Rechtschreibdebatte Akademie für Sprache und Dichtung schlägt Kompromiss vor

Keine Interessengruppe, die im Rechtschreibstreit nicht bereits ein Zeichen gesetzt hätte: Verlage, Lehrer, Politiker und Schriftsteller meldeten sich zu Wort. Jetzt will die Akademie für Sprache und Dichtung zwischen den Positionen vermitteln - mit einem alles andere als neuen Kompromisspapier.


 Regelpuzzle Rechtschreibreform: Darmstädter Kompromiss - weiterhin mit ss
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Regelpuzzle Rechtschreibreform: Darmstädter Kompromiss - weiterhin mit ss

"Es ist die zweitbeste Lösung", sagt Corinna Blattmann, Pressesprecherin der renommierten Akademie für Sprache und Dichtung. "Die beste wäre natürlich, zur alten Schreibung zurückzukehren." Doch das sei kaum möglich, glaubt man in Darmstadt - wegen der finanziellen Folgen für die Schulbuchverlage und die Imageverluste der Kulturpolitiker. Deshalb wollen die Darmstädter Sprach- und Literaturpfleger am kommenden Montag bei einer Pressekonferenz in der Berliner Akademie der Künste einen Kompromissvorschlag vorlegen, der "zwischen den Extrempositionen vermittelt", so Blattmann.

Der Vorschlag zur Neuregelung ist ein eigentlich eine alte Idee: Bereits im März 2003 hatte die Akademie im Rahmen der Leipziger Buchmesse ein Papier vorgelegt, das zwischen Reformgegnern und -befürwortern schlichten sollte. In Arbeit ist das Gutachten bereits seit 1998.

Der Kompromiss sieht vor, die Ersetzung des ß nach Kurzvokalen durch ss beizubehalten. So lasse sich vermeiden, dass Schulbücher neu gedruckt werden müssten. In Fällen aber, in denen die Ausdruckskraft und Vielfalt des Deutschen beschädigt werde oder zu falschen Schreibweisen verleite, sieht das Papier die Rücknahme der Neuregelungen vor. Vor allem die Getrennt- und Zusammenschreibung wird von der Akademie abgelehnt. "Wenn man nicht mehr zwischen auseinander setzen und auseinandersetzen unterscheidet, gehen wertvolle Differenzierungsmöglichkeiten verloren", so Blattmann.

Zur Pressekonferenz am Montag werden der Präsident der Sprachakademie, Klaus Reichert, sowie die Experten Peter Eisenberg, Uwe Pörksen, Hartmut von Hentig, Hans-Martin Gauger und Friedrich Diekmann erwartet. Ob deren Vorschläge jedoch mehr sein können als eine weitere Stimme im Kanon der Reformstreiter, ist fraglich. Die Darmstädter jedenfalls geben sich zuversichtlich - schließlich seien zweitbeste Lösungen am "ehesten politisch durchsetzbar", so die Pressesprecherin der Akademie.



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