Rechtschreibung Bayern nun doch reformwillig

Seit rund fünf Monaten ist die neue Rechtschreibung verbindlich. Nur Bayern und Nordrhein-Westfalen sperrten sich bislang gegen die Reform. Jetzt hat der bayerische Kulturminister Siegfried Schneider eingelenkt. Man werde den Vorschlägen des Rechtschreibrates folgen.

Fast 19 Jahre ist es her, dass das Bundesinnenministerium und die Kultusministerkonferenz die Modernisierung der Rechtschreibung in Auftrag gaben. 17 Jahre reicht der erste Reformvorschlag zurück, zehn Jahre ist die Absegnung der Rechtschreibreform durch die Kultusminister, die Ministerpräsidenten und das Bundeskabinett her.

Im August letzten Jahres traten die neuen Regeln verbindlich in Kraft, ein jahrelanges Reformprojekt schien vollendet. Nur Nordrhein-Westfalen und Bayern haben sich bislang der Neuordnung verweigert. Im Juli letzten Jahres hatte der bayerische Kultusminister Siegfried Schneider (CSU) nach Rücksprache mit Ministerpräsident Edmund Stoiber erklärt, man wolle die bis dahin geltende Übergangsfrist, in der neben den neuen auch die alten Schreibweisen galten, "bis auf weiteres verlängern".

Man wollte den Empfehlungen des Rats für deutsche Rechtschreibung nachkommen, der seit Ende 2004 an der Korrektur des Reformwerks arbeitet und bis heute an der Neuregelung bosselt. Siebenmal trat das 39-köpfige Expertengremium bislang zusammen, für morgen ist die nächste Sitzung anberaumt, dann soll es um die Groß- und Kleinschreibung gehen und wie man Teile ihrer fragwürdigen Reformierung wieder rückgängig machen kann.

Für Bayern ist es nun genug der Revisionsarbeit. Man wolle die Rechtschreibreform einführen, wie Kultusminister Siegfried Schneider (CSU) der Tageszeitung "Die Welt" (Freitagausgabe) erklärte. Den Vorschlägen des Rechtschreibrates sei Folge zu leisten. "Der Rat für deutsche Rechtschreibung ist mit hochqualifizierten Experten besetzt", so Schneider. Die Kultusministerkonferenz sei gut beraten, den Vorschlägen zuzustimmen.

Bislang laufen die Vorschläge des Rats auf einen Rückbau der umstrittenen Reform hinaus. Auch wenn die Neuordnung 30 Gerichtsverfahren, zahlreiche Volksbegehren, einen Volksentscheid und die Anrufung des Bundesverfassungsgerichts überstanden hat: In vielen Fällen - darunter die Komma- und Worttrennungsregeln und die Anredeformen - wurde die alte Form empfohlen. Wird Einsicht am Ende womöglich groß geschrieben bei Deutschlands Reformdebakel?

dan/dpa

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