Reality-Soap "Die Alm" Dorfdeppen beim Güllebad

Aus dem Dschungel in die Berge: Mit "Die Alm" reiht sich ProSieben in den Reigen der Landluft-Dokumentaristen ein. B-Prominente wie René Weller und Kelly Trump müssen ohne Strom und Warmwasser hausen. Dabei sollen sie möglichst viel streiten und sexy aussehen - und gelegentlich in einen Bottich voller Gülle steigen.

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"Alm"-Kandidatin Loth: "Container Beauty" im Güllebad
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"Alm"-Kandidatin Loth: "Container Beauty" im Güllebad

Wenn es eine echte alpenländische Kinotradition gibt, dann ist es der Bergfilm. Luis Trenker, die junge Leni Riefenstahl - einfache Menschen im täglichen Kampf gegen die majestätische und grausame Natur. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Ganze dann mit einem bisschen mehr Pathos als Heimatfilm neu erfunden, in den Siebzigern mit Titeln, in denen immer irgendetwas jodelte. Als Sexfilm schließlich wurde das Genre endgültig in den Schmutz gezogen. Dachte man.

Gestern begann bei ProSieben "Die Alm" (täglich 20.15 Uhr), eine Alpen-Reality-Doku-Promi-Soap, in der sich sieben Unerschrockene aus der ständig anwachsenden Riege deutscher Semiprominenz zwei Wochen lang den Widrigkeiten alpinen Lebens ohne Strom aussetzen sollen. Ein bisschen Schwarzwaldhaus und ein bisschen Prominenten-Big-Brother gewissermaßen. Moderiert von Stefan Raabs Kreatur Elton und der in erster Linie fürs Prominentsein bekannten Sonya Kraus - er in Krachlederner und St.-Pauli-T-Shirt, sie im maßgeschneiderten Luder-Dirndl.

Als Bewohner einer Berghütte irgendwo in Südtirol haben sich "Popstars"-Tanzlehrer Detlef D! Soost, Ex-Boxer und Ex-Knacki René Weller, "Bullyparade"-Assistentin Diane Herold, Castingshow-Dropout Daniel Lopes, Fernsehmoderatorin Andrea Kempter (u.a. "Max TV") und Ex-Pornodarstellerin Kelly Trump zur Verfügung gestellt. Eigentlich sollte auch Chirurgenwitwe Tatjana Gsell mit dabei sein, die sich ab Dienstag in Nürnberg wegen versuchten Versicherungsbetrugs und Vortäuschung einer Straftat vor Gericht verantworten muss, aber die erlitt kurzfristig einen Kreislaufkollaps.

Für Gsell sprang Kader Loth ein, die sich schon einmal für "Penthouse" ausgezogen und für die Alm-Teilnahme durch einen Aufenthalt im "Big Brother"-Haus qualifiziert hat. ProSieben legt ihr dafür die schöne Berufsbezeichnung "Container Beauty" bei.

Die munteren Medienmenschen müssen zunächst all ihre weltlichen Güter abgeben, dazu gibt es ritualisiertes Gejammere beim Handy-Entzug. Mit dem "Darth Vader Theme" wird der Alm-Aufseher Josef Huber musikalisch eingeführt, ein echter Öhi mit Bart und Hut. Dann geht es die asphaltierte Straße hinauf zur Hütte, zur Schadenfreude des Zuschauers bei strömendem Regen. Soost findet das bereits "voll die geile Erfahrung" und ist froh, dass nicht die Sonne scheint. Weller zerrt eine zentnerschwere Hantelbank am Leiterwägelchen hinter sich her, Loth blickt geschmerzt und bereitet auffällig die ihr offenbar zugewiesene Rolle des zickigen Prinzesschens vor. Kühe, Schafe, Hühner und Hasen marschieren mit.

Dazwischen überbieten sich Elton und Kraus im Gebirgs-Kalauern und geben schon mal Hinweise, wen man für 49 Cent pro Anruf zum "Sepp des Tages" küren soll. Der oder die muss sich dann am nächsten Tag in einen Bottich voller Gülle setzen, in dem Kraus zur Illustration mit einer Suppenkelle herumrührt. Alles wie beim "Dschungelcamp".

Damit uns nicht allzu langweilig wird, liegt zunächst ein sauber abgesägter Baum quer über der Fahrbahn, dann reißen ein paar Schäfchen aus und die landhausmodisch kostümierten Prominenten müssen über matschige Wiesen hinterher rennen. Der Soundtrack macht deutlich, welche Emotionen all das beim Zuschauer wecken soll: "We are going on a Summer Holiday", "Lass' die Sonne in Dein Herz" - Häme als Grundlage für Unterhaltung.

Zumindest kann bei "Prominenten"-Formaten wir der "Alm" niemand behaupten, da würden Unwissende dazu gebracht, sich vor der Nation zum Affen zu machen. Im Grunde erfüllen diese professionellen Selbstdemütiger eine durchaus nützliche gesellschaftliche Funktion: Als eine Art medialer Dorfdeppen, über die man ungestraft Hohn und Spott ausgießen kann, schließlich haben sie's ja so gewollt.

Und nebenbei sollen sie natürlich sexy sein, gilt es doch, sämtliche "Auf der Alm, da gibt's koa Sünd'"-Klischees zu bedienen. Kader Loth scheint dabei angetreten zu sein, dem designierten Hütten-Luder Kelly Trump ihren Rang streitig zu machen. Während die anderen draußen über ihre Jammerei jammern, spricht sie drinnen mit dem völlig absorbierten René Weller über Brüste und Blondinen.

Detlef Soost gerät schon am ersten Tag beinah mit der Betten machenden Andrea Kempter aneinander, Kader Loth wiederholt ununterbrochen, dass sie sich das aber anders vorgestellt habe, Daniel Lopes erweist sich als überraschend geschickter Melker, keiner außer Weller will die süßen Hasen schlachten. Die Atmosphäre ist wie bei einer Klassenfahrt: Balzgehabe, Zickenterror und demonstrative gute Laune als Mittel gegen die wachsende Aggression. Die Profi-Dorfdeppen machen Dienst nach Vorschrift.

Schließlich sehen wir die Prominenten in ihre kurz geratenen Hütten-Bettchen gehen, dann sitzen sie - wieder voll bekleidet - in der Scheune, um von Elton das Urteil des Volkes entgegen zu nehmen. Pflichtschuldig hat das Publikum Kader Loth fürs Güllebad ausgewählt, möglichst im Bikini bitte.

Das einzig Interessante an der "Alm" ist eigentlich die Frage, ob auch noch Schlammcatchen im Kuhstall auf dem Programm steht. Wenn das Luis Trenker wüsste.



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