Rechtschreibrat Genderstern wird noch nicht empfohlen

Entscheiden tut offenbar weh: Wieder hat der Rat für deutsche Rechtschreibung seine Empfehlungen für gendergerechtes Schreiben vertagt. Lösungen wie den Genderstern wolle man noch länger beobachten.

Der Genderstern wird zwar zunehmend verwendet - in das Regelwerk der deutschen Sprache wird er vorerst aber nicht einziehen. Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat sich bei seiner Tagung am Freitag in Passau einstimmig dafür ausgesprochen, den Sprachgebrauch zunächst weiter zu beobachten.

"Die Erprobungsphase verschiedener Bezeichnungen des dritten Geschlechts verläuft in den Ländern des deutschen Sprachraums unterschiedlich schnell und intensiv", sagte der Vorsitzende Josef Lange. Sie soll nicht durch vorzeitige Empfehlungen und Festlegungen des Rats beeinflusst werden, wie das Gremium befand.

2017 hatte das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass im Geburtenregister neben "männlich" und "weiblich" eine dritte Option geschaffen werden müsse. Daraufhin hatte sich die Debatte um gendergerechtes Schreiben verschärft. Das Recht der Menschen, die sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zugehörig fühlen, angemessen sprachlich zu bezeichnet, sei "ein Anliegen, das sich auch in der geschriebenen Sprache abbilden soll", heißt es nun im Ergebnispapier des Rates.

Jedoch: Bereits bei seiner Sitzung im Juni in Wien war der Rat übereingekommen, dass Gendersprache verständlich und lesbar, vorlesbar, grammatisch korrekt, eindeutig und rechtssicher sowie übertragbar - im Hinblick auf deutschsprachige Länder mit mehreren Amts- und Minderheitensprachen - sein soll.

Wann die Zeit für eine offizielle Empfehlung gekommen sei, wollte der Rat nicht präzisieren. Man wolle weiterhin den Schreibgebrauch in verschiedenen Medien und Gruppen analysieren, hieß es.

hpi/dpa
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