Pulitzer-Preise Doppelsieg für das "Wall Street Journal"

Die Wirtschaftszeitung "Wall Street Journal" ist als einziges Medium gleich zwei Mal mit dem renommierten Pulitzer-Preis geehrt worden. In der Sparte Literatur wurde Cormac McCarthy für seinen Endzeitroman "Die Straße" ausgezeichnet.


New York - "Dienst an der Öffentlichkeit" - in dieser Kategorie wurde das "Wall Street Journal" mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Die Wirtschaftszeitung erhielt die Goldmedaille für die Aufdeckung eines Skandals mit weit reichenden Folgen.

Im März vergangenen Jahres war die Zeitung auf eine Bilanzaffäre von riesigen Ausmaßen gestoßen. Mehrere Top-Manager hatten um die Jahrtausendwende Aktienoptionen in Millionenhöhe rückdatiert und auf sich selbst ausgestellt. Die Recherchen führten in den USA zu landesweiten Untersuchungen der Wertpapieraufsichtsbehörde. In 130 Unternehmen wurde ermittelt und bisher mussten mindestens 70 Manager ihren Hut nehmen. Vor allem Computerhersteller und Unternehmern aus der Technologie-Branche waren zu Hochzeiten der "New Economy" von dem Betrug betroffen. Das prominenteste Unternehmen, das in den Skandal verwickelt war, ist der Computerhersteller Apple. Der Konzern muss seine Bücher für die Geschäftsjahre von 1998 bis 2006 um allein 84 Millionen Dollar korrigieren.

Es ist das erste Mal, dass das Blatt, das vom Dow-Jones-Konzern herausgegeben wird, den ersten Platz in dieser Pulitzer-Kategorie gewinnt. Außerdem ergatterte es als einziges Medium in diesem Jahr gleich zwei Pulitzer-Preise. In der Sparte "Internationale Reportage" landete das Blatt für eine Serie über Chinas Weg in den Kapitalismus ebenfalls auf dem ersten Platz. Die Jury lobte die Beschreibungen der negativen Folgen "von Ungleichheit bis Umweltverschmutzung" der industriellen Entwicklung im Reich der Mitte. "Ich glaube, dass eine unserer höchsten Berufungen als Nachrichtenunternehmen ist, die Missstände im Geschäftsleben auszugraben, damit die Gesellschaft es wieder in Ordnung bringen kann", sagte der Chefredakteur des "Wall Street Journals", Paul Steiger zu dem Doppel-Preis.

Für herausragenden Journalismus wurden außerdem folgende Medien mit einem ersten Platz belohnt: Die "Los Angeles Times" entschied den Sieg für sich in der Sparte "Erklärender Journalismus" für ihre Berichterstattung über die gefährdeten Ozeane. Der Preis für investigativen Journalismus ging an "The Birmingham (Alabama) News". Das Blatt hatte der Vetternwirtschaft und der Korruption im College-System der USA eine ganze Serie gewidmet. Ferner wurden "The Miami Herald" (Lokalbericht), "The New York Times" (Feature) und die US-Nachrichtenagentur AP (Aktuelles Bild) ausgezeichnet.

Cormac McCarthy in der Sparte Literatur ausgezeichnet

In der Sparte Literatur wurde der 73-jährige Schriftsteller Cormac McCarthy für seinen Endzeitroman "Die Straße" geehrt. Die Jury würdigte unter anderem die dichte Beschreibung der Vater-Sohn-Beziehung in McCarthys Roman. Der Pulitzerpreis für Musik ging an den amerikanischen Jazz-Saxofonisten Ornette Coleman für dessen Komposition "Sound Grammar". Damit wurde zum ersten Mal seit 50 Jahren ein nicht-klassisches Musikstück prämiert. In der Kategorie Drama geht der erste Preis an den Autor und Drehbuchschreiber David Lindsay-Abaire für sein Bühnenstück "Rabbit Hole", das im vergangenen Jahr uraufgeführt wurde.

Die mit je 10.000 Dollar dotierten Preise werden in über 20 Sparten für herausragende Leistungen im Journalismus, in Kultur und Literatur vergeben. Sie sind nach ihrem Stifter, dem Journalisten und Verleger Joseph Pulitzer (1847-1911) benannt. Pulitzer wurde am 10. April 1847 in Ungarn geboren und war mit 17 Jahren in die USA eingewandert. Er gründete mehrere Zeitungen und gilt als Schöpfer der amerikanischen Tagespresse. Pulitzer hatte in seinem Testament 500.000 Dollar für den Preis gestiftet. Die Verleihung findet am 21. Mai in New York statt.

mzs/AP/dpa



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