"Promi-Quiztaxi" Auf die Bildungs-Tour

Ein Taxi, ein paar Promis und jede Menge schlichter Fragen: Daraus mixt Kabel1 ein Quiz-Format. Witz der Veranstaltung: Sie ist so charmant, dass man gerne einsteigt.
Von Peer Schader

Ein Taxi-Leben ist so leicht verzockt. Da sagt man bloß einmal "Liechtenstein" und wird prompt von einem lauten "Möööp!"-Geräusch erschreckt, weil die korrekte Antwort auf die Frage nach dem zweitkleinsten Flächenstaat der Welt natürlich "Monaco" gewesen wäre. Aber das macht ja nichts. Beim nächsten Wackler hält man einfach am Straßenrand, ruft einen ahnungslosen Café-Gast mit dem Megafon heran und fragt noch mal nach.

So in etwa funktioniert die tägliche Kabel1-Show "Quiztaxi", bei der Fahrgäste spontan zu Quizshow-Kandidaten werden – einfach, indem sie bei Fahrer Thomas Hackenberg in den Wagen einsteigen. Für jede richtige Antwort gibt es 50 bis 100 Euro, bei einer falschen verlieren die Fahrgäste eines ihrer drei Leben. Dann ist nicht nur die Kohle futsch, sondern auch die Fahrt vorzeitig beendet.

"Quiztaxi" ist für Kabel1 der Überraschungserfolg des vergangenen Jahres. Nach einem mauen Start im Sommer hat die unspektakulärste aller Raterunden im deutschen Fernsehen inzwischen einen festen Platz am Vorabend. Da war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis der Sender auch Prominente ins Taxi holen würde.

Genauso ist es gekommen: Am Montag hat Hackenberg sich die Komiker Dirk Bach ("Frei Schnauze") und Ralf Schmitz ("Schillerstraße") als erste Opfer ausgesucht. Und anders als bei so manch anderem müden Promi-Showabklatsch war das höchst unterhaltsam.

Wer hat nochmal das Gesetz der Schwerkraft erfunden? Welcher Butterkeks heißt wie ein deutscher Mathematiker und Philosoph aus dem 18. Jahrhundert? Und wie buchstabiert man eigentlich Jalousie? Auf dem acht Kilometer langen Weg durch die Kölner Innenstadt zappelten Bach und Schmitz auf ihren Sitzen, bis zum Schluss mit erhöhten Beträgen tatsächlich eine ganz ordentliche Summe erspielt worden war. Die ging freilich an das Projekt "Schulen für Afrika" von Unicef und nicht in die Taschen der Comedians.

"Jaqueline, das musst du doch wissen"

"Strammer Max! Strammer Max!", brüllte das Duo bei der ersten Frage nach dem Namen eines mit Spiegelei und Schinken belegten Brots. Als keiner der beiden wusste, welches die ostfriesische Insel mit dem kürzesten Namen ist (Juist), hatte Schmitz die Telefonjoker-Eingebung: "Da ruf ich einfach Otto Waalkes an!" Und bei der nächsten Frage wurden tatsächlich zwei junge Frauen aus dem Straßencafé als Passantenjoker ans Taxi beordert.

Im "Quiztaxi" sind alle Kandidaten gleich: die Sekretärin, die mit ihrem Chef auf dem Weg zum nächsten Termin ist; das Pärchen, das eigentlich bloß zum Bahnhof gebracht werden wollte – genauso wie das Prominenten-Duo, bei dem die Gefahr sich zu blamieren natürlich etwas höher ist. "Jaqueline, das musst du doch wissen!", sagt der Opa zum Enkel. Und wenn die Dame mit Hund oder der Radfahrer auf der Straße die Lösung kennen, brechen wildfremde Leute plötzlich gemeinsam in Jubel aus.

Simpler kann man eine Quizshow nicht stricken, wahrscheinlich macht genau das ihren Reiz aus. Das Bildungsthema - oder was immer in telematischen Verwertungszusammenhängen dafür gehalten wird - gehört außerdem zu den Dauerbrennern des Showgeschäfts. Es an die Fortbewegung im öffentlichen Raum zu koppeln, ist eine hübsche, fast sinnfällige Idee: der urbane Mensch als flexible Figur, immer auf dem Sprung, immer unter Zwang, sich zu beweisen.

Nach Bach und Schmitz mussten sich am Montag "Sportschau"-Moderatorin Monica Lierhaus und Schauspieler Ralf Bauer beweisen: Ab welcher Windstärke nennt man den Sturm einen Orkan? Und an welcher Stelle wird beim Essen ein Digestif gereicht? "Können wir jetzt auch mal eine Sportfrage haben", kicherte Lierhaus zwischendrin. Zum Fahrtende gab es wieder einen dicken Scheck für Unicef.

Soll das "Quiztaxi" ruhig noch ein paar Runden drehen bei Kabel1. Die Veranstaltung hat den Charme des Kindergeburtstags mit einer Prise Pisa und einem ordentlichen Häme-Potential. Denn wenn demnächst Thomas Anders, Johann Lafer, Jenny Elvers und Herbert Feuerstein auf Hackenbergs Rückbank sitzen, wird sicher gegrübelt werden, wie man eigentlich "Stillleben" buchstabiert. Der Zuschauer kann sich schlauer fühlen - und heimlich nachschlagen.


"Quiztaxi" , täglich um 19.15 Uhr bei Kabel 1; "Promi-Quiztaxi", montags um 20.15 Uhr

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