Pulitzerpreis "Washington Post" für Berichterstattung über Trump ausgezeichnet

Die Berichterstattung mehrerer Medien zu US-Präsident Donald Trump sowie die Enthüllung der "Panama Papers" sind mit dem wichtigsten Journalistenpreis ausgezeichnet worden.

Journalist David Fahrenthold wird im Großraumbüro der "Washington Post" beklatscht
AP

Journalist David Fahrenthold wird im Großraumbüro der "Washington Post" beklatscht


Der US-Reporter David Fahrenthold von der Zeitung "Washington Post" ist für seine kritische Berichterstattung über Donald Trump während des Wahlkampfs mit dem renommierten Pulitzerpreis ausgezeichnet worden. Das Preiskomitee würdigte Fahrentholds investigative Arbeit am Montag in New York als "Modell für transparenten Journalismus".

Fahrenthold hatte über den geheimen Videomitschnitt aus dem Jahr 2005 berichtet, in dem der Immobilienmogul und heutige Präsident sich mit sexuellen Übergriffen gegen Frauen brüstete. Außerdem recherchierte der "Washington Post"-Journalist zu Trumps Selbstdarstellung als großzügiger Spender für wohltätige Zwecke, die sich vielfach als unwahr herausstellte.

Lokalzeitung für "Dienst an der Öffentlichkeit" ausgezeichnet

Den Preis in der Königskategorie "Dienst an der Öffentlichkeit" gewann die Lokalzeitung "New York Daily News" und die stiftungsfinanzierte Recherchegruppe ProPublica für die Aufdeckung von diskriminierendem Missbrauch von Zwangsräumungsregelungen in New York.

Für die Panama Papers bekam das in Washington ansässige Internationale Netzwerk Investigativer Journalisten (ICIJ), der in Kalifornien sitzende Medienkonzern McClatchy und der "Miami Herald" den Preis für "erklärende Berichterstattung".

Da die Pulitzerpreise nur US-Medien auszeichnen, aber Zeitungen in zahlreichen Ländern mit recherchiert hatten, in Deutschland etwa die "Süddeutsche Zeitung", würdigte der Vorsitzende des Pulitzerpreis-Gremiums, Mike Pride, indirekt auch die beteiligten Medien: "Es ist keine Frage, dass dies ein viel größeres Projekt war", sagte er.

Drei Pulitzerpriese für die "New York Times"

Der Preis fürAuslandsberichte ging an die "New York Times" für ihre Artikel über die aggressiven Methoden von Russlands Präsident Wladimir Putin zur Ausweitung des russischen Einflusses in der Welt. Auch in den Kategorien Reportage und Foto räumte die "New York Times" ab.

Zu den Preisträgern gehörten weiter die "Chicago Tribune" und der "New Yorker", aber auch kleinere Medien wie die "Charleston Gazette-Mail" aus West Virginia und die "East Bay Times" in Kalifornien. Für die besten Kommentare wurde Peggy Noonan vom "Wall Street Journal" geehrt.

Die Pulitzerpreise, die in diesem Jahr bereits zum 101. Mal vergeben werden, gibt es in 21 Sparten, darunter auch Schauspiel, Musik, Poesie und Belletristik. 14 Sparten betreffen journalistische Arbeiten.

Auszeichnungen für sieben nicht-journalistische Kategorien

Für seinen Sklaverei-Roman "The Underground Railroad" wurde der US-Autor Colson Whitehead geehrt, in der Kategorie Sachbuch gewann Matthew Desmond mit dem Werk "Evicted: Poverty and Profit in the American City" über Zwangsräumungen in den USA.

Lynn Nottage wurde für "Sweat" in der Kategorie Schauspiel geehrt, Tyehimba Jess für "Olio" in der Kategorie Poesie und Du Yun in der Musik-Kategorie für das Opern-Werk "Angel's Bone".

In der Kategorie Geschichte gewann Heather Ann Thompson mit dem Buch "Blood in the Water: The Attica Prison Uprising of 1971 and Its Legacy". Hisham Matar wurde in der Kategorie (Auto-)Biografie für "The Return: Fathers, Sons and the Land in Between" geehrt.

sun/dpa/AFP

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walldemort 11.04.2017
1. Eindrucksvoll
Qualitätsjournalismus lässt sich eben auch durch noch so laut und hysterisch gebrüllte "Lügenpresse"-Anwürfe nicht beirren. Ein Preis, stellvertretend für die freie und kritische Presse überall in der Welt. Und damit ein Stachel im Fleisch der Trumps, Orbans, Erdogans, Putins, Petrys und Le Pens.
spmc-125536125024537 11.04.2017
2. Who cares
Das ist wie mit den Oscar Verleihungen. Das sozialliberale Clinton Establishment feiert sich selbst und Meryl Streep vergießt Tränen der Betroffenheit. Wie Lichterketten oder Rock gegen rechts. Trump und seinen Anhängern wirds egal sein
Stoew 11.04.2017
3. Die postfaktischen Medienmacher loben sich gegenseitig
Ich will ja nicht sagen, dass alle "fake news" machen. Nachrichten komplett zu erfinden ist sehr schwer, wenn auch nicht rühmenswert. Das meiste ist eben Vernebelung oder Brimborium. Aber eben auch ganz bewusste, bezahlte Propaganda. Der Preis für die Washington Post für die Trump-Hetze ist m.E. ein Preis für eine kontraproduktive Propaganda-Kampagne. Die Amerikaner haben die Hetze der sich in einem Komplott gegen Trump befindlichen Blätter und Fernsehsender geglaubt und konträr gewählt. Dass heisst, dies Medien haben einen enormen Vertrauensverlust erlitten und kaschieren das mit solchen Mätzchen. Was gibt´s denn? Die "Goldene Pflaume"? Der Preis damals an die Washington Post wegen der Aufdeckung von "Watergate" war völlig korrekt. Aber was hat denn der David Fahrenthold über Trump aufgedeckt? Das war doch nur Hetze. Länge des Penis und Bauchumfang.
schorri 11.04.2017
4. Bollwerk gegen die Trump-Fake-News
Es gibt sie noch, die freie, die nicht ideologisierte Presse. Sie ist die einzige Chance, sich gegen die finanzielle Macht der Trump-Oligarchie (-Plutokratie) Informationen zu verschaffen, die nicht zusammengelogen sind. Das ist Qualitätsjournalismus. Und es gibt ihn auch (noch) in Deutschland. Reste sind sogar noch bei der Süddeutschen erhalten (Panama Papers), die nach dem Verkauf an die WAZ- und später an die Funke-Gruppe stramm auf Rechtskurs getrimmt wird. Der Pulitzer-Preis ist die höchste Auszeichnung für diesen Qualitätsjournalismus. Und im konkreten Fall (NYT) - nebenbei - auch eine weitere schallende Ohrfeige für Trump.
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