiert: Denn die 30 Journalisten, die geehrt wurden, waren allesamt Männer. Auch aus anderen Gründen gab es bei der letztjährigen Preisgala Ärger: Drei Redakteure der Süddeutschen Zeitung hatten die Auszeichnung im Mai nicht annehmen wollen, weil sie nicht in einer Kategorie mit Kollegen von der "Bild"-Zeitung geehrt werden wollten.

Im Jahr davor war es bereits zu Kritik an der Jury gekommen, nachdem diese dem SPIEGEL-Autoren René Pfister den Preis für die beste Reportage im Nachhinein wieder aberkannt hatte.

Die Auszeichnung für die besten journalistischen Arbeiten in deutscher Sprache wird seit 2005 von Gruner + Jahr und dem "Stern" vergeben und ist in fünf Kategorien ausgeschrieben. Zusätzlich verleiht die Jury einen Sonderpreis für überragende journalistische Leistungen und zeichnet außerdem Journalisten für "herausragendes Eintreten für die Unabhängigkeit der Presse im In- und Ausland" aus, sowie für ihr "publizistisches Lebenswerk". Der Preis ist mit 35.000 Euro dotiert.

kha
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