ProQuote-Aktion Auf Trampeltieren zu mehr Frauenmacht

Sie kommen auf Höckern geritten: Der Verein ProQuote fordert von deutschen Leitmedien einen höheren Frauenanteil in den Redaktionsspitzen. Eine Computeranimation mit Kamelen illustriert nun, wie der Kampf um mehr Frauenmacht voranschreitet.
Screenshot der Internetseite proquote.de: Kamele bei der Quotenjagd

Screenshot der Internetseite proquote.de: Kamele bei der Quotenjagd

Berlin - Die Journalisteninitiative ProQuote  und die Schauspielerin Jasmin Tabatabai haben am Montag in Berlin eine neue Visualisierung der Geschlechter-Machtverhältnisse in deutschen Redaktionen vorgestellt: Mit einem computeranimierten Kamelrennen  werden die Fort- und Rückschritte beim Erreichen einer Frauenquote in redaktionellen Führungspositionen vermittelt. Weibliche Jockeys reiten acht Kamele, die repräsentativ für die deutschen Leitmedien stehen. Dazu singt Tabatabai aus ihrer mit dem Jazz-ECHO ausgezeichneten CD "Eine Frau": "Dazu braucht 'ne Frau keinen Mann, der ihr auch nur das gibt, was sie selbst nehmen kann."

Das Wettrennen läuft im Internet. An der Spitze liegt momentan die "Zeit" mit 37 Prozent Frauenmachtanteil. Die "Welt" fiel nach einem dramatischen Kampf mit 11,5 Prozent auf den letzten Platz, dabei war das Blatt mit 13,6 Prozent im Mittelfeld gestartet; die "Süddeutsche" hingegen kam mit 4,3 Prozent lange gar nicht aus den Hufen.

"Im Gegensatz zum Kamelerennen auf der Kirmes fallen unsere Tiere leider auch mal zurück", erklärte Annette Bruhns, Vorsitzende von ProQuote. "Das 'Bild'-Kamel galoppierte im September zum Beispiel noch an zweiter Stelle. Jetzt zogen "Stern" und SPIEGEL dank neuer Jockeys an der Konkurrenz vorbei."

Die dem Rennen zugrunde gelegten Zahlen entsprechen nicht dem tatsächlichen Pro-Kopf-Anteil von Frauen auf redaktionellen Führungsposten - sie wurden von ProQuote nach ihrem eigenen Schlüssel berechnet. Der YouTube-Film "Kleine Kais - ProQuote erklärt die Machtfrage" zeigt, wie der Verein die Rechnung zum Fraueneinfluss macht. "Posten unterer Hierarchieebenen bringen weniger Machtpunkte als oben", so Bruhns. Diese begehrten Punkte heißen "Kleine Kais". "Auf einen Chefredakteur entfallen bis zu fünf dieser Kais."

Durch die "Kai"-Bewertung der Positionen verändert sich die Quote in Redaktionen. Obwohl also möglicherweise viele Journalistinnen in Führungspositionen arbeiten, kann der Frauen-Machtquotient einer Redaktion nach ProQuote-Lesart niedrig sein.

kuz
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