Frauen in Chefredaktionen Ein bisschen mehr Macht

Der Verein ProQuote hat ermittelt, wie viele Frauen in journalistischen Führungspositionen arbeiten. Das Ergebnis: immer mehr, aber selten in Parität. Vor allem Regionalzeitungen werden stark von Männern dominiert.

Chefredakteurinnen (v.l.): Marion Horn ("Bild am Sonntag"), Christine Richter ("Berliner Morgenpost"), Barbara Hans (DER SPIEGEL) und Dagmar Rosenfeld ("Welt")
Christian Spicker; Reto Klar/ Berliner Morgenpost; Michael Kappeler; Jürgen Heinrich/ imago images/ DPA

Chefredakteurinnen (v.l.): Marion Horn ("Bild am Sonntag"), Christine Richter ("Berliner Morgenpost"), Barbara Hans (DER SPIEGEL) und Dagmar Rosenfeld ("Welt")


Frauen bilden in vielen Redaktionen die Hälfte der Belegschaft und das Gros des Nachwuchses. Wie sieht es auf der Führungsebene aus? Dieser Frage ist der Verein ProQuote nachgegangen. Nachdem ProQuote vor einem Jahr bereits die Geschlechterverhältnisse in den Chefetagen von Rundfunkanstalten analysierte, konzentriert sich die nun veröffentlichte Studie auf Führungspositionen in Zeitungen, Magazinen und Online-Angeboten. Das Ergebnis: Fast alle untersuchten Redaktionen haben heute einen höheren weiblichen Machtanteil als zu Beginn der Zählungen vor sieben Jahren. Aber sehr selten Parität.

Bei den zehn untersuchten überregionalen Tages- und Wochenzeitungen etwa beträgt der durchschnittliche Frauenmachtanteil bloß 25,1 Prozent - der Wert beziehe sich laut ProQuote auf alle redaktionellen Führungspositionen bis zur stellvertretenden Ressortleitung. Den höchsten Frauenmachtanteil erreicht in dieser Wertung die "taz" mit 50,8 Prozent, den niedrigsten das "Handelsblatt" mit 16,1 Prozent. Gering sind die weiblichen Führungsanteile auch bei der "Welt", der "FAZ" sowie beim "Focus".

Von den großen Politik- und Gesellschaftsmagazinen erreicht der "Stern" den höchsten Frauenmachtanteil (45,8 Prozent), der SPIEGEL liegt bei 36,9 Prozent. Insgesamt falle dabei auf, dass Frauen in liberal und linksliberal verorteten Zeitungen stärker an der redaktionellen Macht beteiligt seien als in jenen, die zum bürgerlich-konservativen Spektrum zählen, schreibt ProQuote. Die geringste Rolle spielten weibliche Führungskräfte in Redaktionen mit Wirtschaftsbezug.

Von 100 Regionalzeitungen werden acht von Frauen geleitet

Bei den 100 reichweitenstärksten redaktionellen Online-Angeboten beträgt der durchschnittliche weibliche Führungsanteil etwas mehr: Knapp ein Drittel der Spitzenpositionen wird von Frauen besetzt. Allerdings ergab die Analyse hier, dass Frauen bei Websites rund um Ratgeber- und Unterhaltungsthemen stark in der Führung vertreten sind, während Redaktionen mit Nachrichten- und Informationsschwerpunkten häufig von Männern geleitet werden.

Das größte Defizit an Führungsfrauen weisen allerdings die Chefredaktionen der Regionalzeitungen auf: Bei den Regionalzeitungen mit eigenem Mantelteil beträgt der Frauenmachtanteil 10,2 Prozent. Von 100 Zeitungen werden lediglich acht von Chefredakteurinnen geleitet - von denen wiederum teilen sich drei die Position mit einem Mann.

Vor einem Jahr ermittelte ProQuote den Machtanteil von Frauen in öffentlich-rechtlichen und privaten Fernseh- und Hörfunksendern: Im journalistisch-programmlichen Bereich lag dieser im Durchschnitt bei 37,7 Prozent.

evh

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